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Größenwahn oder Masterplan? Was der Belantis-Umbau Leipzig bringt – und wo er scheitern kann

Zehn Jahre Stillstand, jetzt 100 Millionen Euro Investition: Belantis plant das größte Comeback seiner Geschichte. Was für Leipzig wirklich drin ist – und warum ein Experte drei konkrete Risiken sieht.

Lesedauer: 5 Minuten

Aufbruch in eine neue Ära: Das Idefix-Abenteuerland in Belantis bei Leipzig ist der erste Schritt zum Umbau in Deutschlands ersten Asterix-Park. Quelle: Wolfgang Sens

Florian Reinke

Leipzig. Als Belantis 2003 eröffnete, war es für die Region eine Sensation: Deutsche Investoren bauten in einer ehemaligen Tagebaulandschaft, was Leipzig bis dahin fehlte – einen eigenen Freizeitpark.

Jetzt steht der Name auf der Streichliste seiner neuen Eigentümer: Die Compagnie des Alpes (CdA) will den Freizeitpark bis 2030/2031 in den „Asterix Park Deutschland“ umbenennen. Dahinter steckt ein großer Plan, der eine Verdreifachung der Besucherzahlen vorsieht. Was das konkret bedeutet – für den Park, die Region – und die Frage, ob das alles gelingen kann: die Antworten.

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Warum soll es mit dem neuen Eigentümer besser laufen als bisher?

CdA will Belantis von Grund auf transformieren – und setzt dafür rund 100 Millionen Euro ein. Den Park haben die Franzosen für 22 Millionen Euro gekauft.

Die Ausgangslage ist alles andere als komfortabel. Belantis erwirtschaftete unter dem vorherigen Eigentümer zuletzt rund 11 Millionen Euro Umsatz im Jahr – keine Traumrendite. Auch die Besucherzahlen wuchsen nicht mehr. 2018 hatte Parques Reunidos den Park gekauft, doch der spanische Freizeitpark-Konzern investierte kaum. Parkmanager Martin Endruhn sagt es offen: „Wir haben die letzten Jahre eine Durststrecke hinter uns.“

Blick ins neue Idefix-Abenteuerland: In den nächsten Jahren werden weitere Attraktionen im Leipziger Freizeitpark eröffnen.
Blick ins neue Idefix-Abenteuerland: In den nächsten Jahren werden weitere Attraktionen im Leipziger Freizeitpark eröffnen.
Quelle: Niclas Tiedemann

Doch 2026 ist vieles anders. Schon nach fünf Monaten Bauzeit hat CdA einen komplett neuen Themenbereich entwickelt. Endruhn sagt: „Das Wichtigste ist, dass wir einen Eigentümer haben, der daran glaubt und sagt: Ich weiß, dass ich in den nächsten zwei Jahren noch keine Amortisierung erwarten darf – sondern erst investiere und dann die Lorbeeren ernte.“ Sein Fazit: „Jetzt wird nicht nur geredet, sondern es folgen Taten.“ Der neue Eigentümer genießt in der Branche einen ausgezeichneten Ruf und betreibt mit dem Parc Astérix Paris einen der erfolgreichsten Freizeitparks Frankreichs. Insgesamt betreibt CdA neben zwölf Freizeitparks zehn Bergressorts in den Alpen.

Was ändert sich jetzt in Belantis?

Bis Belantis ab 2030/31 unter der Marke Park Asterix firmiert, überführen die Franzosen das Areal schrittweise in das Asterix-Universum – bei laufendem Parkbetrieb, versteht sich. Das Ziel: Aus zuletzt rund 300.000 Besuchern sollen zunächst 600.000 werden – und dann nahe an die Million. Damit würde Belantis in der Liga der großen deutschen Freizeitparks spielen.

Mit der Eröffnung des neuen Idefix-Bereichs ist Schritt eins vollzogen. Schritt zwei folgt 2027: Im griechischen Bereich soll eine Familienachterbahn eröffnen – ein Launch-Coaster, bei dem die Fahrgäste aus dem Stand beschleunigt werden. Der Bau beginnt in diesem Sommer. Im Anschluss soll den Verantwortlichen zufolge der ägyptische Bereich folgen – mit Aufwertung und Neuheiten, wie François Fassier, Leiter der Freizeitpark-Sparte von CdA, verriet. Er sagte im Gespräch mit der LVZ: „Wir haben eine klare Vorstellung, was 2027, 2028 und 2029 passieren wird. Neue Attraktionen, neue Shops, Restaurants.“

Neues Kapitel für Belantis: François Fassier, Leiter der Freizeitparksparte der Compagnie des Alpes, präsentiert die ehrgeizigen Pläne zur Transformation des Leipziger Freizeitparks ins Asterix-Universum.
Neues Kapitel für Belantis: François Fassier, Leiter der Freizeitparksparte der Compagnie des Alpes, präsentiert die ehrgeizigen Pläne zur Transformation des Leipziger Freizeitparks ins Asterix-Universum.
Quelle: Niclas Tiedemann

Dabei soll es nicht bleiben. CdA will in Zukunft auch Unterkünfte errichten. Selbst ein Wasserpark ist laut Fassier denkbar. Hotels ergeben dem Manager zufolge aber erst Sinn, wenn es zusätzliche Fahrgeschäfte gibt.

Wie viele Jobs entstehen – und was bringt das Leipzig?

Wenn mehr Attraktionen eröffnen, braucht es zusätzliche Beschäftigte. Für das Ziel von einer Million Besuchern müsse man im künftigen Asterix-Park etwa 400 neue Stellen schaffen, erklärt Fassier.

Die Franzosen legen großen Wert darauf, mit der lokalen Wirtschaft zusammenzuarbeiten. Konkret heißt das: Lebensmittel kommen von lokalen Lieferanten. Bauarbeiten gehen an regionale Firmen.

Harald Zeiss, Direktor des Instituts für Tourismusforschung der Hochschule Harz in Wernigerode (Sachsen-Anhalt), sieht bei einem Freizeitpark in der Liga „erhebliche Hebewirkungen auf die regionale Tourismuswirtschaft“. Direkte Effekte entstünden durch Beschäftigung und Investitionen.

Wir haben eine klare Vorstellung, was 2027, 2028 und 2029 passieren wird. Neue Attraktionen, neue Shops, Restaurants. – François Fassier, Leiter der Freizeitparksparte der Compagnie des Alpes

„Indirekte Effekte, der sogenannte touristische Multiplikator, lassen sich bei gut vernetzten Destinationen auf das Zwei- bis Dreifache der direkt erfassten Wertschöpfung schätzen“, sagt er. Es profitiere die Hotellerie im Umkreis, die Gastronomie, aber auch der Einzelhandel oder kulturelle Einrichtungen.

Tourismusvertreter setzen große Hoffnungen in den Park. Volker Bremer, Chef der Leipzig Tourismus Marketing GmbH, spricht von einem „echten Ausrufezeichen“. Potenzial sieht er auch bei Übernachtungsgästen. „Die Asterix-Transformation wird hoffentlich weitere Folgeinvestitionen in der Region auslösen“, sagt Bremer.

Setzt auf weitere Investitionen: Volker Bremer, Chef der Leipzig Tourismus Marketing GmbH.
Setzt auf weitere Investitionen: Volker Bremer, Chef der Leipzig Tourismus Marketing GmbH.
Quelle: Niclas Tiedemann

Tatsächlich sei es bedeutsam, ob es dem Betreiber gelinge, die Verweildauer über den Parktag hinaus auszudehnen, sagt Experte Zeiss.

„Ein Tagesgast gibt typischerweise 60 bis 90 Euro aus. Ein übernachtender Gast kann leicht das Drei- bis Vierfache erreichen.“ Allerdings müsse dafür die regionale Infrastruktur mitwachsen.

Warum ausgerechnet Asterix – und warum ausgerechnet in Leipzig?

CdA-Manager Fassier macht das Potenzial an dem Gelände, der Lage und einer Marke fest, die in Deutschland Millionen kennen. Das Gelände spricht für sich: mehr als 80 Hektar, darunter 41 Hektar Landreserve. „Wir sind nicht weit von Berlin. Wir sind sehr nah an Leipzig. Das ist ein Einzugsgebiet von sechs Millionen Menschen“, sagt er.

Und dann ist da Asterix. Experte Zeiss erklärt: „Asterix ist in Deutschland eines der bekanntesten und langlebigsten Comic-Franchises überhaupt.“

Blick ins Idefix-Abenteuerland: Vier neue Attraktionen gibt es hier. Zielgruppe sind Familien mit Kindern.
Blick ins Idefix-Abenteuerland: Vier neue Attraktionen gibt es hier. Zielgruppe sind Familien mit Kindern.
Quelle: Niclas Tiedemann

Dieses Alleinstellungsmerkmal könne Besucherströme generieren, die einem herkömmlichen Freizeitpark schlicht nicht zugänglich seien.

Zudem gibt es im Osten deutlich weniger große Parks als im Westen. Der stärkste Konkurrent in der Region ist der Freizeitpark Plohn im Vogtland. Auch Plohn investiert. 2026 kommt der weltweit erste Multi-Launch-Water-Coaster. Karls Erlebnis-Dorf in Döbeln richtet sich zwar auch an Familien, ist aber kein klassischer Freizeitpark.

Ist der große Belantis-Plan wirklich realistisch?

Die Besucherzahlen zu verdreifachen – für manch einen mag das größenwahnsinnig klingen. Aber Forscher Zeiss meint: „Das Ziel von einer Million Besuchern ist ehrgeizig, aber nicht unrealistisch.“

Er benennt Risikoszenarien: „Scheitern kann das Projekt, wenn die Transformationsphase zu lange sichtbare Mängel produziert, die Markenerwartungen enttäuscht werden oder die Angebotsqualität nicht mit der kommunizierten Positionierung als Premiumpark mithalten kann.“

Der Beweis, dass der Plan funktionieren kann, existiert bereits. Guy Vassel, Managing Director des Parc Astérix in Frankreich, erzählt: „Vor zwölf Jahren hatten wir 1,6 Millionen Besucher. Jetzt sind es fast drei Millionen.“ Heute zählt der Park drei Hotels. Ein viertes kommt bald.

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