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Sächsische Unternehmen halten wenig von bezahltem Bildungsurlaub

An bis zu drei Tagen im Jahr sollen sich sächsische Arbeitnehmer künftig freinehmen dürfen, um sich weiterzubilden – so sieht es der Koalitionsvertrag von CDU und SPD vor. Eine Umfrage der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern zeigt: Viele Unternehmen im Freistaat sehen das kritisch.

Lesedauer: 2 Minuten

Vinz Rauchhaus

Leipzig. Rund drei Viertel der sächsischen Unternehmen befürchten negative Auswirkungen durch bezahlten Bildungsurlaub für Arbeitnehmer. Das geht zumindest aus einer Umfrage der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) hervor, an der sich knapp 300 sächsische Unternehmen beteiligt haben.

Ein Großteil der Firmen befürchte demnach unter anderem eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, einen Rückgang des Arbeitsvolumens und eine Abnahme betrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen.

IHK-Präsident sieht die Initiative „zur Unzeit“

Vor dem Hintergrund der seit zwei Jahren angespannten wirtschaftlichen Situation in Sachsen komme die Initiative „zur Unzeit“, erklärte Max Jankowsky, der Präsident der IHK Chemnitz. Insbesondere kleine Unternehmen würden durch bezahlten Bildungsurlaub belastet. Kurzfristige Freistellungen von Mitarbeitern gefährden die Wertschöpfung dort laut der IHK „immens“.

Sächsische Unternehmen würden Weiterbildungen ohnehin bereits fördern. Mehr als die Hälfte der Firmen gewähre Freistellungen für private Weiterbildungsinteressen – zwei Drittel davon ganz oder teilweise bezahlt. „Ein darüberhinausgehender Anspruch ist weder nötig noch sinnvoll“, sagt Jankowsky.

Früh absprechen lohnt sich: Dann hat der Arbeitgeber Zeit, betriebliche Abläufe optimal zu berücksichtigen.
Früh absprechen lohnt sich: Dann hat der Arbeitgeber Zeit, betriebliche Abläufe optimal zu berücksichtigen.
Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn

75 Prozent der Unternehmen in der Umfrage fordern zudem den sächsischen IHK zufolge eine finanzielle Kompensation der Kosten durch den Freistaat. Über die Hälfte der Befragten plädierten außerdem dafür, bezahlten Urlaub ausschließlich für arbeitsplatzrelevante Inhalte zu gewähren.

Mehr als 55.000 Sachsen für Bildungsurlaub

Mehr als 55.000 Menschen in Sachsen hatten im Frühjahr einen Volksantrag zur Einführung von fünf bezahlten Urlaubstagen für private Weiterbildungsmaßnahmen unterschrieben. Der Antrag wurde im März im Landtag debattiert.

Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD sind drei Urlaubstage vorgesehen. Kay Ritter, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, dämpfte die Erwartung bezüglich einer Einführung des Bildungsurlaubes zuletzt jedoch: Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei es wichtig, auch die Sorgen und Nöte der Unternehmen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen. Sachsen und Bayern sind derzeit die einzigen zwei Bundesländer ohne bezahlten Bildungsurlaub für Arbeitnehmer.

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