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Mehr Sonne – mehr Rollos? Wie sich eine Firma bei Kamenz darauf einstellt

Seit 20 Jahren gibt es die Firma Rollladen- und Sonnenschutzsysteme in Möhrsdorf in der Gemeinde Haselbachtal. Wie hat sich das Geschäft entwickelt angesichts immer mehr Sonnenstunden? Die SZ schaute sich in dem kleinen Handwerksbetrieb um.

Lesedauer: 3 Minuten

Heike Garten

Haselbachtal. Es ist noch früh am Morgen. Konzentriert beugt sich Julian Mann über einen Rollladenkasten auf seiner Werkbank. Er prüft, ob die Maße stimmen. Julian Mann ist Azubi im dritten Lehrjahr in der Firma Rollladen- und Sonnenschutzsysteme Klaus Böhme & Bernd Herrmann im Haselbachtaler Ortsteil Möhrsdorf.

Der 22-Jährige weiß, dass er in dem kleinen Handwerksbetrieb eine Zukunft hat. Der Rollladenbau ist eine Branche, die immer mehr nachgefragt ist. Den Grund kann jeder nachvollziehen. Es gibt immer mehr Tage mit Sonnenschein. Da braucht es in den Häusern Schutz – vor direkter Sonnenstrahlung und Überhitzung der Räume.

Drei Firmen im Ort – keine Konkurrenz

Und weil das so ist, sei es auch kein Problem, dass es in der Gemeinde Haselbachtal mit Heso Rolladen- und Elementebau und Teso Elementetechnik noch zwei weitere ähnlich gelagerte Firmen gibt, sagt Bernd Herrmann. Er ist gemeinsam mit Klaus Böhme Chef des kleinen Unternehmens in Möhrsdorf. Alle könnten sie existieren. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten“, sagt Herrmann. Vielmehr unterstütze man sich gegenseitig.

Bernd Herrmann hat zu DDR-Zeiten im Maschinenteilewerk Kamenz gearbeitet, wechselte nach der Wende zu Heso in Gersdorf und arbeitete dort 14 Jahre. Er wie auch sein jetziger Geschäftspartner Klaus Böhme suchten damals nach einer beruflichen Veränderung. Sie entschieden sich für die Selbstständigkeit und gründeten 2005 ihr eigenes Unternehmen – am Anfang zu zweit, ohne Angestellte. Damals befand sich die Firma noch in Pulsnitz an der Siegesbergstraße.

Belegschaft ist gewachsen

„2009 konnten wir aus einer Insolvenzmasse das Gebäude in Möhrsdorf ersteigern“, erklärt Bernd Herrmann. Es ist die alte Strauchmühle, in der sich zu DDR-Zeiten ein Sägewerk befand. Für die Rollladenfirma reichen die Räumlichkeiten vollkommen aus. Im Erdgeschoss befinden sich Werkstatt und Lager, im Obergeschoss das Büro und ein Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter.

Zu zweit sind Bernd Herrmann und Klaus Böhme nicht mehr. Bereits 2007 haben sie die ersten Mitarbeiter eingestellt und peu à peu deren Zahl aufgestockt. Inzwischen arbeiten sechs Leute und ein Azubi im Betrieb.

Sonnenschutzsysteme werden selbst gefertigt

Dass sie alle immer genug zu tun haben, liegt an der Auftragslage, die sich gerade in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat. 90 Prozent der Kunden sind Firmen, der Rest Privatleute. „Heutzutage gibt es fast keinen Büroraum mehr ohne Sonnenschutz“, erklärt Klaus Böhme. Und auch die Digitalisierung an den Schulen hat für einen Aufschwung gesorgt. Räume müssen zur besseren Erkennbarkeit der digitalen Tafeln verdunkelt werden, dazu braucht es Rollos, die bei der Sanierung von Schulgebäuden mit eingebaut werden.

Heutzutage gibt es fast keinen Büroraum mehr ohne Sonnenschutz. – Klaus Böhme, Firmeninhaber

Die Kunden des kleinen Unternehmens kommen vorwiegend aus einem Gebiet zwischen Dresden und Bautzen. „Wir haben auch mal einen Auftrag in Berlin, aber das ist eher selten“, erklärt Bernd Herrmann. Und es seien oft Bestandskunden. Ein Grund dafür sei die individuelle Fertigung der Rollos. Das heißt, die Mitarbeiter fahren zu den Kunden, messen aus und entwickeln individuelle Lösungen je nach Bauwerk. „Nicht alltäglich ist, dass wir die Sonnenschutzsysteme selbst bauen, angefangen vom Zuschnitt über die Herstellung der Gehäuse, das Anbringen der Blenden und Schienen bis hin zum Einbau beim Kunden“, erklärt Bernd Herrmann.

Sonnenschutz kann per Handy ferngesteuert werden

In den vergangenen Jahren kam noch ein Aspekt hinzu: die Digitalisierung. Damit ist die sogenannte smarte Steuerung der Sonnenschutzsysteme gemeint. So kann der Kunde steuern, wann zum Beispiel eine Jalousie nach unten gefahren oder geöffnet wird. Alles über Fernbedienung oder das Handy.

An dieser Stelle kommt wieder Azubi Julian Mann ins Spiel. „Aufgrund seines jungen Alters hat er eine ganz andere Affinität zum Digitalen als wir Älteren. Das ist ein Gebiet, wo er von vornherein eine Menge Kenntnisse mitbringt, die uns helfen“, sagt Bernd Herrmann.

Wird der heutige Lehrling einmal die Firma übernehmen?

Und auch aus einem anderen Grund ist der junge Mann von Bedeutung, wenn es um die Zukunft der Firma geht. Die beiden jetzigen Chefs sind 63 beziehungsweise 65 Jahre – ein Alter, in dem man schon einmal an den Ruhestand denken kann. „Ich will jetzt noch nicht aufhören, aber es ist immer gut, sich rechtzeitig mit der Nachfolge zu beschäftigen“, so Bernd Herrmann. Sein 39-jähriger Sohn Manuel Herrmann und Julian Mann spielen dabei eine Rolle.

Julian arbeitete schon als Schüler in den Ferien und im Praktikum in der Firma. „Etwas Handwerkliches wollte ich schon immer machen. Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, ist nicht mein Ding“, sagt der junge Mann. Und so begann er nach dem Abitur die Ausbildung zum Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker. Ist die Lehre abgeschlossen, will er noch seinen Meister dranhängen, eine Voraussetzung, um irgendwann die Firma gemeinsam mit Manuel Herrmann zu übernehmen.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Wann das sein wird, darüber macht er sich jetzt noch keine Gedanken. Auf jeden Fall ist das Fortbestehen für die Firma Rollladen- und Sonnenschutzsysteme in Möhrsdorf gesichert. Und da auch die Sonne höchstwahrscheinlich nicht weniger scheinen wird, wird es auch weiterhin Aufträge geben. Daher blicken alle Beteiligten optimistisch in die Zukunft.

SZ

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