Niesky. Casper Schwinner-Strachwitz pendelt zwischen seinem Arbeitsort in Großbritannien und dem Nieskyer Forsthaus Niederhaide im Nieskyer Ortsteil See. Aktuell weilt der Forstwirt in der Region. Seiner Familie gehören 1400 Hektar Wald zwischen der B115, Niesky See, Kosel und Petershain. „Etwa 50 Hektar haben wir durch den Borkenkäfer verloren“, sagt der Forstwirt.
Ein Teil davon ist bereits gerodet, andere geschädigte Bäume sollen noch weg. Und auf einem kleinen Teil der Käferholz-Fläche könnten künftig zehn bis zwölf Windräder entstehen. Das sehen Anwohner teils kritisch.
Investor für den geplanten Windpark ist SachsenEnergie. Das Unternehmen pachtet die Fläche, die sich im Gebiet Sproitzer Niederhaide/Moholzer Forst befindet. Der Forstbetrieb See ist Eigentümer des Waldes und bleibt es auch, wie Casper Schwinner-Strachwitz sagt. Gebaut werden könnten die zehn bis zwölf Anlagen womöglich ab dem Jahr 2030. Im selben Jahr noch könnten sie in den Betrieb gehen.
Deshalb warb das Energieunternehmen gemeinsam mit dem Flächeneigentümer dafür am Donnerstag bei einer Bürgerinformationsrunde. Nicht mit einem starren Vortrag, sondern mit einzelnen Informationsständen, und um mit den Anwohnern vis-à-vis ins Gespräch zu kommen.
Skepsis überwiegt
Etwa 50 Einwohner nahmen an der Veranstaltung teil. Die fand in den Räumen der Grundschule See statt. Bei der Bürgerrunde, zu der SachsenEnergie als Investor eingeladen hatte und an der Forstunternehmer teilnahmen, wurde deutlich: So richtig anfreunden mit einem künftigen Windfeld im Wald konnten sich die meisten der Teilnehmer nicht.

Quelle: Constanze Junghanß
Einer von ihnen ist Heiko Opitz. Er wohnt im Ortsteil Kosel. „Ich bin dagegen, wir würden vom Haus aus genau auf die Windräder schauen“, sagte er. Heiko Opitz geht davon aus, dass es Einsprüche gegen das Vorhaben gebe, käme es zu einer Genehmigung.
Keine Vorrangfläche
Doch ob der Windpark im Wald tatsächlich kommt, ist nicht sicher. „Ausgewiesen als Vorrangfläche für Windenergie ist das Areal nicht“, bestätigt SachsenEnergie-Sprecherin Nora Weinhold.
Damit tatsächlich gebaut werden kann, müssten deshalb die Ortschaftsräte aus See, Kosel, Ödernitz und Stannewisch dem Projekt erst einmal zustimmen, wie die Pressesprecherin auf Nachfrage sagt. „Sonst funktioniert das Projekt nicht.“ Rund um Niesky sind andere Gebiete als Vorrangflächen für Windkraftanlagen ausgewiesen. Nora Weinhold sagt: „Da sind bereits andere Investoren dran.“
Waldführung angeboten
Unter den Ortschaftsräten ist die Stimmung gespalten. „Es gibt unterschiedliche Meinungen“, sagt André Schulze aus See. Gunter Groh gehört zu denen, die mit Windkraft an diesem Standort nicht einverstanden sind. „Das ist unser schöner Wald“, sagt er. Und im Wald lehne er solche Anlagen ab. Casper Schwinner-Strachwitz als Eigentümer sucht den Dialog. Er will bei einer Waldführung die möglichen Windkraftflächen zeigen und lädt zu einer Waldbegehung ein.
Wir würden für den Standort gern die gerodeten Flächen nutzen. – Casper Schwinner-Strachwitz, Forstwirt
„Wir würden für den Standort gern die gerodeten Flächen nutzen“, betont er auch. Das sei dann für zehn Windräder ein Bereich von etwa drei Hektar. Aufgeforstet werden soll dann an anderer Stelle. „Die Beeinträchtigung der Gesamtfläche ist geringfügig.“ In der Liste zur Anmeldung für die Waldführung tragen sich nur wenige der Anwesenden ein.
Investor suchte nach Flächen
SachsenEnergie begründet seine Standortwahl so: Viele Flächen würden aufgrund von Abstandsregelungen, Natur- und Artenschutz, Anforderungen des Flugverkehrs sowie technischer Infrastruktur ausscheiden. Und so gebe es weniger passende Flächen, um das Zwei-Prozent-Ziel bis 2032 zu erreichen. So erweise sich Wirtschaftswald – wie eben das Gebiet Sproitzer Niederhaide/Moholzer Forst als eine Option.
Auf Zetteln können Einwohner auch notieren, wofür das Geld vom Windpark genommen werden könnte. Ein „Ruf-Bus“ für die Senioren wird ebenso als Idee genannt wie der Wunsch nach einem Sportplatz für die Grundschule oder die Sicherung der Kitas in Kosel und See. Auf einem Papier steht mit grünem Filzstift geschrieben: „Den Strom für den Bürger kostenlos machen. Am besten aber kein Windpark.“

Quelle: Constanze Junghanß
Dass die Anlagen Geld in die Haushaltskasse der Stadt und für die Ortsteile spülen würden, darum ging es bei der Bürgerrunde auch. Die Gemeinden erhalten für jede erzeugte Kilowattstunde Strom 0,3 Cent. Rund 400.000 Euro würde die Stadt Niesky jährlich über einen Zeitraum von 20 Jahren erhalten. Von mehreren zehntausend Euro profitierten Hähnichen und Quitzdorf. Gemeinden im Umkreis von 2,5 Kilometern werden am Erlös von Windenergieanlagen beteiligt.
Die Stromerzeugung des Windparks liegt nach Angaben von SachsenEnergie je nach Anzahl der Anlagen und den Windverhältnissen zwischen 180 und 240 Gigawattstunden Strom im Jahr. Für das Unternehmen wäre das auch der erste eigene Windpark im Landkreis Görlitz. Zwei weitere einzelne Anlagen betreibt SachsenEnergie auf der Fichtenhöhe in Görlitz. Ob sich zu denen ein Windpark in Niesky gesellt, hängt von der Entscheidung der Ortschaftsräte ab.
SZ


