Energieminister Günther: Diesen Winter droht Sachsen keine Gasrationierung mehr

Mehrere Barometer eines Kessels reihen sich aneinander.
Kein Mangel an Erdgas: Sachsens Energieminister rechnet nicht mehr damit, dass der Brennstoff rationiert wird.

Von Georg Moeritz

Dresden. Damit hat Wolfram Günther zu Herbstanfang selbst nicht gerechnet: Die Gasspeicher sind so gut gefüllt, dass Sachsens Energieminister Rationierungen für diesen Winter ausschließt. Der Grünen-Minister sagte am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Dresden, Szenarien mit einer Zuteilung von Gasmengen an bestimmte Betriebe seien „komplett vom Tisch“.

Mit einer Gasmangellage rechnet Wolfram Günther für diesen Winter nicht mehr. Allerdings schränkte er ein, bei „extremen Minustemperaturen“ könne die Versorgung immer „heikel“ werden. Ohnehin rief der sächsische Minister dazu auf, weiterhin Energie zu sparen. Denn er könne „nicht absolute Entwarnung“ geben und müsse schon an den kommenden Winter denken. Erst nach dem Winter 2023/24 hätten sich „viele Sachen eingependelt“, etwa die Versorgung mit Flüssiggas aus Übersee.

Gasspeicher in den neuen Ländern zu 89 Prozent gefüllt

Kaum noch zu verfehlen ist nach Günthers Einschätzung das Ziel, zu Anfang April 40 Prozent Füllstand in den Gasspeichern zu erreichen. Derzeit seien die deutschen Gasspeicher im Durchschnitt zu 90,4 Prozent gefüllt, im Gebiet des Unternehmens Ontras für die neuen Bundesländer zu 89 Prozent. Dieses Gas wurde allerdings zum Teil teuer bezahlt.

Im August war bundesweit die zweite Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen worden. Im Herbst hatten die sächsischen Energieversorger Listen mit Industriebetrieben angelegt und nachgefragt, ob bei einer Erdgasrationierung ihre Anlagen gefährdet seien. Glasfabriken beispielsweise fürchten um ihre Schmelzanlagen, wenn sie plötzlich abgeschaltet werden müssen. Im Raum Dresden standen rund 150 Betriebe auf einer Notfallliste – ihnen wäre bei Gasmangel der Nachschub teilweise beschränkt worden.

Gaspreise für 2026 niedriger als erwartet

Vor einem Jahr hätte es Günther nach eigenen Worten kaum für möglich gehalten, ohne russisches Erdgas auszukommen. Damals trug Russland 55 Prozent zum Erdgas bei. Die milden Temperaturen hätten die Umstellung erleichtert, sagte Günther, aber auch harte Arbeit: „Wir sparen, werden effizienter und machen den Brennstoffwechsel.“ Norwegen, Belgien und die Niederlande seien nun die Haupt-Lieferländer für Erdgas, zudem seien die Kapazitäten für Flüssigerdgas (LNG) in wenigen Monaten hochgefahren worden.

Staatssekretär Gerd Lippold sagte, es habe zwar eine Energiepreiskrise gegeben, aber keine Verfügbarkeitskrise. Nun fielen auch die Preise wieder. Die großen Energieversorger könnten bereits Gas für 2026 bestellen, zeitweise für weniger als vier Cent pro Kilowattstunde. Im Sommer hatte es laut Günther Prognosen gegeben, der Großhandelspreis werde nicht mehr unter zwölf Cent fallen. Die Preisentwicklung zeige, dass die Marktteilnehmer nicht mehr mit einer Verknappung rechnen, sagte Lippold.

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