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Bei Weltreisen oder Kellerplatznot: Es gibt immer mehr Mietboxen in Dresden

Wer Möbel, Winterreifen oder Bücherkisten unterstellen muss, findet ein wachsendes Angebot. Eine Dresdnerin gehörte zu den ersten Box-Vermietern und hat Ideen.

Lesedauer: 5 Minuten

Georg Moeritz

Dresden. Überraschung: Die Blackbox ist innen nicht schwarz, sondern weiß. Wenn Nina Schwartz das Tor zu ihrer jüngsten Lagerhalle mit der großen Nummer 6 aufschließt, fällt der Blick in einen hell beleuchteten Gang. Weiße Türen mit Vorhängeschlössern reihen sich aneinander. Beim Eingang warten ein Hubwagen und Paletten auf den nächsten Lagerflächenmieter. Kameras und Bewegungsmelder passen auf.

353 Abteile in verschiedenen Größen lassen sich bei der Blackbox Dresden GmbH im Industriegelände mieten, unter der Adresse An der Schleife 4. Rund 460 Liter schwarze Farbe wurden für den Außenanstrich der Lagerhallen verwendet, um dem Markennamen Blackbox gerecht zu werden. Den hat sich die Geschäftsführerin schützen lassen, als sie merkte: Dieses Geschäft lohnt sich, und es wächst stärker als gedacht.

Rabatt für Möbel von Studenten

Er wollte nur ein Jahr in China bleiben: Ein Kunde lagert seit 15 Jahren in einer Blackbox seine Sachen. Er ist in Asien geblieben, zahlt aber die Miete für den Dresdner Lagerraum. Ob er Möbel, Bücherkartons oder Sammelobjekte untergestellt hat, geht die Vermieterin nichts an. Auch die Nachbarn können nicht in das verschlossene Abteil sehen. Verboten sind explosive Stoffe, Tiere und Lebensmittel. Der Schädlingsbekämpfer kommt vorbeugend, der Wachdienst jeden Abend.

Studenten gehören zu den Kunden von Nina Schwartz, wenn sie neu in Dresden sind und einen Teil ihrer Habe zwischenparken müssen. Sie bekommen 15 Prozent Studentenrabatt. Weltreisende melden sich, wenn sie ihre Wohnung für ein Jahr aufgeben, aber Bett und Schrank behalten möchten. Ist der Schrank zerlegbar? Solche Fragen stellen die Vermieterin oder ihre drei Angestellten dann, um den Platzbedarf herauszufinden.

Die Blackbox-Anlage im Industriegebiet ist nach und nach gewachsen. Die Lagerhallen sind zweistöckig, dank Hanglage überall mit ebenerdigem Zugang.
Die Blackbox-Anlage im Industriegebiet ist nach und nach gewachsen. Die Lagerhallen sind zweistöckig, dank Hanglage überall mit ebenerdigem Zugang.
Quelle: Matthias Rietschel

Wer gerade umzieht und Möbel zwischenlagern muss, kann ein Abteil für eine oder zwei Wochen mieten. Stammkunden bringen im Spätherbst die Gartenmöbel und tauschen Winter- gegen Sommerreifen. „Mein Bedürfnis ist es, den Leuten Flexibilität und Transparenz zu bieten“, sagt die Vermieterin.

Als Nina Schwartz 2011 die ersten Unterstellmöglichkeiten anbot, fühlte es sich für sie an wie „Jugend forscht“. Sie arbeitete als Immobilienmaklerin und kümmerte sich für eine Mikrochipfabrik um zugezogene Mitarbeiter. Ein Versuch mit einer Containervermietung als „Kaltlagerfläche“ stieß auf unerwartet großes Interesse. Damals seien Container noch günstig gewesen, sagt die 40-jährige Unternehmerin.

Viel Konkurrenz: Lagerbox, Neoboxx, Storebox

Schon nach einem halben Jahr hatte sich ihre erste Lager-Anlage mit Mobiliar gefüllt. „Da habe ich gedacht: Sei mutig, jetzt machst du was draus.“ Ein Konzept musste her, nach amerikanischem Vorbild. Die Firmenchefin war zwei Jahre in den USA zur Schule gegangen. Dort und in den größten deutschen Städten gibt es die flexiblen Lager-Angebote schon länger.

Seit ungefähr 2018 merkte Schwartz: „Der Markt in Dresden füllt sich.“ Das Unternehmen Lagerbox aus Frankfurt am Main eröffnete in Pieschen und an der Hamburger Straße große Unterstellmöglichkeiten. Neoboxx heißt der Vermieter an der Magazinstraße. Mylager ist ebenfalls im Dresdner Norden vertreten. Mein Lagerraum hoch 3 bietet leere Container am Alberthafen und in Coswig.

Eigenes Konzept: Storebox setzt auf dezentrale Lager und ist fünfmal in Dresden vertreten – zum Beispiel nahe dem Fetscherplatz.
Eigenes Konzept: Storebox setzt auf dezentrale Lager und ist fünfmal in Dresden vertreten – zum Beispiel nahe dem Fetscherplatz.
Quelle: SZ/Georg Moeritz

„Der Markt ist komplett unterschätzt worden“, sagt Xaver Steidl, Personalleiter des Leipziger Unternehmens Selbstlagerbox. Das war 2010 nach eigenen Angaben der erste ostdeutsche Anbieter und ist in Dresden an der Enderstraße vertreten. Auf seiner Internetseite steht, bald stünden noch mehr Lagerräume in Dresden zur Verfügung.

Es gibt sie tatsächlich schon seit März, sagt Steidl: Unter dem Markennamen Storemore hat das Unternehmen Selbstlagerbox Flächen an der Reisstraße 42 renoviert, auf dem ehemaligen Gelände von Poly-Druck in Leuben. Die Branche wachse, sagt Steidl. Er halte sie für „krisensicher“.

Frage der Technik: Schlüssel oder Smartphone-App

Mit der „Premiummarke Storemore“ will das Unternehmen das modernste seiner Klasse sein: „Man kommt überall mit dem Handy rein, jederzeit“, sagt der Manager. Es gebe dort keine Vorhängeschlösser mehr. Aber zu jeder Halle gehörten mindestens zwei Vollzeitkräfte, als Ansprechpartner tagsüber. In der Regel verkaufen die Vermieter auch Verpackungsmaterial und nehmen Pakete von Lieferdiensten an.

Auf räumliche Nähe zum Kunden setzt das österreichische Unternehmen Storebox: An gleich fünf Stellen in Dresden sind seine Lagerräume zu finden, zum Beispiel in Cotta („nur noch fünf Abteile frei“), neben einem Friseursalon nahe dem Fetscherplatz sowie am Schützenplatz im Zentrum – doch dort sind gerade alle Flächen ausgebucht.

Der Markt ist in Deutschland komplett unterschätzt worden. – Xaver Steidl, Personalleiter Selbstlagerbox GmbH

Die Internetseite von Storebox zeigt die Grundrisse der Lagerflächen und wirbt wie bei einer Online-Hotelzimmersuche mit drohender Knappheit. Wer Kontaktdaten hinterlässt, wird informiert, wenn eine Kabine frei wird. Eine Besichtigung ist möglich, mit einem Berater am Telefon.

Preisvergleich schwer, Möbelstapeln auch

Nicht so leicht ist der Preisvergleich. Zwar finden sich auf den Internetseiten der meisten Anbieter Maße und Preise, aber der Mieter muss sehr genau seinen Platzbedarf kennen und wissen, ob er seine Siebensachen geschickt stapeln kann. Sind die Abteile drei Meter hoch oder nur 1,24 Meter? Wie lang sind die Kündigungsfristen, gibt es Rabatte und Versicherungen? Das ist unterschiedlich.

Einige Anbieter bieten „Boxenrechner“ auf ihren Internetseiten. Die errechnen zum Beispiel, dass der typische Inhalt einer Wohnung von 56 Quadratmetern Fläche „voll gestapelt“ fünf bis sechs Kubikmeter Lagerraum fülle. Manche Vermieter bieten auch Transportautos an. Beim Stapeln von Stehlampe und Globus helfen sie nicht.

Billig sind die Boxen nicht. Der Quadratmeter im Lager kostet meist mehr als in Mietwohnungen. Bei der Lagerbox in Dresden-Friedrichstadt zeigt der Preisrechner für zwei Quadratmeter zunächst 20,97 Euro im Monat an, ab dem dritten Monat 41,95 Euro. Bei der Blackbox gibt es zwei Kubikmeter (nicht Quadratmeter) ab 35 Euro – und eine „Bestpreis-Garantie“. Wer in Dresden ein gleichwertiges Angebot finde, bekomme „diesen Preis auch bei uns“.

Bei Blackbox ist ein Vorhängeschloss im Mietpreis enthalten. Manche Firmen ersetzen es durch ein Zahlenschloss, damit mehrere Monteure Material holen können.
Bei Blackbox ist ein Vorhängeschloss im Mietpreis enthalten. Manche Firmen ersetzen es durch ein Zahlenschloss, damit mehrere Monteure Material holen können.
Quelle: Matthias Rietschel

Blackbox-Chefin Nina Schwartz hat inzwischen viele Stammkunden aus der Wirtschaft gefunden. Handelsvertreter und Monteure lagern Ware, Sonnenschirme und Kabel ein. „Die schätzen die Flexibilität“, sagt die Vermieterin. Weihnachtsmarkt-Händler holten den Schwibbogen-Nachschub morgens aus dem Lager im Dresdner Norden statt aus dem Erzgebirge.

Eingang zu einem Blackbox-Lager in Dresden: Paletten, Hubwagen und Feuerlöscher sind vorhanden. Kameras überwachen die Wege.
Eingang zu einem Blackbox-Lager in Dresden: Paletten, Hubwagen und Feuerlöscher sind vorhanden. Kameras überwachen die Wege.
Quelle: Matthias Rietschel

Die Lager-Vermieter sind laut Schwartz „gut vernetzt“ und vermitteln einander schon mal Kunden. Längst gibt es einen Verband deutscher Self Storage Unternehmen, mit Qualitätssiegel und Lobby-Vertretung in Brüssel. Die Mitglieder treffen sich auf Messen und suchen Trends. Dann sind auch Leute von Lagerado oder Osna-Box dabei.

Nina Schwarz sieht, dass es in Dresden viele Anbieter gibt, doch sie sagt: „Der Kuchen ist groß genug.“ Zur Corona-Zeit sei das Geschäft zwar eingebrochen, aber danach sofort wieder losgegangen. Auf dem Land lohne es sich noch nicht, Lagerboxen anzubieten. Aber in den USA würde sie es gern mal probieren. Oder an Spaniens Küste: „Dort sind im Winter ganz viele Deutsche.“ Vielleicht finden die mal eine Blackbox für Campingartikel.

SZ

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