Dresden. Da, wo sich heute weitgehend ein Parkplatz hinter dem Haus der Presse in Richtung Devrientstraße erstreckt, soll ein neues Stadtviertel mit Wohnungen, Büros, Hotelzimmern und Räumen für Kunst und Kultur entstehen. Das Medienunternehmen Bertelsmann SE & Co. KGaA möchte auf dem fast 40.000 Quadratmeter großen Areal mehrere neue Gebäude errichten, aber auch Teile des von Wolfgang Hänsch und Herbert Löschau entworfenen Ensembles mit dem Haus der Presse und mehreren flacheren Bauten, das 1966 fertiggestellt wurde, abreißen. Das Ensemble der Ostmoderne steht nicht unter Denkmalschutz.
Vorhaben schon oft präsentiert
Mehrfach haben Vertreter von Bertelsmann und beauftragte Architekten ihre Pläne in der Gestaltungskommission sowie im Bauausschuss vorgestellt und Änderungen vorgenommen. So soll der Riegel am Haus der Presse in Richtung Kleine Packhofstraße, wo die Mitarbeiter von Morgenpost und Tag24 (Mopo-Gebäude) untergebracht sind, nach anfänglichen Abrissplänen jetzt erhalten werden. Alle weiteren Anbauten am Haus der Presse hätten weichen müssen.
Das wollten jedoch Vertreter der Grünen, der Linken sowie von der Fraktion „Team Zastrow“ nicht und baten im August um Überarbeitung der Pläne, was geschehen ist. Die neuen Pläne wurden vergangene Woche in nichtöffentlicher Sitzung im Bauausschuss vorgelegt. Sie sehen unter anderem vor, dass der Verbindungsbau zwischen Hochhaus und dem Mopo-Gebäude erhalten wird, wo unter anderem eine Kantine untergebracht ist.
Knackpunkt ist ein Neubau an der Ostra-Allee
Trotzdem ist im Bauausschuss der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für das Areal erneut verschoben worden. Knackpunkt war der geplante sechsgeschossige Riegel, der auf der Freifläche vor dem Mopo-Gebäude an der Ostra-Allee vom Investor geplant ist. Dieser beeinträchtige die Wirkung des Hauses der Presse vom Zwinger aus gesehen, fanden mehrere Stadträte.

Quelle: Graftlab, Robert C. Spies Immobilien
Auch das Landesamt für Denkmalpflege hatte sich in einer Stellungnahme dafür ausgesprochen, an der Stelle eher kleinere, pavillonartige Gebäude vorzusehen. Damit würde eine gute Wirkung des Ensembles auch gemeinsam mit den benachbarten Theaterwerkstätten erzielt, die unter Denkmalschutz stehen.
Höhe des Gebäudes ist ausschlaggebend
„Der Investor muss nach seinen mehrmaligen Vorstellungen in unseren Gremien jetzt endlich eine klare Marschrichtung bekommen“, sagt SPD-Stadtrat Stefan Engels. Auch er befürwortet eine niedrigere Bebauung vor dem Mopo-Gebäude. Genau wie Vertreter der Grünen im Ausschuss. Diese haben einen Ergänzungsantrag vorbereitet, wenn der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan gefasst wird.
Demnach soll der Teilbereich zwischen Kleiner Packhofstraße, SZ-Hochhaus und Ostra-Allee so geplant werden, dass der vorhandene städtebauliche Charakter im Anschluss an die benachbarten, unter Denkmalschutz stehenden Theaterwerkstätten nicht verloren geht. Außerdem müsse die Gestaltung aller öffentlichen und halböffentlichen Flächen neben hohen gestalterischen Ansprüchen auch der Barrierefreiheit und der tatsächlichen Höhenentwicklung der angrenzenden Straßenräume Rechnung tragen.
Für CDU-Stadträtin Bettina Kempe-Gebert wäre die erneute Verschiebung des Beschlusses nicht notwendig gewesen. „Der Investor und die Architekten habe unsere Hinweise fachlich immer gut in den neuen Planungen umgesetzt. Wir hätten die Größe des Riegels vor dem Mopo-Gebäude auch im Verfahren regeln können“, ist sie überzeugt.
Die nächste Sitzung des Bauausschusses findet im Januar statt. Dann könnte der Aufstellungsbeschuss gefasst werden. Geht es nach dem Zeitplan des Investors, sollte im vierten Quartal 2027 mit dem Satzungsbeschluss der Bebauungsplan in Kraft treten.
SZ


