Suche
Suche

Mit eigenem Café einen Traum erfüllt

Maria Stiller hat in Schwepnitz vor Kurzem ein Ladencafé eröffnet. Was sie zum Schritt in die Selbstständigkeit bewogen hat und was das Besondere an ihrem Konzept ist.

Lesedauer: 5 Minuten

Maria Stiller hat in Schwepnitz einen Laden mit kleinem Café eröffnet und freut sich auf ihre Gäste. Quelle: Matthias Schumann

Heike Garten

Schwepnitz. Es wirkt gemütlich und einladend. Gäste oder Kunden, die das neue Ladencafé an der Schwepnitzer Schulstraße betreten, fühlen sich gleich wohl. Das mag wohl auch an der Betreiberin Maria Stiller liegen. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht begrüßt sie die Gäste, gibt ihnen Zeit, sich alles anzuschauen und etwas auszuwählen. Und natürlich berät sie auch. Das ist ihr wichtig, denn ihr Laden und das Café sollen sich unterscheiden von einem Supermarkt oder einem Imbiss. Gespräche sind ihr wichtig.

Gerade kommt eine ältere Frau in den Laden. „Ich suche ein kleines Geschenk, habe mir dafür aber ein festes Budget gegeben“, sagt diese. Maria Stiller geht mit ihr die Regale entlang, zeigt auf die kleinen Weinflaschen und andere Leckereien. Alles stammt von regionalen Herstellern. Dann lässt sie die Dame in Ruhe schauen. „Ich kann mich nicht entscheiden, komme noch mal wieder“, sagte diese. „Kein Problem“, antwortet Maria Stiller mit einem Lächeln. Sie ist sich sicher, dass die Frau wiederkommen wird.

Das kleine Café ist direkt mit dem Laden verbunden. Auch die Bilder an den Wänden kann man kaufen.
Das kleine Café ist direkt mit dem Laden verbunden. Auch die Bilder an den Wänden kann man kaufen.
Quelle: Matthias Schumann

Mit dem neuen Laden und dem Café hat sich Maria Stiller einen Traum erfüllt. Die 36-Jährige, die im Schwepnitzer Ortsteil Bulleritz wohnt, ist eigentlich gelernte Industriekauffrau und hat außerdem einen Abschluss als Diplom-Betriebswirtin in der Tasche. Sie arbeitete in der kaufmännischen Leitung oder als Personalleiterin in mittelständischen Unternehmen der Region. „Doch eigentlich wusste ich bereits während des Studiums, dass ich mich einmal selbstständig machen will“, sagt sie. Nur der Zeitpunkt war damals noch kein Thema.

Eigentlich wusste ich bereits während des Studiums, dass ich mich einmal selbstständig machen will. – Maria Stiller, Cafébetreiberin

Einen ersten kleinen Schritt in die Selbstständigkeit wagte Maria Stiller im Jahr 2024 – damals noch nebenberuflich. Gemeinsam mit Nancy Römer gründete sie „TanteEmma2go“. Dabei handelte es sich um einen Einkaufsautomaten, aus dem Kunden rund um die Uhr regionale Produkte kaufen konnten. Er stand im Bernsdorfer Ortsteil Großgrabe. Vergangenes Jahr im Oktober gaben beide Frauen das Projekt auf. Neben ihrer eigentlichen Arbeit war die Betreibung der Automaten einfach zu umfangreich, um es zu schaffen.

In den Regalen stehen Produkte von regionalen Händlern.
In den Regalen stehen Produkte von regionalen Händlern.
Quelle: Matthias Schumann

Doch der Gedanke an einen eigenen Laden war bei Maria Stiller immer präsent. Sie hatte gemerkt, dass sie sich beruflich nicht mehr weiterentwickeln kann, dass die Tätigkeit nicht ihre Erfüllung war. Familie und Haus, später eine schwere Krankheit ließen den Traum vom eigenen Laden allerdings immer in den Hintergrund rücken. Im Frühjahr 2025 fasste sie dann den Entschluss, es zu wagen, auch weil in Schwepnitz eine Immobilie frei wurde, die sich bestens für einen Laden mit Café eignet – der ehemalige Getränkemarkt an der Schulstraße. Und auch ihre Tochter befand sich in einem Alter, in dem Familie und Selbstständigkeit unter einen Hut zu bringen sind, wenn man es wirklich will, so Maria Stiller.

Und sie wollte. „Ich habe in dem ehemaligen Markt gestanden und bereits alles vor mir gesehen, wie es einmal wird“, blickt die Unternehmerin zurück. Sie holte den bereits fertigen Business-Plan aus der Schublade und konnte loslegen. Der Vermieter hat beim Umbau vieles möglich gemacht, Freunde und Familie haben geholfen, die Vorstellungen von Maria Stiller in die Tat umzusetzen.

Herzlich willkommen in Mimis Laden und Café.
Herzlich willkommen in Mimis Laden und Café.
Quelle: Matthias Schumann

Im vorderen Bereich befindet sich der Laden mit Regalen an den Seiten und in der Mitte. Ausschließlich regionale und handgemachte Produkte bietet Maria Stiller an. Das beginnt mit Wurst und Milchprodukten aus Thiendorf und Großschirma, Kaffee von einer Produzentin aus Elsterwerda, Getreideprodukten aus Spittwitz, Schwepnitzer Honig, Kamenzer Tee, Getränke aus Lawalde und geht bis hin zu selbstgemachten Marmeladen oder Schmuck. Auch frische Backwaren vom Bäcker aus Höckendorf gehören dazu. „Regionale Produkte und gesunde Ernährung liegen mir am Herzen. Die Kunden finden hier alles, was sie dafür brauchen“, so die 36-Jährige. Sie hat enge Kooperationen mit den Zulieferern geschlossen, war in ihren Unternehmen und hat sich alles selbst angeschaut.

Kinder sind im Café willkommen

Im hinteren Bereich gibt es ausreichend Platz für das kleine Café mit etwa 20 Plätzen und einer Kinderspielecke. Gäste können gemütlich sitzen und kleine, selbstgemachte Snacks zu sich nehmen. Das reicht von Kuchen und Torte, Schnittchen oder auch mal einem strammen Max. Und während etwa die Mamas quatschen, können die Kinder spielen. „Niemanden stört es, wenn Kinder im Café herumlaufen, die Leute sollen sich einfach wohlfühlen. Meine Vision ist es, Menschen hier zusammenzubringen, und ich glaube, das funktioniert“, schätzt Maria Stiller ein.

Dazu kommt ein langer Tresen, der von beiden Seiten gut zu sehen ist. Die Unternehmerin hat bei der Einrichtung Wert auf Geräumigkeit gelegt. Menschen mit Kinderwagen sollen sich genauso frei bewegen können wie solche, die einen Rollstuhl oder einen Rollator benutzen. Insgesamt sind der Laden und das Café rund 115 Quadratmeter groß. Auch die Toiletten wurden behindertengerecht gestaltet.

Unterstützung von der Familie

Die ersten Wochen brachten der Betreiberin ein positives Feedback. Gespräche mit Gästen und Kunden haben gezeigt, dass diese sich wohlfühlen – auch weil es eine Einrichtung für alle Generationen ist. Es kommen Familien, auch Jugendliche und Senioren. Sie alle können sich neben dem Einkauf zu einem kleinen Plausch treffen, das braucht Schwepnitz und ist gerade auf dem Land besonders wichtig. Maria Stiller hat schon von einer kleinen Kundin einen liebevollen Brief bekommen, in dem steht, dass dies der beste Laden der Welt sei.

Ich war einmal mit meiner Mutti im Urlaub in Frankreich und war fasziniert von der Lebenskultur der Menschen. Das wollte ich jetzt hierherholen. -Maria Stiller, Cafébetreiberin

Doch wie schafft die junge Frau, dies alles zu bewältigen – angefangen vom Einkauf, dem Kontakt mit den Händlern, der Zubereitung der Speisen, den bürokratischen Aufgaben? „Meine Familie unterstützt mich“, sagt sie. Die Familie war es auch, die sie zuerst gefragt hatte, ob sie den Laden und das Café öffnen sollte.

Öffnungszeiten bewusst gewählt

Die Öffnungszeiten – dienstags bis samstags von 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr – sind bewusst so gewählt, dass Maria Stiller auch noch Zeit für ihre Familie und eigene Freizeitinteressen hat. Und dann ist ja noch das Team, das sie im Laden und Café unterstützt: insgesamt drei Leute, darunter zwei Schülerinnen und eine junge Frau. „Sie alle sind mit Herz dabei“, so Maria Stiller.Die Unternehmerin ist schon jetzt dankbar, dass sie den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen ist. „Ich war einmal mit meiner Mutti im Urlaub in Frankreich und war fasziniert von der Lebenskultur der Menschen. Das wollte ich jetzt hierherholen“, sagt sie. Also ein kleines Stück Frankreich auf einem Dorf in Deutschland.

SZ

Das könnte Sie auch interessieren:

Drei Menschen schauen freundlich in die Kamera.

Krebsdiagnostik in Violett

Das Dresdner Start-up Cancilico und Designer der Agentur Neongrau haben ein KI-basiertes Werkzeug entwickelt, um Blut-Erkrankungen schneller im Knochenmark zu

Weiterlesen ►