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Ärger über Verspätungen: Welche Folgen haben die Entlassungen am Leipziger Flughafen?

Unzufriedene Passagiere und lange Wartezeiten bei der Gepäckausgabe - sind das bereits Folgen des Personalabbaus am Flughafen Leipzig/Halle?

Lesedauer: 3 Minuten

Andreas Dunte und Florian Reinke

Leipzig/Schkeuditz. An einem Nachmittag inmitten der späten Herbstreisewelle: Fluggäste am Flughafen Leipzig/Halle müssen starke Nerven haben. Ihr Flieger ist längst gelandet, sie stehen an den Gepäckbändern, aber ihre Koffer wollen und wollen nicht kommen. In einem Facebook-Post macht sich eine sächsische Unternehmerin Luft. Seit einer Stunde, schreibt sie, warte man mit „einigen Hundert“ anderen auf die Koffer. „Kein Personal, nichts auf den Anzeigetafeln … eindeutig ist der Flughafen überfordert!“

Ihr Beitrag polarisierte schnell, sammelt fast 600 Kommentare. Auf Nachfrage teilt sie mit, dass man eine Stunde und 45 Minuten auf das Gepäck gewartet habe.

Abbau von 172 Stellen in Dresden und Schkeuditz

Nicht alle stimmen in den Chor der Unzufriedenen ein. Man habe noch nie Probleme am Airport in Schkeuditz gehabt, schreibt eine Reisende beispielsweise – doch der Eindruck hat sich längst manifestiert: Es scheint so, dass am Airport „LEJ“ nicht alles rund läuft.

Sind das bereits die Auswirkungen der Sparmaßnahmen? Bekanntlich hat die Mitteldeutsche Flughafen AG als Betreiberin einen Abbau von 172 Stellen an den Flughafen Leipzig/Halle und Dresden beschlossen, im Zuge dessen wurde auch 64 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt.

Schon Anfang des Jahres warnten Gewerkschafter vor den Folgen eines Personalabbaus. „Viele Beschäftigte arbeiten an der Belastungsgrenze“, warnte Paul Schmidt von Verdi vor den Sparmaßnahmen.

Oktober mit hohem Passagieraufkommen

Der Oktober sei wegen der Herbstferien ein Ausnahmemonat gewesen, sagt Flughafensprecher Uwe Schuhart. Allein in diesem Monat zählte man 301.500 Passagiere – das zweitgrößte Aufkommen in einem Oktober seit 1990 überhaupt und sieben Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Getragen wurde das Wachstum trotz der schwierigen Lage im Luftverkehr durch den touristischen Verkehr, der in den Herbstferien besonders nachgefragt war.

Dieses außergewöhnlich hohe Verkehrsaufkommen wurde von unseren Beschäftigten mit großem Einsatz und hoher Professionalität bewältigt. – Uwe Schuhart, Sprecher Mitteldeutsche Flughafen AG

„Dieses außergewöhnlich hohe Verkehrsaufkommen wurde von unseren Beschäftigten mit großem Einsatz und hoher Professionalität bewältigt. Der Vorstand hat der gesamten Belegschaft dafür ausdrücklich gedankt“, so der Sprecher.

Verspätete Starts im Oktober seien im Wesentlichen auf verspätete Landungen in Leipzig/Halle, witterungsbedingte Einschränkungen und europaweite Luftraum-Restriktionen zurückzuführen – nicht aber auf den Betrieb am Flughafen.

Gepäckbänder am Flughafen ausgelastet

Im Gegenteil: Dank des Einsatzes der Beschäftigten habe es keine Häufung von Verspätungen gegeben. Zugleich räumt der Flughafen ein, dass es „in absoluten Spitzenzeiten“ wie in den letzten Wochen zu punktuellen Verzögerungen am Gepäckausgabeband gekommen sei. „Diese Situationen hängen in erster Linie mit der Auslastung der Infrastruktur zusammen — insbesondere der verfügbaren Gepäckbänder — und nicht mit der Personalstruktur“, heißt es.

Wie Recherchen dieser Zeitung ergeben haben, hoben in der Zeit vom ersten bis vierten November beispielsweise sieben Sun-Express-Maschinen mit Verspätung ab – drei nur mit kürzerer Verzögerung bis 16 Minuten; drei aber auch mit 30 bis 43 Minuten Verspätung.

Auch Flieger der estnischen Fluggesellschaft Marabu hatten an diesen Tagen Verspätung: Laut LVZ-Dokumentation belief sich die bei vier Flügen auf rund 45 bis 60 Minuten. Fairerweise muss zugleich registriert werden, dass die Mehrheit der Flieger pünktlich beziehungsweise mit nur geringer Verspätungen gestartet ist.

Airline Marabu sieht aktuell keine Probleme

Eine Marabu-Sprecherin erklärte auf LVZ-Anfrage: „In der Luftfahrt hängt die Pünktlichkeit von einer Vielzahl von Faktoren während des gesamten Prozesses ab, darunter Flugsicherung, Wetterbedingungen, Slot-Zuweisungen sowie Betriebs- und Sicherheitsverfahren.“ In diesem komplexen Umfeld arbeite Marabu Airlines kontinuierlich mit allen Partnern zusammen, „um einen reibungslosen und zuverlässigen Flugbetrieb zu gewährleisten.“ Von möglichen Problemen bei der Abfertigung in Leipzig/Halle ist keine Rede.

Eine ähnliche Auskunft gibt SunExpress, ein Gemeinschaftsunternehmen der Lufthansa und Turkish Airlines. „Wir können keinerlei Anzeichen dafür erkennen, dass Personalengpässe bei unserem Bodenabfertiger PortGround Einfluss auf unseren Flugbetrieb haben“, sagt eine Sprecherin. Die PortGround fertigt als Tochter der Mitteldeutschen Flughafen AG Flüge ab. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe sich die Zeit-Performance sogar leicht verbessert. Die Verspätungen Anfang November seien zudem „verhältnismäßig gering und liegen im normalen Rahmen des täglichen Flugbetriebs.“

Mehrbelastungen beim Personal

Vom Betriebsrat der MFAG betont Jens Köhler: „Gerade in den angesprochenen Wochen und in Spitzenzeiten kommt es zu einer deutlichen Mehrbelastung des Personals.“

Doch die Auswirkungen der vergangenen Wochen hätten vielmehr am erhöhten Aufkommen gelegen. Erschwerend sei etwa in dieser Zeit dazugekommen, dass Maschinen vom Berliner Flughafen BER nach Leipzig/Halle umgeleitet wurden und für einen erhöhten Aufwand bei der Abfertigung sorgten. „Solche Ereignisse sind vorab nicht planbar“, betont Köhler.

Generell würden Passagiere nicht aufgrund personeller Engpässe überdurchschnittlich lang auf ihr Gepäck warten. Bei starkem Reiseverkehr kämen die Gepäckförderanlagen in der Einreise jedoch an ihre Grenzen. Zu normalen Zeiten sei das nicht der Fall.

Man sei „im Rahmen der laufenden Restrukturierung punktuell an operative Belastungsgrenzen“ gestoßen, räumt das Flughafen-Management ein. „Diese Erkenntnisse sind wichtig für die weitere Transformation“, sagt Sprecher Schuhart.

Wie andere saisonal geprägte Branchen — etwa Hotellerie oder Tourismus — unterliege das Flughafen-Geschäft ebenfalls deutlichen Schwankungen. Jetzt wolle man die Prozesse überarbeiten und die Abläufe effizienter machen. Den nächsten Ansturm erwartet der Flughafen in der Weihnachtszeit.

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