Vier unnötige Sorgen zur Energiekrise in Sachsen

Ein leuchtender Weihnachtsstern hängt zwischen zwei Häusern.
Wird Weihnachtsbeleuchtung verboten? Das ist eine von mehreren unnötigen Sorgen, sagt Sachsens Energieminister Wolfram Günther.

Von Georg Moeritz

Dresden. Brennstoffe und Strom sind rasch sehr teuer geworden, aber droht Deutschland in diesem Winter ein flächendeckender Stromausfall? Sachsens Umwelt- und Energieminister Wolfram Günther (Grüne) sagte am Freitag bei einem Pressegespräch in Dresden, weshalb viele Sorgen aus seiner Sicht unbegründet sind.

An der Sicherheit der Stromversorgung habe sich nichts geändert. Günther sieht auch die Energiewende in Sachsen vorankommen – demnächst zusätzlich mit Windkraft-Anlagen in Waldgebieten. Bisher war Windenergie im Wald ausgeschlossen.

Erdgas aus Russland kommt nicht mehr durch die Pipelines, dafür dürfen Kohle- und Atomkraftwerke länger in Betrieb bleiben als zuvor geplant. Minister Günther hält das für ausreichend. Ein Blackout, also ein großflächiger längerer Stromausfall infolge des Erdgasmangels oder der gestiegenen Preise, drohe nicht. „Da gibt es keine neue Situation“, sagte Günther. Stromausfälle in Deutschland seien selten und kurz.

Für Stromversorger sei es zwar eine Herausforderung, mit Erpressungsversuchen durch Computerhacker umzugehen und den Schutz gegen Anschläge sicherzustellen. Doch ein Zusammenbruch der kompletten Stromversorgung sei nicht zu befürchten. Deutschland exportiere sogar Strom: „Frankreich verlässt sich auf unsere Hilfe.“ Der Nordteil Deutschlands habe einen Stromüberschuss, und Sachsen gehöre zum Norden. In Teilen von Brandenburg und Sachsen-Anhalt gebe es Regionen, aus denen der Abtransport des Stroms wegen knapper Leitungen schwierig sei. Sachsen habe als Folge des Kohleausstiegs noch freie Kapazitäten in Stromleitungen.

Müssen Elektro-Heizungen für den Winter her?

Werbeprospekte sind voll damit: Elektrische Heizlüfter und Ölradiatoren werden in Kaufhäusern und Discountmärkten angeboten. Die Anschaffung scheint nicht teuer, aber die Kosten für den Betrieb sind laut Günther „Verbraucherwahnsinn“. Wer mit solchen Geräten heize, werfe Geld zum Fenster hinaus. Häufig leisten die Geräte 2.000 Watt und mehr. Das kostet beispielsweise beim Enso-Grundpreis gut 74 Cent pro Stunde.

Günther wies darauf hin, dass die Erdgasspeicher gefüllt seien. „Niemals bestand das Problem, das jemand nicht heizen kann“, sagte er mit Bezug aufs Erdgas. Im Oktober sei es auch dank der milden Witterung gelungen, beim Gasverbrauch mehr als 20 Prozent einzusparen. Manche Industriebetriebe nutzten die neue Geschäftsmöglichkeit, zeitweise die Produktion einzuschränken und ihr Erdgas lieber zu versteigern.

Derzeit seien die Aussichten gut, die Gasspeicher diesen Winter nicht komplett zu leeren. Für den folgenden Winter seien allerdings noch „große Anstrengungen“ nötig. Am Import von Flüssiggas etwa werde gearbeitet.

Wird Weihnachtsbeleuchtung in Sachsen verboten?

Der Umweltminister möchte selbst nicht auf gemütliche Atmosphäre verzichten: „Zur Adventszeit gehört Beleuchtung!“, sagte Günther. Sie solle nicht verboten werden. Der Bund erlaube in seiner Einsparverordnung ausdrücklich die Weihnachtsbeleuchtung. Günther setzt auf kluge Lösungen in den Kommunen: „Die kriegen das schon hin“, viele hätten beispielsweise bereits auf LED-Beleuchtung umgestellt. Das spare auch Geld, daher hätten sich viele in den letzten Jahren darum gekümmert.

Scheitert die Energiewende, weil künftig Erdgas fehlt?

Die Energiewende ist nach Ansicht Minister Günthers nicht gescheitert und wird weitergehen. Der Verbrauch von Erdgas werde auslaufen, sagte Günther. Allerdings würden weiterhin Gase, auch importierte, zum Absichern der Energieversorgung auch in Spitzenzeiten benötigt. Wasserstoff gewinne an Bedeutung.

Weil der Windkraft-Ausbau in Sachsen in den vergangenen Jahren kaum vorankam, will Günther bis Jahresende eine Paketlösung mit Regeln für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien vorlegen. Dazu gebe es eine „enge Abstimmung in der Staatsregierung“, betonte Günther. Mehr Flächen würden benötigt, auf denen Ökostrom genehmigt werde. „Viele Kommunen denken um, denn der Druck wächst“, sagte der Minister. Die Industrie verlange Grünstrom, das sei ein Standortfaktor und lohne sich auch für Gemeinden. Der bisherige Braunkohlekonzern Leag sei ein wichtiger Partner und Treiber beim Ausbau.

Während bisher laut Koalitionsvertrag Windkraftanlagen im sächsischen Wald ausgeschlossen wurden, ist Günther nun zu Genehmigungen „unter strengen Auflagen“ bereit. Waldbesitzer und Sachsenforst seien interessiert. Naturschutzgebiete müssten aber solche bleiben, auch wenn der Borkenkäfer sie vorübergehend geschädigt habe. Der Wald sei auch zur Erholung da, diene dem Wasser- und Lärmschutz – solche Waldfunktionen könnten auch künftig Windkraftanlagen verhindern.

Geht es nach Günther, sollen bis 2027 die sächsischen Gebiete feststehen, auf denen Windkraftanlagen erlaubt sind. Zwei Prozent der Landesfläche sollen dafür bereitstehen. Mit Zwischenzielen wie 1,3 Prozent will Günther sich nicht aufhalten. Für die Planung ist allerdings das Bauministerium von Thomas Schmidt (CDU) zuständig.

Weitere Beiträge