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Onlinehändler Huboo in Gerichshain ist pleite

Der britische Onlinehändler Huboo in Gerichshain musste Insolvenz anmelden. Ursprünglich sollten hier 250 Logistik-Jobs entstehen. Jetzt hat der Insolvenzverwalter den Geschäftsbetrieb eingestellt. Die Hintergründe einer unsanften Landung.

Lesedauer: 4 Minuten


Simone Prenzel

Machern/Gerichshain. Hiobsbotschaft aus dem Gerichshainer Gewerbegebiet: Am Amtsgericht Leipzig läuft ein Insolvenzverfahren über das Vermögen der Huboo E-Commerce Technologies GmbH.

Der britische Onlinehändler hatte sich erst im Mai 2022 in Gerichshain niedergelassen. Die Pläne klangen ehrgeizig: Vom Standort in der Zweenfurther Straße aus sollten Kunden in ganz Deutschland und Osteuropa gewonnen werden. Von bis zu 250 neuen Arbeitsplätzen war die Rede.

Huboo hatte in Gerichshain große Pläne

Huboo erklärte damals, der boomende Onlinehandel habe sie bestärkt, auf dem deutschen Markt einzusteigen. Gerichshain war der erste Standort der Briten in Deutschland. Weitere existieren in Eindhoven (Niederland) und Madrid (Spanien).

Wirtschaftsförderer des Landkreises und der Ansiedlungsagentur Invest Region Leipzig hatten die Briten freudig begrüßt.

Fotoapparate klickten, als Pressevertreter durch die zehn Meter hohen Hallen geführt wurden. Auf 10.000 Quadratmetern Fläche nahm das Logistikzentrum vorerst Fahrt auf.

Dafür wurden nagelneue Logistikflächen der örtlichen Speditionsfirma Loth unter Vertrag genommen.

Der britischer Onlinehändler Huboo kommt nach Gerichshain. In einer Lagerhalle der Firma Loth eröffnet der Dienstleister sein erstes Logistikzentrum in Deutschland. Im Foto von links: Michael Körner (Invest-Region), Gerald Schmitt-Reichardt und Jason Reid (beide Huboo), Landrat Henry Graichen, Speditionschef Marcus Loth und der Macherner Amtsleiter Martin Sirrenberg.
Quelle: Thomas Kube

Der britische Onlinehändler Huboo wurde 2022 in Gerichshain mit offenen Armen empfangen. Hochfliegende Pläne, die auch Landrat Henry Graichen (3.v.r.) hoffen ließen, endeten jetzt in der Insolvenz.

Huboos Geschäftsidee: Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen Lagerung, Verpackung, Versand und Retouren von Waren übernehmen. Die Palette reichte von Textilien über Lebensmittel bis zu Elektronik.

Doch es lief nicht: Seit wenigen Tagen ist der Geschäftsbetrieb komplett eingestellt. Am 1. August wurde das Insolvenzverfahren am Amtsgericht Leipzig eröffnet.

Insolvenz von Huboo hat mehrere Gründe

Die finanzielle Schieflage von Huboo habe mehrere Ursachen, erklärt Rüdiger Bauch von der Kanzlei Schultze & Braun, bestellter Insolvenzverwalter in dem Fall. „Ein Faktor ist die allgemeine Marktlage.“

Nachdem der Onlinehandel zu Corona-Zeiten boomte, hätten steigende Preise seit 2022 zu deutlicher Kaufzurückhaltung geführt. Dies habe auch der Onlinehandel zu spüren bekommen. „Geschäftsmodelle, die wie bei Huboo auf deutliches Wachstum ausgerichtet waren, erwiesen sich damit als sehr anfällig“, erklärt Bauch.

Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von der Rechtsanwaltskanzlei Schultze & Braun.
Quelle: Schultze & Braun
Insolvenzverwalter Rüdiger Bauch von der Rechtsanwaltskanzlei Schultze & Braun.

Maßgeblich war auch die Firmenstruktur von Huboo. „Innerhalb der Gruppe wurden Verträge mit Kunden offenbar ausschließlich über die englische Muttergesellschaft geschlossen. Die Huboo E-Commerce Technologies GmbH als kontinentaleuropäisches Tochterunternehmen hat praktisch als Subunternehmer gearbeitet und damit nur einen einzigen Kunden – die englische Muttergesellschaft.“

Diese sei Ende 2024 in eine existenzielle Krise gerutscht. „Nach meinem Kenntnisstand”, berichtet der Insolvenzverwalter, „sind die Geschäftsanteile der englischen Muttergesellschaft im Verlauf dieser Krise offenbar im Rahmen eines Notverkaufs an einen Investor übertragen. Die Vermutung liegt nahe, dass die tatsächliche und betriebswirtschaftliche Situation der kontinentaleuropäischen Tochtergesellschaften zum Zeitpunkt des Notverkaufs noch nicht vollständig erfasst worden war.“

Der britische Onlinehändler Huboo kommt nach Gerichshain und schafft hier nach eigenen Angaben mindestens 250 Arbeitsplätze.
Quelle: Thomas Kube

Der britische Onlinehändler Huboo wollte in einer 10.000 Quadratmeter großen Halle in Gerichshain durchstarten und 250 Arbeitsplätze schaffen. Doch der Plan von 2022 hat sich nicht erfüllt.

In Gerichshain kam in der Folge kein Geld mehr an: „Im Frühjahr 2025 sind die Zahlungen der notwendigen Betriebskosten der Huboo E-Commerce Technologies GmbH durch die englische Muttergesellschaft ausgeblieben. Dies hat zur finanziellen Schieflage und zur Notwendigkeit geführt, Ende Mai 2025 einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen.“

Im vorläufigen Insolvenzverfahren habe er den Geschäftsbetrieb noch aufrechterhalten können, berichtet Rüdiger Bauch.

„Die rund 25 Mitarbeitenden, von denen aber inzwischen bereits knapp zehn durch Eigenkündigung oder das Auslaufen ihres Arbeitsvertrags aus dem Unternehmen ausgeschieden sind, haben ihr Gehalt über eine Vorfinanzierung des Insolvenzgelds bekommen.“ Mit dem Ende der Firma seien die 15 verbliebenen Mitarbeiter gekündigt worden.

Allem Anschein nach war die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs in Machern für die englische Huboo zu teuer. – Rüdiger Bauch, Insolvenzverwalter von Schultze & Braun

Seit Ende Mai habe er mehrfach die englische Muttergesellschaft kontaktiert und einen Vorschlag zur Fortführung des Geschäftsbetriebs gemacht. „Allem Anschein nach war die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs in Machern für die englische Huboo aber zu teuer.“

Stattdessen sei eine neue Gesellschaft in den Niederlanden gegründet worden, die offenbar das kontinentaleuropäische Geschäft der Gruppe betreibt.

Invest Region Leipzig zeigt sich überrascht

Auch Michael Körner, Geschäftsführer der Invest Region Leipzig, hatte Hoffnungen in die Ansiedlung gesetzt und die Briten bei ihren Expansionsplänen unterstützt. „Auch uns hat die Nachricht überrascht“, zeigt sich Körner ernüchtert.

Michael Körner, Geschäftsführer der Invest Region Leipzig, sieht trotz Huboo-Insolvenz weiter eine solide Nachfrage nach Logistikflächen.
Quelle: Andre Kempner

Michael Körner, Geschäftsführer der Invest Region Leipzig, sieht trotz Huboo-Insolvenz weiter eine solide Nachfrage nach Logistikflächen.

„Die angespannte wirtschaftliche Lage, bedingt durch internationale Entwicklungen und Unsicherheiten, spiegelt sich generell auch in den Rückmeldungen unserer Kunden wider. Insbesondere die jüngsten globalen Zollveränderungen haben bereits Auswirkungen auf Lieferketten und Absatzmärkte – mit direkten und indirekten Folgen für die Logistikbranche“, so der Vertreter der Invest Region.

Unabhängig davon besteht in der Region weiterhin eine solide Nachfrage nach Logistikflächen. – Michael Körner, Geschäftsführer der Invest Region Leipzig

„Unabhängig davon besteht in der Region weiterhin eine solide Nachfrage nach Logistikflächen – nicht zuletzt aufgrund der verkehrsgünstigen Lage.“ Als Beispiele hierfür nennt Körner die Investitionen der Weerts Gruppe, Realterm und Mytheresa am Flughafen sowie von Wreesmann in Naunhof und GLP und Hines an der A14 in Grimma.

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