Plauen/Dresden. Der Plauener Straßenbahn GmbH mit ihren rund 110 Beschäftigten droht schon in wenigen Monaten die Überschuldung. „Die künftige Finanzierung muss spätestens bis zum Sommer geklärt sein“, teilte Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner (CDU) auf Anfrage der Sächsischen Zeitung mit. Ansonsten müsse man Insolvenz anmelden.
Die Plauener Straßenbahn existiert seit 1874 und prägt das Stadtbild. Seit mindestens 2019 ist sie jedoch defizitär, die Finanzlage ist inzwischen dramatisch. Den Jahresfehlbetrag 2025 bezifferte das seit 2001 amtierende Stadtoberhaupt auf voraussichtlich rund 4,3 Millionen Euro. Auch in den Jahren bis 2028 plane das stadteigene Unternehmen mit Verlusten von vier bis fünf Millionen Euro.
Petition für den Erhalt der Straßenbahn
Den Erhalt der Straßenbahn unterstützen bislang nicht nur rund 21.000 Menschen mit ihrer Unterschrift auf einer Online-Petition mit dem Titel „Rettet die Plauener Straßenbahn – ein Stück Heimat bewahren“; das Thema steht inzwischen auch auf der Agenda der Landesregierung in Dresden. „Alle Beteiligten hoffen auf die zugesagte Unterstützung des Freistaates Sachsen“, sagte Zenner.
Das zuständige Ministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung erklärte, die Plauener Straßenbahn sei „ein wichtiger Baustein“ des öffentlichen Nahverkehrs im Vogtland. Man wolle ausloten, welche Möglichkeiten es gebe, die wirtschaftliche Situation des Betriebs zu verbessern. Fachministerin Regina Kraushaar (CDU) stehe für Gespräche zur Verfügung, „um Wege zur Stabilisierung zu erörtern“.

Quelle: PR/Plauener Straßenbahnen GmbH
Der in das Finanzdebakel ebenfalls involvierte Vogtlandkreis betont, noch im Januar sei ein „Austausch der Spitzen von Landkreis und der Stadt Plauen mit der Infrastrukturministerin Regina Kraushaar vorgesehen“. Auch das Landratsamt geht davon aus, dass der Freistaat seine grundsätzliche Unterstützung bekräftigt und „mögliche Förder- und Unterstützungsinstrumente aufzeigt“.
Alle Beteiligten hoffen auf die zugesagte Unterstützung des Freistaates Sachsen. – Steffen Zenner, Plauens OB
Sachsens Ministerpräsident Kretschmer macht Hoffnung
Diese Hoffnung hatte zuletzt auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) geschürt. Am Rande der deutsch-deutschen Filmtage im vergangenen November hatte er gesagt: „Die Straßenbahn in Plauen wird bleiben, das wäre ja noch schöner.“ Man habe das vereinbart. Welche Vereinbarung genau gemeint sei, dazu hat sich die Staatskanzlei auf Anfrage der Sächsischen Zeitung bislang nicht geäußert.
Die Spitzen von Stadt, Landkreis sowie dem Zweckverband des Verkehrsverbunds Vogtland sind seit geraumer Zeit wegen der Straßenbahn in einem Krisenmodus. Der Vogtlandkreis hatte dazu bereits 2023 ein fast 200.000 Euro teures Gutachten in Auftrag gegeben, das im vorigen Herbst publik wurde. Das Fazit: „Im Ergebnis zeigt sich die Plauener Straßenbahn in einer dramatischen Finanzlage, welche ohne Gegensteuern zu einer Abschmelzung des Eigenkapitals führt.“
Auch Straßenbahn in Görlitz macht Verlust
In Sachsen gibt es nur noch sechs Städte mit Straßenbahnen. Neben den drei Ballungszentren Chemnitz, Dresden und Leipzig sind das noch Zwickau, Görlitz und eben Plauen. Gerade der Vergleich mit Görlitz macht deutlich: Trotz eines höheren Umsatzes in Plauen sind die Verluste der Bahnen in beiden Städten nahezu gleich groß (siehe Tabelle).
Hinzu kommt: Die Straßenbahn in Görlitz profitiert von den sogenannten Kohlenmilliarden; Geld, das Bund und Land locker machen für den wirtschaftlichen Umbau der bislang von der Braunkohle geprägten Lausitz. Durch das Projekt „ÖPNV-Modellstadt Görlitz“ erhielten die Verkehrsbetriebe an der Neiße einen Zuschuss von 33 Millionen Euro, um acht neue Straßenbahnen zu beschaffen.
Keine Kohlemillionen im Vogtland
Plauen hingegen musste die Finanzierung von neun Niederflurstraßenbahnen von 2012 bis 2017 nur mit der üblichen Förderung stemmen. Zwar sei die Substanz der Infrastruktur Zenner zufolge „insgesamt vergleichsweise gut“, einzelne Streckenabschnitte jedoch „dringend erneuerungsbedürftig“. Die Gutachter schreiben, es stünden „umfassende Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge (…) bevor, die nach aktueller Einschätzung finanziell nur schwer (…) selbst gestemmt werden können“.
Einen reinen Busbetrieb – wie in Freiberg oder Pirna – lehnt der Oberbürgermeister rundherum ab. Damit sei nicht nur der Kauf neuer E-Busse verbunden, sondern auch ein „nicht förderfähiger“ Rückbau der Straßenbahninfrastruktur, den Plauen allein finanzieren müsse. Die gesamten Kosten für eine solche Systemumstellung beliefen sich auf mehr als 75 Millionen Euro. „Das ist keine Option“, betont Zenner.
Eine Umstellung des Straßenbahn-Taktes von 15 auf 20 Minuten schließt der OB ebenfalls aus. Damit verbundene Einsparungen seien „vergleichsweise überschaubar“, und die Kosten für Fahrzeuge und Instandhaltung ließen sich dadurch kaum senken.
Wie überall in Deutschland erhält der ÖPNV in Plauen Zuschüsse (siehe Tabelle). Im Vogtland sind es die Stadtwerke-Erdgas und die Abfallentsorgung, die Gewinne an die Straßenbahn abführen. Allerdings schließt Zenner auch hier Rückgänge nicht aus: bei den Stadtwerken, weil das Erdgas als fossiler Energieträger an Bedeutung verliert, und beim Müll, weil die kriselnde Wirtschaft weniger Abfall verursacht.
Kreistag soll im April entscheiden
Stadt, Landkreis und Verkehrsverbund hoffen nun mithilfe der Landesregierung, die Plauener Straßenbahn „dauerhaft“ zu entlasten. Die Sprecherin des Landratsamts im Vogtlandkreis, Madlen Schulz, sagte, es sei das Ziel, „dem Kreistag im April erste Informationen vorlegen zu können“. Zuvor tage noch die Verbandsversammlung des Verkehrsverbunds Vogtland am 12. März. Allen Beteiligten sei bewusst, so die Sprecherin, „dass eine Einigung über eine tragfähige Perspektive zeitnah erforderlich ist“.
SZ


