Kamenz. Sie grasen friedlich auf der Koppel an der Pulsnitzer Straße im Kamenzer Ortsteil Gelenau: die Pferde von Lisette Hausding und Maria Nagel. Die vorbeifahrenden Autos stören die Tiere nicht. Decken liegen auf ihren Körpern, um sie vor lästigen Fliegen zu schützen. Die Pferde fühlen sich wohl – das ist ihnen anzumerken.
Nicht ganz so entspannt sind die beiden Reitlehrerinnen und Pferdetrainerinnen, auch wenn sie gerade nach den ersten Arbeiten bei einer Tasse Kaffee im Hof des Grundstückes sitzen. Sie besprechen die nächsten Tätigkeiten, aber auch, wie sie künftig im Pferdehof weiterarbeiten, welche Aufgaben auf sie warten und vor allem, wie sie das alles stemmen sollen. „Leicht wird es nicht, denn nach einem schweren Verlust wagen wir jetzt sozusagen einen Neustart ins Leben“, sagt Lisette Hausding.
Leicht wird es nicht, denn nach einem schweren Verlust wagen wir jetzt sozusagen einen Neustart ins Leben. – Lisette Hausding, Pferdetrainerin
Doch der Reihe nach. Vor vier Jahren hat die 33-Jährige, die aus Lauta stammt, den Hof in Gelenau gepachtet. Sie wohnt auch dort. Maria Nagel kam später dazu. Beide Frauen erfüllten sich den Traum vom eigenen Pferdehof. Sie arbeiten unter anderem mit Problem- und Angst-Pferden und nehmen ehemalige Rennpferde auf, damit diese abseits von Stress und Leistungsdruck ein normales Leben führen können. „Auch bieten wir Reitunterricht an – auf dem Hof oder mobil bei den Kunden“, sagt Maria Nagel. Zudem würden sie eng mit Osteopathen, Chiropraktikern, Sattlern, Hufschmieden und Huforthopäden zusammenarbeiten.
Tiere dürfen nicht unter Druck gesetzt werden
Der Reiterhof nennt sich „Vertrauenspferde“ – nach dem Konzept der beiden Frauen. „Man darf die Tiere nicht unter Druck setzen, ihnen nichts aufzwingen“, erklärt Lisette Hausding. Auf dem Gelenauer Hof laufen die Pferde ohne Halfter und ohne Strick. Auch für den Umgang zwischen Kunden und Tier gilt ein ähnliches Prinzip. „Pferde in Balance – ein ganzheitlicher Ansatz“, sagen die Trainerinnen.
Da die Arbeit in Gelenau gut lief, sei der Gedanke geboren worden, sich zu vergrößern, um weiteren Reitschülern und Pferden von der Galoppbahn die Möglichkeit zu geben, am Projekt „Vertrauenspferde“ teilzunehmen, erzählen die beiden Frauen. Lisette Hausding pachtete deshalb an einem anderen Ort im Landkreis Bautzen auf Probe ein Grundstück mit einer Reithalle, einem Reitplatz und einem Stall mit 25 Boxen. Die Geschichte ist nicht gut ausgegangen. „Der neue Hof, den wir voller Hoffnung zusätzlich gepachtet hatten, war leider keine tolle Möglichkeit, sondern unser persönlicher Albtraum“, blickt Lisette Hausding zurück.
Ärger mit dem Verpächter
Im September vorigen Jahres war sie mit den eigenen fünf Pferden auf den neuen Reiterhof gegangen. Maria Nagel blieb in Gelenau, kaufte sich selbst Pferde, um den Betrieb in dieser Anlage fortzusetzen. „Ende Dezember begannen auf meinem neuen Hof die Schwierigkeiten, es gab immer wieder Ärger mit dem Verpächter, der auch dort wohnt“, erzählt Hausding. Die Chemie habe einfach nicht gestimmt.
Eigentlich sollte nach dem Probe-Pachtvertrag ein Fünfjahres-Pachtvertrag abgeschlossen werden, doch dazu kam es nie. „Ich wusste einfach nicht, wie es weitergehen sollte. Mir fehlte die Planungssicherheit“, blickt Lisette Hausding zurück. Sie konnte keine neuen Kunden aufnehmen, die Pension nicht aufbauen, parallel fielen natürlich trotzdem Kosten für Futter, Instandhaltung und Ähnliches an.
Die Situation sei für sie immer schwieriger geworden, sodass sie sich Ende Mai entschloss, das Projekt aufzugeben und zurück nach Gelenau zu gehen. Sie betreibt jetzt also gemeinsam mit Maria wieder den hiesigen Hof. „Nun müssen wir die hohen finanziellen Einbußen ausgleichen, die durch den Umzug und die Umstrukturierung entstanden sind. Wir haben Angst, was passiert, wenn wir das nicht schaffen“, sagt die 33-Jährige.
Pferdetrainerinnen hoffen auf Spenden
Nun müsse in Gelenau investiert werden, weil die Pferde von beiden Frauen jetzt auf dem Hof leben. Die Scheune soll verbessert, der Auslauf – also die Freiflächen – sinnvoll umgestaltet werden. „Der Hof soll instand gesetzt werden, da sind einige Anpassungen notwendig“, sagen Lisette und Maria. Dazu kommen laufende Kosten wie Tierarztrechnungen, für Equipment, den Hufschmied und das Futter. „Das alles sind enorme Herausforderungen, zum einen, weil wir den Pferden alles bieten wollen, was sie benötigen, zum anderen, weil ich mir hier wieder neu einen Kundenstamm aufbauen muss“, erklärt Lisette. Auch wollen sie keines der Pferde verkaufen, um dies alles abzufangen.
Die finanziellen Sorgen sind also groß. Deshalb startete Lisette Hausding Mitte Juli eine Gofundme-Aktion, also einen Spendenaufruf. Darin heißt es: „Helft uns, unser altes, neues Zuhause anzupassen und zu erhalten.“ Bei der Aktion sollen 8.000 Euro zusammenkommen. Bis zum 1. August waren 4326 Euro von 71 Spendern eingegangen. Der höchste Betrag liegt bei 530 Euro, es sind aber auch viele kleine Spenden, angefangen von 5 Euro, dabei. Ein Enddatum für die Gofundme-Aktion gibt es nicht.
Jetzt hoffen Maria Nagel und Lisette Hausding, dass genügend Geld zusammenkommt, damit sie die Anlage in Gelenau verbessern und verschönern und letztlich für Pferde und Reiter die bestmöglichen Bedingungen schaffen können.
SZ


