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Maschinen das Sehen lernen: KI-Expertin erhält Preis für Spitzenforschung

Die Wissenschaftlerin Cordelia Schmid ist die erste Preisträgerin des neuen Archimedes Science Award. Derzeit beschäftigt sie sich mit Kochvideos, weil mit deren Hilfe sich wunderbar die KI trainieren lässt.

Lesedauer: 2 Minuten

Jana Mundus

Dresden. Wer heute sein Smartphone zückt, um mit einem Suchbegriff das passende Urlaubsfoto in der Galerie zu finden, profitiert von einer Technologie, die vor drei Jahrzehnten noch wie Science-Fiction klang: Maschinen, die Bilder nicht nur speichern, sondern auch verstehen können. Genau dafür hat die Informatikerin Cordelia Schmid die Grundlagen geschaffen. Nun wurde sie mit dem erstmals vergebenen Archimedes Science Award des Freistaats Sachsen und der TU Dresden ausgezeichnet.

Die 1967 in Mainz geborene Forscherin gilt als Pionierin des „Computer Vision“, der computergestützten Bilderkennung. Schon in ihrer Doktorarbeit 1996 entwickelte sie Verfahren, mit denen Computer markante Punkte in Bildern erkennen können. „Ich fand es damals faszinierend, dass ein Roboter nicht mal eine einfache Form wie einen Würfel erkannte“, erinnert sie sich. Ihre Arbeit war der Durchbruch. Dank Schmids Algorithmen können Suchmaschinen heute Millionen Fotos nach Motiven durchforsten oder erkennen selbstfahrende Autos ihre Umwelt.

Ideen mit Hebelwirkung

Für ihre Arbeit erhielt Schmid am 12. September den mit 50.000 Euro dotierten Archimedes Science Award. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Ursula Staudinger, Rektorin der TU Dresden, überreichten ihr den Preis im Rahmen der internationalen „Building Bridges Conference“ im Festspielhaus Hellerau. Der Preis ist nach dem Mathematiker und Physiker Archimedes benannt, der das Hebelgesetz formulierte. Das besagt: Je länger der Arm eines Hebels, desto weniger Kraft ist nötig, um eine Last anzuheben oder zu bewegen. „Der Preis würdigt deshalb Ideen mit einer Hebelwirkung für die Lösung globaler Herausforderungen“, sagte Kretschmer. Der Award soll jährlich vergeben werden.

An der Auswahl beteiligt waren die Spitzen der vier großen deutschen Forschungsorganisationen Helmholtz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und Leibniz-Gemeinschaft sowie die Leitungen der Hochschulrektorenkonferenz und der Dresden-concept Allianz. Zwei Nominierungsvorschläge durfte jedes Jurymitglied machen. „Am Ende fiel die Entscheidung für Cordelia Schmid in nur fünf Minuten“, verriet Ursula Staudinger.

Koch-Videos für Maschinen

Für die Informatikerin selbst ist die Auszeichnung Ansporn, ihre Vision weiterzuverfolgen. Aktuell beschäftigt sie sich mit Koch-Videos, die in großer Zahl in Internet zu finden sind. „Nicht, weil ich leidenschaftliche Köchin bin, sondern weil wir damit die KI wunderbar trainieren können.“ Nach Bildern bringt sie Maschinen nun bei, auch Videos zu sehen. Systeme analysieren dafür Bildfolgen und Ton gleichzeitig, interpretieren Handlungen und wagen sogar Vorhersagen – etwa, dass aus Mehl, Tomatensoße und Käse eine Pizza wird. Ziel sind Roboter, die nicht nur Sprachbefehle verstehen, sondern auch eigenständig sichtbare Informationen nutzen. Damit könnten sie Assistenten im Krankenhaus oder in der Altenpflege werden.

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