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Ein Schub für die Games-Branche

Der Leipziger Hub zieht ein halbes Jahr nach der Eröffnung eine positive Zwischenbilanz.

Lesedauer: 3 Minuten

Blick in einen Raum mit großem Bildschirm und vielen Menschen davor.
Zum R42 gehört auch eine Eventarena für Veranstaltungen vor Ort. Perspektivisch wollen die Leipziger aber auch stärker auf der internationalen Bühne unterwegs sein. Foto: Gecko Group

Von Ulrich Milde

Leipzig. Es ist wie Balsam auf den Wunden der von Krisen geplagten sächsischen Wirtschaft. „Das rasante Wachstum der Branche im Freistaat zeigt: Sachsen hat eine enorme Innovationskraft“, freut sich Ministerpräsident Michael Kretschmer und lobte: Leipzig sei das Zentrum der mitteldeutschen Games-Firmen. Nach Angaben der Wirtschaftsförderung Sachsen sind derzeit 200 Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Gaming und interaktiven Technologien aktiv. In der bundesweiten Rangliste hat sich das Land dabei in den vergangenen Jahren vom letzten auf den zehnten Platz vorgearbeitet.
Für einen weiteren Schub sorgt der R42 Games Hub in Leipzig, der vor einem halben Jahr eröffnet wurde. „Wir sind stolz auf das, was wir in der kurzen Zeit seit dem Start im Frühjahr alles geschafft haben“, zieht Hub-Chef Christopher Siebenhüner eine erste Zwischenbilanz. „Wir liegen in der Entwicklung vor den Annahmen aus unserem Businessplan.“ Kurzum: Das Konzept geht offenkundig auf. „Gleichzeitig haben wir noch viel vor, wir stehen erst am Anfang.“

Zehn Millionen Euro investiert
Der R42 Games Hub befindet sich in einem denkmalgeschützten, sanierten Handelshaus im Herzen Leipzigs in der Ritterstraße 42. Auf knapp 2000 Quadratmetern entstand auf sieben Etagen eine Infrastruktur, die Arbeit, Kultur, Gastronomie und Leben miteinander verbindet: 70 Coworking-Arbeitsplätze, ein öffentlich zugänglicher Gaming-Bereich mit modernster Ausstattung, ein professionelles Produktionsstudio auf Broadcast-Niveau, eine Event-Arena mit der angeschlossenen Vollgastronomie Bar42 sowie Apartments für internationale Gäste. Die Initiatoren, Chefs regionaler Firmen rund um Siebenhüner, haben zehn Millionen Euro in das Projekt investiert.
Die verschiedenen Angebote treffen nach seinen Angaben auf eine gute Resonanz. Das betrifft die Apartments, aber auch die zu mietenden Flächen für Workshops und Konferenzen und den Studiobereich, in dem von Videos über Tonaufnahmen, etwa für Podcasts, bis zu Live-streams vieles möglich ist. Die Gaming Area, in der sich Interessierte Plätze zum Zocken an den Gaming-Setups buchen können, habe mittlerweile einen festen Besucherstamm. „Das kommt vor allem bei Studentinnen und Studenten gut an.“

Ziel: Miteinander arbeiten
Die Coworking-Arbeitsplätze funktionieren anders als in einem offenen Space, in dem man sich tageweise einmietet. „Bei uns sind die Plätze für die Start-ups aus dem R42 Games Accelerator, für unsere eigenen Teams und für unsere Partnerinnen und Partner reserviert“, berichtet der Hub-Boss. „Das machen wir bewusst so, weil die Leute im Haus auch wirklich miteinander arbeiten sollen und nicht nebeneinander her.“
Integriert ist im R42 Hub der Games Accelerator, den es bereits seit fünf Jahren gibt. Bislang wurden gut 50 Start-ups der Games- und Medienbranche in ihrer Entwicklung beraten und gefördert. Dabei seien auch konkrete wirtschaftliche Effekte entstanden, berichtet Markus Bonk, der Leiter des operativen Geschäfts. Sieben Unternehmen beziehungsweise Teams hätten ihren Sitz nach Sachsen verlagert. „Insgesamt wurden rund 100 neue Arbeitsplätze geschaffen.“ Der aktuelle fünfte Jahrgang des Accelerators umfasst zehn junge Firmen. Es ist die erste Klasse, die das gesamte Programm in den Räumlichkeiten des R42 absolviert.

Mehr als Spieleentwicklung
Die Bandbreite der betreuten Jungunternehmen reicht über klassische Spieleentwicklung hinaus: Das Start-up PiAS Education verbindet beispielsweise spielbasierte Lernmethoden mit Vorschulbildung. TrustBox schloss kürzlich eine erfolgreiche Testphase mit DHL ab. Die App „Raxlifaxe“ von Jet Setting macht Städtetourismus zu einem interaktiven Erlebnis durch eine Mischung aus digitalem Stadtführer und unterhaltsamer Schnitzeljagd. „Wir bauen Brücken zwischen Games-Wirtschaft, Mittelstand und gesellschaftlicher Innovation“, betont Siebenhüner.
Perspektivisch wollen die Leipziger stärker auf der internationalen Bühne unterwegs sein. Einen ersten Einblick in die Möglichkeiten gab der Game Jam in Kenia, den das Team des R42 Games Accelerators im August in Nairobi durchgeführt hat. Die Idee dazu hatte Christopher Siebenhüner bereits ein Jahr zuvor auf der Reise einer Wirtschaftsdelegation nach Sambia gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung entwickelt. Diesen Sommer wurde daraus Realität. Das Siegerteam des Game Jam ist in diesem Jahr der Einladung zum Branchentreff Gamescom in Köln direkt gefolgt. Siebenhöner: „So entstehen neue internationale Freundschaften.“

Innovationstreiber und Wachstumsmotor
Regierungschef Kretschmer jedenfalls hat große Erwartungen in den R42 Games Hub. Ziel sei, die starke Stellung von Leipzig in diesem Wirtschaftszweig zu stärken. „Wir wollen diese Spitzenposition ausbauen – durch mehr Gründungen und die Ansiedlung von Start-ups aus ganz Deutschland in der Messestadt.“ Der CDU-Politiker zeigte sich davon überzeugt, dass der Hub Innovationen aus dem Gaming-Bereich beschleunigen, Geschäftsmodelle zur Skalierung bringen und hochqualifizierte Fachkräfte in der Region binden werde. „Gaming ist längst kein Nischenmarkt mehr, sondern Innovationstreiber, Hightech-Sektor und Wachstumsmotor.“
In der Games-Branche hat sich die Zahl der Unternehmen in diesem Jahr seit der letzten Erhebung 2018 fast verdoppelt und liegt nun bundesweit bei 1200. Das umfasst Entwicklungs- und Publishing Unternehmen sowie gamespezifische Dienstleister. Der Umsatz der Branche ist seitdem um 22 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro gestiegen. Bei der Beschäftigung gab es ein Plus von 20 Prozent auf 15 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


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