Breslau. Während auf deutscher Seite weiterhin nicht klar ist, ob und wann die Autobahn A4 zwischen Dresden und Görlitz ausgebaut wird, sind die polnischen Straßenbauämter bereits einen Schritt weiter. So wird Polen die A4 vom Abzweig zur A18 Richtung Berlin bis Breslau (Wrocław) dreispurig ausbauen.
Seit 2021 nimmt das Vorhaben konkrete Züge an. In dem Jahr wurde der Vertrag mit der Generaldirektion für Nationalstraßen und Autobahnen (GDDKiA), Niederlassung Breslau, unterzeichnet. Derzeit finden die Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit statt. In einer Information vom 14. Januar teilt die Generaldirektion Einzelheiten zum Bauablauf mit.
Zuerst wird zwischen Krzyżowa und Legnica gebaut
Zunächst wird die A4 zwischen Krzyżowa (Abzweig zur A18 Richtung Berlin) und Liegnitz (Legnica) auf einer Länge von 35 Kilometern so ausgebaut, dass sie alle Anforderungen an die Verkehrssicherheit erfüllt. Das Vorhaben soll zwischen 2027 und 2029 umgesetzt werden. Es ist bis 2030 (mit einer Verlängerung bis 2033) im nationalen Straßenbauprogramm der polnischen Regierung enthalten. Die zweispurige Autobahn ohne Standstreifen wird durch eine neue dreispurige Autobahn mit einem drei Meter breiten Standstreifen ersetzt.
Der Ausbau der A4 beginnt mit dem Bau einer neuen Fahrbahn. Sie verläuft abwechselnd nördlich und südlich der bestehenden Trasse. Der Verkehr wird während der Bauarbeiten auf die neue Fahrbahn umgeleitet. Zuvor werden die Anschlussstellen erneuert und neue Brücken errichtet. Der Streckenabschnitt wird also weiter befahrbar bleiben.
Fertigstellung für 2034 vorgesehen
Der längere, zweite Abschnitt führt von Legnica bis Wrocław/Wschód auf 80 Kilometern. Aus dem Ministerium für Infrastruktur in Warschau heißt es dazu, dass der zweite Abschnitt bis ins Jahr 2034 gebaut wird. Über die Baukosten kann das Ministerium noch keine Angaben machen, da die Planungen noch nicht abgeschlossen sind, teilt Pressesprecherin Anna Szumanska gegenüber der SZ mit.

Quelle: Generaldirektion für Nationalstraßen und Autobahnen (GDDKiA)
Mit dem Ausbau der beiden Abschnitte soll auch die Infrastruktur entlang der Autobahn verbessert werden. Die Rede ist von neuen Rastplätzen und Tankstellen. Eine Verbreiterung der Fahrbahn bedeutet aber das Aus für die einzige noch verbliebene Tankstelle aus der Zeit, als die A4 als Reichsautobahn in Richtung Osten gebaut wurde. Das historische Objekt befindet sich an der Autobahnauffahrt in Legnica/Ost, direkt neben der Autobahn in Richtung Deutschland. Laut Ministerium soll sie stillgelegt werden.
Neue Schnellstraße nach Waldenburg
Der Ausbau der A4 umfasst auch eine Schnellstraße, die S3. Sie führt über 50 Kilometer südlich von Breslau von der S8 kommend nördlich an Waldenburg (Wałbrzych) vorbei bis Bolkenhain (Bolków). Sie verkürzt die Fahrzeit nicht nur zwischen Breslau und Waldenburg, sondern auch bis nach Hirschberg (Jelenia Góra).
Mit dem dreispurigen Ausbau der A4 besteht die Aussicht, dass der Kraftfahrer schneller nach und von Breslau kommt, zumal die jetzige Autobahn in dem Abschnitt ohne Standstreifen auf 110 km/h begrenzt ist. Als die Polen mit den Vorbereitungen zum Ausbau begannen, zählten sie rund 60.000 Fahrzeuge pro Stunde in beide Fahrtrichtungen. Verkehrsprognosen gehen davon aus, dass sich diese Zahl inzwischen verdoppelt haben dürfte.
In Sachsen wartet man auf eine neue Verkehrsprognose für den Abschnitt Dresden–Görlitz. Die Behörden erhoffen sich, dass sie ein realistischeres Bild zeigen und damit die höhere Belastung durch den Verkehr als noch vor Jahren ausweisen wird. Dadurch steigen die Chancen, die Autobahn in den Bundesverkehrswegeplan zu bekommen und in den nächsten Jahren mit Geldern aus dem Bundeshaushalt auszubauen.
SZ


