Dresden/Nürnberg. Der mutmaßliche Betrug beim Verkauf und der Vermittlung von Solaranlagen durch die Dresdner Sense4Energy GmbH weitet sich aus. Die Staatsanwaltschaft Dresden teilte auf Anfrage von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung mit, sie gehe in dem Verfahren derzeit von mindestens 13 Geschädigten und einem Schaden von mehr als fünf Millionen Euro aus. Zudem ist die Dresdner Firma inzwischen zahlungsunfähig, das vorläufige Insolvenzverfahren begann Ende April.
Zu den Betroffenen gehört laut eigener Aussage ein Unternehmen mit Sitz in Nürnberg. Dessen alleiniger Gesellschafter sagte den Zeitungen, sein Unternehmen sei „eventuell mehr geschädigt als alle anderen“.
Solaranlagen für zehn Millionen Euro in der Pipeline
Man habe mit den Dresdnern zusammengearbeitet und von ihnen angebotene Neubauprojekte erworben, die allerdings teilweise noch nicht am Stromnetz angeschlossen sind. Nun sei man gegenüber Investoren in der Haftung. Der Schaden gehe in die Millionen. „Das tut weh, nicht nur finanziell, sondern vor allem auch moralisch, da nicht in der vertraglich zugesagten Zeit geliefert werden konnte“, sagte er. Die Forderungen würden bei der Insolvenzverwalterin angemeldet. Mit der Staatsanwaltschaft arbeite man „konstruktiv zusammen“.
Das tut weh, nicht nur finanziell, sondern vor allem auch moralisch, da nicht in der vertraglich zugesagten Zeit geliefert werden konnte. – Gesellschafter eines betroffenen Unternehmens
Dem Nürnberger Geschäftsmann zufolge hatten die Dresdner zuletzt Freiflächen-Projekte mit einer Leistung von 120 Megawatt und einem Marktwert von rund zehn Millionen Euro in der Pipeline gehabt. „Davon haben wir aber nichts angenommen, da bei bereits bestehenden Projekten die Fertigstellung hinter dem Zeitplan lag“, sagte er. Hinweise auf Liquiditätsprobleme bei der Sense4Energy seien für ihn nicht erkennbar gewesen. Die Geschäftsbeziehung habe man nach gut drei Jahren Ende 2024 weitgehend beendet.
Trost für die Investoren
Investoren, denen man noch nicht angeschlossene Fotovoltaik-Anlagen von Sense4Energy verkauft habe und zu denen ein direktes Vertragsverhältnis bestünde, sagte er zu, diese Anlagen auf eigene Kosten am Netz anschließen zu lassen, „möglichst noch in diesem Jahr“.
Im vergangenen März hatte das Landeskriminalamt Sachsen die Geschäftsräume von Sense4Energy durchsucht und einen Prokuristen der Firma festgenommen. Der Mann, ein ehemaliger Manager eines Medienkonzerns, sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Eine Jacht vor Malta
Als Gesellschafterin der Firma fungiert dem Handelsregister zufolge eine Gesellschaft aus dem Mittelmeerstaat Malta. Dort soll sich der Inhaftierte nach Informationen von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung zuletzt überwiegend aufgehalten haben. Er hat dort eine millionenschwere Segeljacht vor Anker liegen.
Das Duo soll seit 2020 Investoren im gesamten Bundesgebiet Fotovoltaikanlagen zum Festpreis angeboten haben. Trotz „erheblicher Anzahlungen“ seien die vertraglich vereinbarten Leistungen nicht oder nicht vollständig erbracht worden, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft Dresden.
Nach Recherchen von Sächsischer Zeitung und Leipziger Volkszeitung betrifft dies etwa Anleger, die in eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Baumarkts in Großschönau im Landkreis Bautzen investiert haben – und aus der vor Steuern gut 15.000 Euro pro Monat Ertrag fließen sollte. Der Gesamtschaden, so berichtet es ein Insider, betrage nicht nur – wie von der Staatsanwaltschaft angegeben – fünf, sondern mindestens zehn Millionen Euro.
Die vorläufige Insolvenzverwalterin von Sense4Energy teilte auf Anfrage mit, sie könne die Zahl der Gläubiger derzeit nicht beziffern, „aber unser Telefon steht nicht still“. Sich einen Überblick zu verschaffen, sei schwierig, da die Staatsanwaltschaft „sämtliche relevanten Geschäftsunterlagen sichergestellt hat“. Es dürfte aber noch genügend Vermögen vorhanden sein, um ein Insolvenzverfahren durchzuführen.
SZ


