Dresden. In leuchtendem Blau, Gelb und Rot prangen der Rahmen des Schaufensters und die Eingangstür des Cape House – die Farben der südafrikanischen Flagge. Auch das Foto der gelben Ortstafel verrät: Da geht’s nach Südafrika. „Die bunten Farben der Fassade lieben unsere Kunden“, sagt Besitzerin Aishia Bassardien. Sie bringen Licht in die Alaunstraße.
Mein Essen erzählt eine Geschichte. Die kann ich meinen Gästen nahebringen und so meine Kultur mit ihnen teilen. – Aishia Bassardien, Inhaberin und Chefköchin im CapeHouse
Bunt geht es ebenso auf der Speisekarte zu. Denn die südafrikanische Kultur und ihre Kulinarik sind sehr divers. Im südlichsten Land Afrikas sprechen die Menschen zwölf verschiedene Sprachen und gehören unterschiedlichen ethnischen Gruppen an.
Eine davon sind die Kapmalayen (englisch: Cape Malay). Ihre Gerichte haben die südafrikanische Küche stark geprägt und stehen auch auf der Speisekarte im Cape House im Mittelpunkt.
Rosinenhackbraten und Schokoladen-Samosas
Eines der Highlights der kap-malaiischen Küche? Bobotie. Ein Hackbraten aus Rindfleisch, der wegen der Rosinen fruchtig schmeckt und mit einer Schicht Eiermilch überbacken wird.
Auch Masala-Steak, verschiedene Currys und Samosas gibt es, Letzteres sogar in 20 verschiedenen Varianten. Die frittierten Teigtaschen sind gefüllt mit Kartoffeln, Mais, Spinat, Fleisch, Chili-Cheese oder sogar Schokolade.

Quelle: Rene Meinig
„Unsere Idee ist es, immer wieder was Neues für unsere Kunden zu machen“, sagt Aishia Bassardien. Auch andere südafrikanische Spezialitäten stehen auf der Speisekarte: das getrocknete und in Sticks geschnittene Rindfleisch Biltong, das mit Pommes, Fleisch und Salat belegte Sandwich Gatsby und die südafrikanische Wurst Boerewors.
Zum Nachtisch gibt es Malva Pudding, einen Kuchen mit Aprikosenmarmelade und Vanillesauce. Eine weitere Süßspeise im Cape House ist Koe‘sister. Sie besteht aus einem Donut-Teig gewürzt mit Zimt, Ingwer und Kardamom. „Damit bin ich aufgewachsen, ein absolutes Kindheitsgericht. Das haben wir oft sonntags zum Frühstück gegessen“, sagt Aishia Bassardien.
Regionale und südafrikanische Produkte
Die typisch südafrikanischen Gewürze importiert das Paar aus ihrer Heimat. Ansonsten setzt es auf regionale Lieferketten: Fritz-Kola statt Coca-Cola. Für Säfte, Schorlen und Wasser sorgen Sachsenobst und Oppacher.

Quelle: Rene Meinig
„Lokal ist lecker“, findet Aishias Ehemann Gabriel, der sich im Geschäft um den Papierkram kümmert. „Das unterstützen wir einfach lieber.“ Nur Bio-Zutaten kommen in den Kochtopf. Und für die Desserts verwendet die Köchin keine Backschokolade, sondern Lindt oder Milka.
Wegen kranker Tochter nach Deutschland
In Dresden sind Aishia und Gabriel auf Umwegen gelandet. In Kapstadt arbeitete die Sozialarbeiterin in Programmen für Straßenkinder und für Krisenintervention. Weil eines ihrer Kinder am VACTERL-Syndrom erkrankte, suchte die Familie medizinische Hilfe in Spezialkliniken. Weltweit kamen dafür nur drei Stück infrage, unter anderem eine Klinik in Hamburg, weswegen die Familie auswandern wollte. Allerdings machte der Corona-Lockdown im März 2020 die Ausreise unmöglich und die Familie saß mehr als sechs Monate in Johannesburg fest.
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Die Adresse des Cape House ist die Alaunstraße 86. Geöffnet hat das Lokal Dienstag bis Samstag von 11 bis 22 Uhr. Besonders am Wochenende wird eine Reservierung empfohlen.
„Die Botschaften waren geschlossen und wir brauchten unbedingt deutsche Reisepässe. Deswegen haben wir sogar Angela Merkel angeschrieben“, sagt Gabriel. Schließlich durfte die Familie ausreisen und landete mit ihren vier Kindern und zwölf Koffern zunächst in Holland und dann in Dresden.

Quelle: Rene Meinig
Hier hat sich Aishia Bassardien beruflich umorientiert und sich ihrer Koch- und Backleidenschaft gewidmet. Zunächst betrieb sie ein Catering und eröffnete am 23. April 2025 in der Neustadt das Cape House.
Dresden-Neustadt ist „Baby-Berlin“
Hier sind viele in Dresden lebende Südafrikaner zu Gast. Auch Kapstadt-Urlauber, junge Menschen, die ein Auslandsjahr in Afrika verbracht haben, Touristen, Dresdner, Meißner und Besucher aus der Sächsischen Schweiz fühlen sich im Cape House zu Hause.
Sehr kosmopolitisch ist die Neustadt, „ein Baby-Berlin“, findet Besitzerin Aishia Bassardien. Und das passt gut mit der südafrikanischen Art zusammen: offen und sprudelnd.
„Wir wollen Leute zusammenbringen“, sagt sie. Im Essen spiegelt sich die Diversität der südafrikanischen Kultur wider. „Mein Essen erzählt eine Geschichte. Die kann ich meinen Gästen nahebringen und so meine Kultur mit ihnen teilen“, sagt Aishia. Aus diesem Grund sind Mitte August interaktive Koch-Sessions zusammen mit den Gästen geplant. „Ubuntu“ lautet eine afrikanische Lebensphilosophie. Die fasst in einem Wort das Miteinander zusammen, in das jeder Mensch eingebunden ist. Und um das geht es auch im Cape House.
SZ


