Suche
Suche

Von Mitarbeiter-Events bis zum Gratis-Buffet

Die Leipziger TAS AG ist als Arbeitgeber des Jahres ausgezeichnet worden.

Lesedauer: 3 Minuten

Ein Mann hält einen Preis in der Hand.
Christian Geyer, Vorstand der TAS AG in Leipzig, freut sich über die Auszeichnung. Foto: Andre Kempner

Von Ulrich Milde

Leipzig. Die Branche hat nicht gerade den allerbesten Ruf. Monotone Arbeit, enge Zeitpläne, Leistungsdruck, laute Umgebung, ungeduldige Kunden – all das wird mit der Arbeit von Call-Centern verbunden. „Wir haben es in der Außenwirkung nicht immer leicht“, seufzt Christian Geyer. Ein Mann, der es wissen muss. Er ist Vorstand der TAS AG in Leipzig, eines der größten inhabergeführten Customer-Experience-Dienstleister in Deutschland. Er kümmert sich mit seinen Beschäftigten im Auftrag vieler Firmen um den Kundenservice. Der 39-jährige Manager hat es sich neben der Leitung seiner Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, „das Image ins Positive zu verändern“.
Dazu gehört natürlich an erster Stelle seriöse Arbeit, denn sonst springen die Auftraggeber ab. Also heißt es, Anrufe etwa von Kunden der Deutschen Bank professionell entgegenzunehmen und zu bearbeiten. Das bedeutet, zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die verlorene Kontokarte gesperrt und ein Ersatz verschickt wird. Für Solaris, die Plattform hinter der ADAC-Kreditkarte, werden Probleme gelöst, die rund um das Plastikgeld entstehen können. Zu den weiteren Kunden zählen etwa das Vergleichsportal Check 24, die Postbank, die Sparda-Bank und das Taschenkaufhaus Leipzig. Daneben geht es auch um die telefonische Akquise für Burda Direct, den Vertrieb des gleichnamigen Verlages. „Unser Ziel ist, gute Kundenerlebnisse zu schaffen“, betont Geyer. Voraussetzung dafür sei ein vernünftiger Umgang mit seinen Angestellten. Mit und unter Menschen zu arbeiten, sei seine große Leidenschaft. Dabei sei es ihm wichtig, nicht einfach nur perfekten Service abzuliefern, sondern „die entscheidende Extrameile zu gehen, die Gutes zu etwas Besonderem macht“. Und offenkundig ist er dabei auf einem guten Weg. So ist der Betrieb von der Top-Job-Jury als Arbeitgeber des Jahres 2026 ausgezeichnet worden. „Ein respektvolles, vielfältiges und verantwortungsbewusstes Miteinander prägt die Arbeitskultur der TAS AG“, begründet Heike Bruch, wissenschaftliche Leiterin der Top-Job-Initiative, die Ehrung. Die Professorin und ihre Mitarbeiter befragen die Beschäftigten der Kandidaten und werten die Daten aus. Top-Job ist so etwas wie der Oscar unter den Unternehmersiegeln für mittelständische Betriebe und vergibt die Auszeichnung in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen. Es sei ein „erstklassiges Förderprogramm“, die Qualität weiter zu verbessern und den Erfolg zu steigern, meint Schirmherr Sigmar Gabriel, der ehemalige Vizekanzler.

Individueller Entwicklungsplan
Doch wie sieht die Führungskultur, die Personalpolitik bei der TAS AG aus? „Wir tragen Verantwortung, der wir mit Vertrauen, Fairness und Respekt gerecht werden wollen“, bleibt Geyer zunächst im Allgemeinen. Doch er wird konkret. „Wir setzen auf eine Du-Kultur und ein ehrliches Feedback, zum Beispiel durch regelmäßige Befragungen und anonymes Feedback.“ Zudem sei die Weiterentwicklung der Mitarbeiter ein fester Bestandteil. Die firmeneigene Akademie biete jedem Teammitglied einen individuellen Entwicklungsplan und bilde auch Führungskräfte aus.
Wer morgens in die Zentrale in der Leipziger Kohlgartenstraße kommt, kann sich an einem kostenlosen Frühstücksbuffet bedienen. Feste Schreibtische gibt es nicht, allerdings sitzen beispielsweise diejenigen, die Kunden der Sparkasse Leipzig betreuen, gemeinsam in einem großen Raum. Auch der Chef hat kein separates Büro, sondern sucht sich morgens seinen Schreibtisch, ist so leicht ansprechbar.

Qualität hat Vorrang vor Arbeitsort
In den Räumen ist es trotz der Anrufe ruhig. Das liegt auch daran, dass ein Teil der Beschäftigten von daheim aus tätig ist – ganz wie sie es wollen. „Die Ergebnisqualität ist wichtiger als Arbeitsort oder Uhrzeit“, sagt Geyer. Gesteuert werden die Beschäftigten über ein Managementsystem, das ihnen „echten Einfluss gibt und die Unternehmensziele für alle klar und nachvollziehbar macht“. Der jährliche Eventplan umfasst rund 50 kostenfreien Veranstaltungen für Mitarbeitende und ihre Familien – von Kreativ-Workshops über Sportangebote bis zu gemeinsamen Feiern. „Diese Form der Gemeinschaft stärkt die Identifikation nachhaltig und verbindet die Belegschaft“, begründet der Chef.
Das Unternehmen wurde 1992 in Chemnitz von Geyers Eltern Jochen und Sylvia gegründet. Es war die erste Telemarketingagentur in Ostdeutschland. Die Hauptaufgabe bestand damals darin, Termine für den Außendienst verschiedener Auftraggeber zu vereinbaren. „Im ersten Jahr haben wir von der Hand in den Mund gelebt“, erinnert sich der Sohn. Zur Jahrtausendwende zog die Firma nach Leipzig um. Der Junior legte das Abitur ab und studierte Betriebswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsinformatik. „Geh deinen eigenen Weg“, hätten ihm die Eltern gesagt. Gleichwohl reizte es ihn dann doch, in das Familienunternehmen einzusteigen. „Ich hatte Lust darauf.“ 2013 zog er in den Vorstand ein. „Der Umsatz hat sich seitdem auf nun 22 Millionen Euro knapp vervierfacht“, berichtet er. Davon gehen gut 75 Prozent für das Personal drauf. Standen damals 250 Angestellte auf der Gehaltsliste, so sind es jetzt 600.

Neue Büros in Zagreb und Kapstadt
Angepeilt ist weiteres Wachstum. Im Rahmen der Internationalisierungsstrategie wurden im Februar 2026 zwei neue Standorte in Zagreb (Kroatien) und Kapstadt (Südafrika) eröffnet. Beide Büros sind auf deutschsprachigen Premium-Kundenservice ausgerichtet und sollen mittelfristig auf eine Teamstärke von 70 auf 200 Mitarbeiter ausgebaut werden. Dabei werden – überall – tendenziell die Jobs anspruchsvoller. Simple Anfragen beantwortet häufig die Künstliche Intelligenz. „Solche Lösungen sind nötig, weil wir das Volumen sonst nicht leisten könnten“, sagt Geyer.
Das Outsourcing von firmeneigenen Call-Centern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Aspekt der Geschäftsstrategie für viele Unternehmen entwickelt. Die Auslagerung der Kundenservice-Aufgaben an externe Dienstleister spart Kosten, die Auftraggeber können sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Allerdings verlieren die Unternehmen die direkte Kontrolle über den Kundenservice, was zu Schwierigkeiten bei der Überwachung und Steuerung führen kann.

Das könnte Sie auch interessieren: