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Führungswechsel in Kreinitz: „Landwirtschaft ist nun mal Leidenschaft“

Seit einem Jahr leitet Tobias Pelz die Agrargenossenschaft Kreinitz. Weshalb er seinen Job trotz aller Herausforderungen gerne macht.

Lesedauer: 3 Minuten

Stefan Lehmann

Zeithain. Zu knapp einem Viertel ist die Lagerhalle in Kreinitz schon gefüllt, mehr als mannshoch türmt sich der Berg aus Roggenkörnern. Und die Mähdrescher sind schon wieder draußen. Eigentlich hätte Tobias Pelz die Kollegen gerne schon ein paar Wochen früher zur Ernte rausgeschickt.

Hätte das Wetter gepasst, dann hätte die Agrargenossenschaft Unteres Sächsisches Elbtal Kreinitz ihre Felder wohl schon bis 8. August abgeerntet, sagt Pelz. Jetzt wurde es fast zwei Wochen später. Dabei bedeute jetzt jeder Tag länger Qualitätsverluste, weil das Korn zu keimen beginnt.

Landwirtschaftsbetrieb in herausfordernden Zeiten

Tobias Pelz hat das alles erst kürzlich erzählt, bei einem Interview mit dem MDR. Eine der neuen Aufgaben, denen er sich stellt, seit er im Sommer 2024 die Nachfolge des jahrzehntelangen Vorsitzenden Gerhard Förster angetreten hat.

Es ist keine einfache Aufgabe. „Die Herausforderung wird sein, den Betrieb zu erhalten, trotz steigender Kosten und sinkender Einnahmen.“ Landauf, landab klagen Landwirte über die schwierigen Rahmenbedingungen.

Wenn ich frisches Grün auf dem Feld sehe, vielleicht noch etwas Tau und Sonne – da geht mir das Herz auf. – Tobias Pelz, Vorstand Agrargenossenschaft Oberes Elbtal Kreinitz

Da ist etwa der Mindestlohn, der dazu führt, dass man im internationalen Vergleich deutlich teurer produziert. „Das ist ein großes Problem, das aber noch nicht in den Köpfen angekommen ist.“ Tobias Pelz findet es problematisch, dass die Mindestlohnregelung für jeden greift, auch für Ungelernte. „Er sollte für ausgelernte Fachkräfte gelten.“

An denen fehlt es auch in der Landwirtschaft; einen Auszubildenden hat der Betrieb in diesem Jahr nicht eingestellt. „Wir hatten eine Bewerbung“, erzählt Pelz und zuckt mit den Schultern. Die Qualität stimmte offenbar nicht. „Alle wollen Traktor fahren, aber es gehört eben mehr dazu.“

Neben den Lohnkosten sind auch die Preise für Dünger und Technik gestiegen, parallel sinkt die Agrarförderung. Und die Getreidepreise lägen heute auf einem ähnlichen Niveau wie vor zehn Jahren. „Das Verhältnis passt einfach nicht mehr.“

Tauschen möchte der 41-Jährige seinen Beruf trotzdem nicht. „Landwirtschaft ist nun mal Leidenschaft“, sagt er. „Mich hat das Thema quasi von Geburt an gepackt.“

Von Mittelsachsen in die Lommatzscher Pflege

Und das, obwohl die Eltern beide komplett anderen Berufen nachgingen: „Meine Mutter ist Lehrerin, mein Vater Elektroingenieur“, erzählt Pelz, der in der Nähe von Waldheim aufgewachsen ist.

Die Liebe zur Landwirtschaft hätten ihm Opa und Onkel eingeimpft. „Mein Onkel hatte um die Wende herum einen K700.“ Auf dem Großtraktor sei er schon als Stift immer mitgefahren und habe auf dem Beifahrersitz geschlafen. In der Grundschulzeit habe er dann in einem Meinsberger Milchviehbetrieb geholfen. „Ich bin nach der Schule rüber, hab ausgemistet, gefüttert und Kälber zur Welt gebracht.“

Herr Förster hat immer gesagt: Wenn’s einfach wäre, würd’s jeder machen! – Tobias Pelz, Vorstand Agrargenossenschaft Oberes Elbtal Kreinitz

Trotzdem machte Pelz erstmal das Abitur, ging anschließend in die Lehre und für den Zivildienst als landwirtschaftlicher Betriebshelfer nach Niedersachsen. 2010 beendete er dann das Studium zum Diplom-Agrar-Ingenieur in Halle und kehrte nach Sachsen zurück.

Von da ging es später in die Lommatzscher Pflege, bis Gerhard Förster einen Nachfolger für den Kreinitzer Betrieb suchte. „Ich bin seit 2019 im Regionalbauernverband, dort hatten wir schon Kontakt.“ Mit Leitungsfunktionen kannte er sich da schon aus: Einen Betrieb hatte er schon einmal allein geleitet, in der Lommatzscher Pflege war er Pflanzenbauleiter gewesen.

Nicht nur die Spitze hat sich verjüngt

Mit den fruchtbaren Böden rund um Lommatzsch hat der neue Beruf nicht ganz so viel zu tun. „Bodenmäßig ist das schon anders, aber das macht am Ende auch den Reiz aus.“ Tobias Pelz zitiert seinen Vorgänger: „Herr Förster hat immer gesagt: Wenn’s einfach wäre, würd’s jeder machen!“

Nach wie vor reizt den Mittelsachsen die Vielfalt seines Berufs. „Jetzt ist es natürlich mehr Büroarbeit, aber ich versuche immer noch, öfter draußen zu sein. Wenn ich frisches Grün auf dem Feld sehe, vielleicht noch etwas Tau und Sonne – da geht mir das Herz auf. Ich könnte mich dann dort hinstellen und dem Getreide beim Wachsen zuschauen.“

So leidenschaftlicher Nachwuchs wird mittlerweile seltener. Pelz weiß das, weil er jahrelang auch Prüfungen abgenommen hat. Die Lust an der Handarbeit nehme insgesamt ab. Vor allem angehende Tierwirte gebe es immer weniger, weil auch die entsprechenden Betriebe fehlen. „Das ist schade, weil das Fleisch dann woanders produziert wird.“

Sein eigener Betrieb hat sich nicht nur an der Spitze verjüngt. „Wir sind noch ein relativ junges Team.“ Trotzdem bleiben natürlich die Herausforderungen, für die sich der Chef der Agrargenossenschaft etwas einfallen lassen muss. „Noch weniger Leute geht fast nicht“, sagt er. Ein wenig lasse sich noch mittels Technik optimieren. Etwa durch GPS und satellitengestützte Düngung. „Das sind kleine Stellschrauben. Die großen sind alle schon gedreht.“

Wenn er nicht im Betrieb ist, Maschinenwartung, Ernte und Getreideverkauf organisiert, dann streift Tobias Pelz durch die Natur um seinen Wohnort Striegnitz. Er hat dort ein Jagdrevier gepachtet. Die älteste Tochter hat er schon hin und wieder mitgenommen. Da wird also schon die nächste Generation an die Natur herangeführt.

SZ

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