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Beste Karrierechancen im Handwerk

Eine Studie für Sachsen zeigt einmal mehr: Ohne das Handwerk ist die Energiewende nicht zu stemmen. Dafür braucht es Fachkräfte, aber auch mehr Weiterbildung.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Dachdecker arbeitet auf einem Solardach.
Wo immer mehr Solaranlagen installiert werden, braucht es mehr Dachdecker, die sich genau damit auskennen. Auch in anderen Handwerksberufen wird Nachwuchs gesucht. Foto: Adobestock

Von Annett Kschieschan

Dresden. Handwerksberufe haben Zukunft. Das ist mehr als ein optimistischer Werbeslogan. Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften steigt. Nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) gibt es bereits seit 2015 mehr offene Stellen in handwerklichen Berufen als arbeitslose Handwerkerinnen und Handwerker. Insgesamt, so eine Schätzung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sind rund 250.000 Jobs in diesem Bereich unbesetzt. Tendenz eher steigend, was auch in Dresden und dem Umland dazu führt, dass intensiv um Nachwuchs geworben wird.

380 Unternehmen haben sich beteiligt
Eine in diesem Jahr veröffentlichte Kurzstudie zeigt auch, welche Berufe künftig besonders gefragt sein werden. Und hier steht einmal mehr die Energiewende im Fokus. Das Handwerk sei „die Schlüsselbranche“, wenn es um die Umsetzung geht, so das Fazit des sächsischen Wirtschaftsministeriums und der Dresdner Handwerkskammer bei der Präsentation der Studienergebnisse. Und Sachsen hat in Sachen Energiewende besonders viele Hausaufgaben. Der Freistaat hat, gemessen an der Verteilung der sogenannten Baualtersklassen, den ältesten Gebäudebestand in ganz Deutschland. Um ihn fit für die Zukunft zu machen, braucht es Menschen, die Dächer sanieren und Wärmepumpen installieren können, die energieeffiziente Fenster bauen und sich mit Außendämmung auskennen. „80 Prozent der rund 850.000 Wohngebäude in Sachsen werden noch auf Basis von fossilen Energieträgern beheizt, was einen Austausch von jährlich mehr als 30.000 Heizungen bis zur Klimaneutralität 2045 bedeutet“, heißt es aus dem Ministerium.
380 Unternehmen haben in einer Umfrage ihre Einschätzung zum Status quo, aber auch zu der Frage, welche Kapazitäten sie brauchen, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen, abgegeben. Ein Ergebnis: Noch nie waren die Karrierechancen im Handwerk so gut wie jetzt. „Um es mit einem Sportbegriff auf den Punkt zu bringen: Das Handwerk ist der offizielle Ausrüster der Energiewende“, sagt Wirtschaftsminister Dirk Panter. Die Fachkräftegewinnung und -sicherung im Handwerk müsse deshalb ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sein. Derzeit, auch das zeigt die Studie, haben vor allem kleinere Firmen wenig Kapazitäten für die Weiterbildung. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen rechnet zudem mit einem zu geringen Fachkräfteangebot in den Bereichen Photovoltaik, Elektrotechnik, Dämmung und Sanierung sowie Sanitär/Heizung/Klima.

Mehr junge Menschen begeistern

„Berufliche Bildung bedarf unserer finanziellen und auch ideellen Wertschätzung“, sagt Dirk Panter. Das Handwerk selbst stehe dafür bereit, betonte Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. Er appelliert an Politik, Gesellschaft und Handwerk, noch mehr junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. „Um dem Fachkräfteengpass wirkungsvoll zu begegnen, braucht es die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Um junge Menschen zu motivieren, Handwerksbetriebe zu führen, bedarf es eines echten Bürokratieabbaus und mehr unternehmerischer Freiheiten. Und schließlich benötigen wir verlässliche und klare Gesetze und Vorgaben, um Betriebe und Kunden nicht zu verunsichern. Dann gilt: Wir können alles, was kommt“, so Dittrich weiter.
Das geht nur trotzdem nur mit Menschen, die in den entsprechenden Berufen arbeiten wollen. Deshalb bemüht man sich vor Ort in Dresden und dem gesamten Kammerbezirk darum, den Nachwuchs für eine Lehre in der Heimat zu begeistern. Immerhin liegen die Vorteile auf der Hand: Kurze Wege, vergleichsweise niedrige Kosten für Miete und Lebenshaltung sind nur zwei davon. Regelmäßig werben Unternehmen und Verbände für beste Chancen in der Region. Nach Information der Handwerkskammer Dresden wurden bis Ende September sechs Prozent mehr Lehrverträge unterzeichnet als im Vorjahr. „Diese Zahlen unterstreichen deutlich, wie stark das Handwerk auf die Ausbildung setzt. Gleichzeitig zeigt es auch, wie attraktiv das Handwerk für junge Menschen ist, die am Beginn ihrer beruflichen Karriere stehen. Denn sie wissen, das Handwerk bietet ihnen Chancen. Hier erlernen sie zukunftssichere, nachhaltige und anspruchsvolle Berufe mit hervorragenden Fortbildungs- und Karrieremöglichkeiten“, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden.
Zum Thema Zukunftssicherung gehören auch in Dresden gut ausgebildete und motivierte Handwerkerinnen und Handwerker. Die hiesige Kammer macht viele von ihnen in ihrem eigenen Bildungszentrum „njumii“ fit. Und auch hier startet man früh – etwa mit dem Projekt „Juniormeister“, das die Kammer gemeinsam mit dem Dresdner Amt für Wirtschaftsförderung finanziert. Schülerinnen und Schüler bekommen dabei die Chance, Handwerksberufe ganz praktisch kennenzulernen. Am Ende stehen ein eigenes Meisterstück samt Meisterbrief – und manchmal eine klare Vorstellung von einem Beruf.

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