Automobilzulieferer GKN Driveline in Zwickau steht vor dem Aus

Man sieht die Einfahrt des Zwickauer Werks GKN Driveline Deutschland GmbH mit großem Logo.
Das Zwickauer Werk der GKN Driveline Deutschland GmbH soll geschlossen werden.

Von Ulrich Wolf

Zwickau. Dem Automobilzulieferer GKN Driveline in Zwickau-Mosel mit 800 Beschäftigten droht die Schließung. Das Unternehmen teilte am Mittwoch mit, der Standort sei auf Dauer nicht mehr zu halten. Er müsse „auf absehbare Zeit“ schließen. Die Industriegewerkschaft (IG) Metall warf den Unternehmen vor, die Produktion von Zwickau aus sukzessive nach Osteuropa zu verlagern. Nach Angaben von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) will GKN ein neues Werk in Ungarn aufbauen. Er sprach von einem „Rückschlag für das Autoland Sachsen“.

Der Betriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Jörg Kirsten, sagte, eine drohende Schließung des Standorts geistere schon länger durch Mosel. „Jetzt ist es allerdings kein Gespenst mehr, sondern Realität.“ Es sei bitter für die Beschäftigten, „dass ihre Arbeitsplätze dem Profit geopfert werden sollen“. Belegschaft und IG Metall nähmen das Aus für den Standort aber nicht widerstandslos hin.

Das Unternehmen begründete die Entscheidung „mit strukturellen Veränderungen in der Automobilindustrie“. Die Auslastung des Werks werde deshalb in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen. Ziel sei es nun, für die Beschäftigten sozialverträgliche Lösungen zu finden.

Minister Dulig zeigt kein Verständnis für die Entscheidung

Wirtschaftsminister Dulig erwartet, dass GKN die Entscheidung nochmals überdenkt. Dass es für die Produkte von GKN einen Absatzmarkt gebe, zeigten die Pläne des Unternehmens, ein Werk in Ungarn aufzubauen. „Ich erwarte von GKN, weiter auf die hohe Kompetenz der Beschäftigten und die gute Qualität der Arbeit in Zwickau zu setzen“.

Die IG Metall Zwickau sprach von einem „Schlag ins Gesicht“ der Beschäftigten. Der Zweite Bevollmächtigte der Gewerkschaft, Benjamin Zabel, kündigte eine Mitgliederversammlung an, bei der über den Kampf zum Erhalt der Arbeitsplätze beraten werden soll. Die gesamte Zwickauer Region sei aufgefordert, gegen die Schließung zu protestieren.

Das GKN-Werk in Mosel produziert unter anderem Kugelnaben und Gelenkwellen für BMW, Mercedes, VW und Audi. Es ist einer der größten sächsischen Zulieferer für die Autoindustrie. Die historischen Wurzeln des Standorts reichen jedoch bis 1981 zurück. Unter dem Dach der GKN Driveline Deutschland GmbH sind außer Mosel noch drei weitere deutsche Werke in Offenbach, Kiel und Trier vereint.

GKN macht in Deutschland hohe Verluste

Die Gesellschaft machte 2021 einen Umsatz von 536 Millionen Euro Umsatz und ein Ergebnis nach Steuern von Minus 47 Millionen Euro. Das Mutterunternehmen, die britische GKN Automotive Ltd. in Birmingham, hat den Verlust ausgeglichen. Das wiederum dürfte der obersten Konzerngesellschaft nicht gefallen haben: Es handelt sich dabei um die umgerechnet rund sieben Milliarden Euro schwere Investmentgesellschaft Melrose Industries mit Sitz in London.

Schon beim Automobilkongress im vergangenen Herbst in Zwickau war klar geworden, dass die Zulieferindustrie in Sachsen wegen des Trends hin zur Elektromobilität vor einem tiefgreifenden Umbruch steht. Ein Elektromotor benötigt weniger Bauteile als ein konventioneller Motor. Darüber hinaus kämpft die Branche mit gestiegenen Energiekosten. Für viele Unternehmen rechne sich die Produktion nicht mehr, hieß es im Herbst von Branchenexperten. (mit dpa)

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