Suche
Suche

Bäckerei-Ketten im Kreis Leipzig: Wohin wollen Wendl, Hennig, Schwarze noch expandieren?

Das Bäckereihandwerk steckt im Wandel. Kostendruck, Personalengpässe und Kaufzurückhaltung zwingen auch die Platzhirsche im Landkreis Leipzig zum Handeln. Sie setzen auf Wachstum, eröffnen immer mehr Filialen. Aber funktioniert das auch?

Lesedauer: 4 Minuten

Bäckerei-Chef Udo Wendl bedient von Markkleeberg aus inzwischen 52 Filialen im Raum Leipzig, aber auch Chemnitz, Halle und Delitzsch. Quelle: Andre Kempner

Ekkehard SchulreichRainer Küster und Roger Dietze

Landkreis Leipzig. Vor wenigen Jahrzehnten noch hatte fast jedes Dorf seinen Bäcker. Während viele von ihnen im Laufe der Zeit immer kleinere Brötchen backen oder ganz aufgeben mussten, haben einige den Sprung geschafft. Die Folge: Allein drei im Landkreis Leipzig ansässige Bäckerei-Großunternehmen versorgen heute Filialen an insgesamt 148 Standorten – und mindestens weitere 30 sind bereits geplant.

Die Bäckereibetriebe Wendl aus Markkleeberg und Schwarze aus Bennewitz sowie das Zwenkauer Backhaus Hennig sind weiter auf Wachstumskurs. Aber welche Rolle spielt ein großes Filialnetz dabei und wohin soll es wachsen? Was muss ein neuer Standort bieten und vor allem: Wo bleibt die Handwerksqualität dabei?

Backhaus Hennig: „Gesundes Wachstum macht Sinn“

Von 90 auf 120: So viel Zuwachs an Filialen plant das Backhaus Hennig, das in Rüssen-Kleinstorkwitz (Stadt Zwenkau) produziert und in der Region um Leipzig, in Ostthüringen und dem Süden von Sachsen-Anhalt präsent ist. In den nächsten zehn Jahren wollen die Firmenchefs Jens (63) und Martin Hennig (41), Vater und Sohn, diese Erweiterung realisieren.

Dafür wird am Unternehmenssitz in diesen Wochen intensiv gebaut: Wurde 2023 in Rüssen die Produktion aufgestockt, geht es jetzt um die Erweiterung der Logistik. Martin Hennig: „Gesundes Wachstum macht Sinn. Das ermöglicht uns zu investieren. Modernste Technik sorgt für ein vernünftiges Arbeitsumfeld, auch darum geht es.“

Oftmals gibt es keine Nachfolge, weil der Beruf an Attraktivität verloren hat. – Jens Hennig, Bäckereichef und Innungsmeister

Dass die Zahl kleiner Bäckereien in den Dörfern und Städten seit Jahren sinke, sieht Jens Hennig nicht in der Expansion der großen Handwerksbetriebe begründet. „Oftmals gibt es keine Nachfolge, weil der Beruf an Attraktivität verloren hat“, sagt der Innungsmeister und Vorsitzende der Kreishandwerkerschaft Landkreis Leipzig/Nordsachsen. Ein, zwei Innungsbetriebe gäben deshalb Jahr für Jahr auf. Chancen hätten Betriebe, die Nischen für sich erschließen.

"Die Maschinen werden immer größer, immer teurer, da kann ein kleiner Betrieb kaum mithalten", begründet Bäckermeister Jens Hennig die Wachstumspläne seines Backhauses in Rüssen-Kleinstorkwitz.
„Die Maschinen werden immer größer, immer teurer, da kann ein kleiner Betrieb kaum mithalten“, begründet Bäckermeister Jens Hennig die Wachstumspläne seines Backhauses in Rüssen-Kleinstorkwitz.
Quelle: Kempner

Bei der Standortwahl für neue Fachgeschäfte lassen sich Hennigs vor allem von einem Kriterium leiten: Frequenz. Liegt die Filiale in einem Wohngebiet oder an einer Durchgangsstraße, wo viele einen Stopp einlegen? „Unsere Kernkompetenz sind Brot, Brötchen, Kuchen“, sagt Jens Hennig. Deshalb gehe man weniger in Innenstädte, sondern dorthin, wo die Alltagseinkäufe gemacht werden. Filialen fänden sich häufig im Foyer von Supermärkten.

Eine andere Strategie verfolgt die Bäckerei Schwarze, die lediglich sechs Fachgeschäfte betreibt. Neben dem Stammhaus in Bennewitz und drei Geschäften im benachbarten Wurzen ist der Familienbetrieb noch je einmal in Eilenburg und in Leipzig vertreten. Außerdem ist Schwarze mit mehreren Verkaufsmobilen in der Region unterwegs.

Bäckerei Schwarze: Regionalität statt Expansion

Und zuletzt wurde das Laden-Sextett um einen Verkaufscontainer an der B 6 im Bennewitzer Ortsteil Deuben erweitert. Aber das sei ursprünglich nur als Zwischenlösung angedacht gewesen, erklärt Ken Schwarze, der die Geschäfte der Bäckerei gemeinsam mit seinem Bruder Percy führt.

„Angedacht war der Container lediglich als Zwischenlösung für den Zeitraum des Straßenbaus im Umfeld unseres Stammhauses, das während der Bauzeit schwerer erreichbar ist“, erklärt Schwarze. Da diese „Backbox“ aber von der Kundschaft sehr gut angenommen worden sei, werde man sie wahrscheinlich dauerhaft betreiben, so der 45-Jährige.

Mit der Erfahrung von über 100 Jahren und vier Generationen: Percy (l.) und Ken Schwarze setzen in ihrer Bennewitzer Bäckerei auf Qualität und regionale Zutaten.
Mit der Erfahrung von über 100 Jahren und vier Generationen: Percy (l.) und Ken Schwarze setzen in ihrer Bennewitzer Bäckerei auf Qualität und regionale Zutaten.
Quelle: Thomas Kube

Darüber hinaus sei keine weitere Expansion geplant. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf der maximal möglichen Verwendung regionaler Rohstoffe. Und diesem Anspruch können wir im Brot- und Brötchenbereich zu mittlerweile 95 Prozent gerecht werden. Im Mittelpunkt unsere Philosophie steht die Qualität unserer Produkte im Zusammenspiel mit der Regionalität.“ Eine solche Strategie vertrage sich mit einem Wachstum in der Fläche nur bedingt, ist der Bäckermeister überzeugt.

Ebenso wenig zuträglich sei die Präsenz in den Eingangsbereichen von Supermärkten. „Zudem haben wir mit unseren 80 Mitarbeitenden eine Personalgröße erreicht, die wir als Familienbetrieb wirtschaftlich und menschlich noch gut bespielen können“, sagt Ken Schwarze.

Bäckermeister Ken Schwarze (im Foto) führt gemeinsam mit Bruder Percy Schwarze das Traditionsunternehmen. Die Bäckerei Schwarze besteht seit 1921 und beliefert Bennewitz und Umgebung mittlerweile in der vierten Generation mit frischen Back- und Konditoreiwaren.
Bäckermeister Ken Schwarze (im Foto) führt gemeinsam mit Bruder Percy Schwarze das Traditionsunternehmen. Die Bäckerei Schwarze besteht seit 1921 und beliefert Bennewitz und Umgebung mittlerweile in der vierten Generation mit frischen Back- und Konditoreiwaren.
Quelle: Thomas Kube

Bäckerei Wendl: Wachstum bedeutet nicht nur, mehr Filialen

In der Bäckerei und Konditorei Wendl, die sich als „der Brotagonist“ vermarktet, zählt die Reaktion auf veränderte Marktbedingungen seit deren Gründung im Jahr 1932 zum Tagesgeschäft. „Die Erfahrungen über viele Generationen hinweg haben gezeigt, dass Wachstum immer kontrolliert und stets mit Blick auf die Qualität erfolgen muss“, betont Chef Udo Wendl.

Für einen Familienbetrieb sei es deshalb wichtig, sich in erster Linie als regionale Marke vor Ort zu etablieren. „Dass dann auch eine überregionale Erweiterung erfolgt, steht außer Frage.“ Das Markkleeberger Traditionsunternehmen betreibt inzwischen 52 Filialen, in denen rund 290 der insgesamt 465 Mitarbeiter tätig sind. Die Standorte befinden sich überwiegend in der Region Leipzig, aber auch in Halle, Chemnitz oder Delitzsch. Zuletzt kamen die Bäckerei-Cafés in Markranstädt und Grimma dazu.

Rund 465 Mitarbeiter beschäftigt Udo Wendl in seiner Bäckerei im Markkleeberger Gewerbegebiet Wachau. Etwa 290 von ihnen arbeiten in einer der 52 Filialen.
Rund 465 Mitarbeiter beschäftigt Udo Wendl in seiner Bäckerei im Markkleeberger Gewerbegebiet Wachau. Etwa 290 von ihnen arbeiten in einer der 52 Filialen.
Quelle: Andre Kempner

„Neue Filialstandorte sind vor allem dort interessant, wo sich Stadtteile verändern, neue Wohn- oder Gewerbe-Mischgebiete entstehen“, hat Wendl festgestellt. Filialen, die sich aufgrund demografischer oder städtischer Entwicklungen wirtschaftlich nicht gut entwickeln, werden durch neue Standorte ersetzt. Bei deren Auswahl berücksichtige er die Wettbewerbssituation ebenso wie die Verfügbarkeit von Pkw-Parkplätzen vor Ort.

„Wachstum bedeutet aber nicht unbedingt mehr Filialen“, betont der Konditormeister. „Auch Wachstum auf bestehender Fläche, stabile Arbeitsplätze, Verlässlichkeit als Arbeitgeber und der Ausbau zu einer starken regionalen Marke zählen dazu.“ Wendls Filialnetz sei „über viele Jahre organisch gewachsen“, dabei habe er auf Nachfragen aus neuen Wohngebieten, Einkaufszentren und Kommunen reagiert.

„Heute muss man sehr genau prüfen, ob ein Standort langfristig sinnvoll ist.“ Allerdings dürfe man die Expansionsstrategie nicht isoliert betrachten: „Gleichzeitig investieren wir stark in Produktqualität, handwerkliche Herstellung, moderne Filialkonzepte und digitale Prozesse. Nur so können die Filialen wirtschaftlich betrieben werden und attraktiv bleiben.“

Das könnte Sie auch interessieren: