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Neue Wege bei der Suche nach Fachkräften

In Dresden engagieren sich Unternehmen und Institutionen für die Inklusion Behinderter. Dafür gibt es viele gute Gründe.

Lesedauer: 3 Minuten

Eine Frau im Rollstuhl arbeitet in einem Büro.
Viele Menschen mit Behinderung können und willen arbeiten. Doch die passende Stelle ist nicht immer leicht zu finden. In manchen Unternehmen fehlt derweil das Wissen um die durchaus breit aufgestellten Unterstützungsangebote. Durch den Fachkräftemangel hat aber auch hier ein Umdenken eingesetzt. Foto: Adobestock

Von Annett Kschieschan

Dresden. Auftragsflaute, hohe Energiekosten, die Herausforderungen der Digitalisierung – viele Unternehmen in Sachsen stecken derzeit in einer schwierigen Gemengelage. Schlägt dann noch der Fachkräftemangel ins Kontor, verschärft das die Situation weiter. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua), die auch in Dresden einen Standort hat, verweist darauf, dass es künftig unerlässlich sein werde, älteren, gesundheitlich beeinträchtigten, geringqualifizierten und behinderten Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben leichter zu machen. Das zahle nicht zuletzt auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein, heißt es in einer Presseinformation zum Thema.
Die Bundesanstalt will Unternehmen konkret bei der Umsetzung unterstützen und hat dafür etwa den „Later Life Workplace Index“ herausgegeben. Das Praxishandbuch kann Firmen und Organisationen dabei helfen, die betrieblichen Bedingungen für ältere Beschäftigte zu reflektieren und diese alterns- und altersgerecht zu gestalten. Gleichzeitig müsse die „systematische Prävention von gesundheitlichen Risiken“ vor allem in physisch wie psychisch herausfordernden Jobs etwa in der Pflege oder der Logistik stärker ins Bewusstsein der Personalabteilungen rücken.

Viel Unterstützung beim Thema Inklusion
Auch Inklusion werde künftig noch wichtiger werden. „Forschungsergebnisse der BAuA verdeutlichen, dass Barrierefreiheit weit über bauliche Aspekte hinausgeht: Soziale Unterstützung im Betrieb, eine inklusive Organisationskultur und der Einsatz individuell angepasster Technologien sind zentrale Faktoren für mehr Teilhabe am Arbeitsleben“, heißt es in der Analyse. Für viele Teams und damit das gesamte Unternehmen sei die Inklusion behinderter Kolleginnen und Kollegen ein Gewinn. Neben der Beratung durch Arbeitsagenturen und Jobcenter kann die Einstellung behinderter Menschen finanziell unterstützt werden, etwa über Lohn- oder Eingliederungszuschüsse. Technische Berater helfen beim Barriereabbau im Büro oder in der Produktionshalle. Das Integrationsamt beim Kommunalen Sozialverband Sachsen ist Ansprechpartner bei nahezu allen Fragen, mit denen sich potenzielle Arbeitgeber behinderter Menschen konfrontiert sehen. Zum Beispiel bei der Schaffung entsprechender Ausbildungs- und Arbeitsplätze, aber auch bei der Vermittlung von Praktika. Letztere sind oft entscheidend, wenn es darum geht, festzustellen, ob Bewerber und Firma zusammenpassen könnten. Auch Zuschüsse für die Einrichtung behindertengerechter Arbeitsplätze und die konkrete Hilfe des technischen Beratungsdienstes vor Ort sind möglich. Und für Seminare, bei denen die anderen Mitarbeiter im Sinne der Inklusion geschult werden, gibt es ebenfalls Unterstützung.

Und die wird durchaus gebraucht. In Deutschland gibt es der Aktion Mensch zufolge 3,1 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung, die zwischen 15 und 65 Jahre alt und damit in einem Alter für Ausbildung beziehungsweise Arbeit sind. Rund 1,1 Millionen dieser Menschen sind bei Firmen beschäftigt, die mindestens 20 Angestellte haben. In Sachsen waren es 2023 reichlich 46.000. Schätzungsweise rund 200.000 Menschen mit Behinderung sind bundesweit bei kleineren Firmen tätig. Wer sich mit der Thematik auskennt, weiß aber auch: da ist noch viel Luft nach oben.
Durch den Fachkräftemangel ist die Inklusion Behinderter in den Arbeitsmarkt auch in Dresden durchaus ein Thema. Und das nicht erst seit heute. Schon vor zwei Jahren stand es im Fokus einer Diskussionsrunde, zu der die Gut Leben gGmbH gemeinsam mit IHK und HWK, dem Kommunalen Sozialverband Sachsen, dem Dienstleistungsnetzwerk support für KMU, der AWO Sonnenstein gGmbH und der Personalkanzlei Hindenburg nach Dresden eingeladen hatte. Eine Erkenntnis dabei: Oft finden einstellungswillig Unternehmen und potenzielle Bewerber mit Handicap nicht zusammen. Dass die Ansprache über klassische Stellenanzeigen nicht funktioniert, haben inzwischen viele Unternehmen festgestellt. Nicht zuletzt, weil Interessenten dort vor allem lesen, was von ihnen gefordert wird. Acht-Stunden-Tage, Führerschein, diverse Abschlüsse – das schreckt vor allem die ab, die trotz fachlicher Kompetenz durch Krankheit oder andere Einschränkungen nicht mehr so belastbar sind wie früher. Der Tipp der Experten: Neue Wege gehen, die Wünsche der potenziellen Mitarbeiter abfragen, die Türen zum Kennenlernen öffnen und auf Mundpropaganda setzen. Denn wer inklusiv arbeitet, spricht sich herum. Dafür sorgen auch Angebote wie die der In der Gut Leben gGmbH in Bannewitz bei Dresden. Hier werden Menschen mit sogenannten erworbenen Behinderungen durch gezieltes Training auf ihre Rückkehr in die Arbeitswelt vorbereitet. Eine Chance für Betroffene, aber auch für Betriebe auf Mitarbeitersuche.


Die baua: Aktuell 3/25 gibt es kostenfrei als PDF zum Herunterladen auf der Internetseite der BAuA.

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