Leipzig. In Leipzig soll in den nächsten drei Jahren das weltweit erste Werk zur vollautomatisierten Herstellung von Bauteilen aus Carbonbeton entstehen, der das Treibhausgas CO₂ speichert. Der Startschuss zu diesem Zukunftsprojekt für klimafreundliches Bauen fiel allerdings am Montag in Dresden, genauer im CUBE, dem weltweit ersten Haus aus Carbonbeton.
Carbonbeton ist ein innovativer Verbundwerkstoff, der aus Beton und einem Gitter aus Kohlenstofffasern besteht. Er hat zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichem Stahlbeton. Die wichtigsten sind, dass der Baustoff CO₂ speichert und nicht korrodiert. Dadurch lassen sich in Summe bis zu 80 Prozent der Ressourcen einsparen und Treibhausgasemissionen erheblich senken.
Die Wirtschaftlichkeit werden wir dadurch herstellen, dass wir vollautomatisiert fertigen. – Matthias Tietze, von der Kahnt & Tietze GmbH
Erforscht und entwickelt wurde Carbonbeton am Institut für Massivbau der Technischen Universität Dresden. Professor Manfred Curbach erhielt dafür den alternativen Nobelpreis für Nachhaltigkeit. Deshalb war es für die HTWK-Absolventen Matthias Tietze und Alexander Kahnt selbstverständlich, den Startschuss zum Aufbau der C-Factory in Dresden zu geben. Die beiden Leipziger wollen gemeinsam mit einem Firmenkonsortium beweisen, dass der Baustoff auch wirtschaftlich herzustellen und auf dem Markt wettbewerbsfähig ist.
Dazu haben sie die Kahnt & Tietze GmbH gegründet, die das Verbundprojekt koordiniert. In den Aufbau der Modellfabrik in der Leutzscher Franz-Flemming-Straße sollen 21,5 Millionen Euro investiert werden, 14 Millionen Euro kommen als Förderung vom Bundeswirtschaftsministerium. Den Spatenstich für das erste Carbonbeton-Werk kündigte Tietze für „Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres“ an. Im Jahr 2029 soll die Produktion starten, dann läuft die Förderung aus.
Mehr Nutzfläche bei weniger Material
Aber ist Carbonbeton für zukünftige Bauherren nicht nur aus Klimaschutzgründen interessant, sondern auch bezahlbar? „Die Wirtschaftlichkeit werden wir dadurch herstellen, dass wir vollautomatisiert fertigen. So drücken wir die Preise und sind mit Stahlbeton und Holzbau absolut konkurrenzfähig“, betont Tietze. Entsprechend wurde am Montag auch kein rotes Band durchschnitten, sondern ein Roboter durchtrennte ein dünnes Carbonband.
Da Kohlenstofffasern nicht durch Korrosion zerstört werden, kann die Betondeckung deutlich reduziert werden. Das ermöglicht schlankere, leichtere und dauerhaftere Bauteile. „Auf der gleichen Grundfläche sind 5 bis 7 Prozent mehr Wohnfläche möglich, was für Investoren interessant ist“, sagt der Gründer. Denn diese bekommen bei weniger Materialeinsatz von Sand, Kies und Zement mehr Nutzfläche, die sie verkaufen oder vermieten können.

Quelle: ronaldbonss.com
Außerdem wird eine längere Lebensdauer von rund 80 bis 100 Jahren erwartet, statt der 30 bis 50 Jahre bei Stahlbeton. Dadurch fallen laut Tietze weniger Sanierungs- und Instandsetzungsaufwand an, ein weiterer Vorteil für Bauherren. Die Befürchtung höherer Anfangsinvestitionen sieht er nicht: „Wir wollen die Kosten auf das Niveau von Stahlbeton drücken.“ Die Carbonbeton-Bauweise wurde in ersten Bauprojekten schon erprobt. Außer dem CUBE wurde noch eine Turnhalle in Dresden mit diesen Bauteilen errichtet. Und das erste Bauprojekt für ein Mehrfamilienhaus in Leipzig ist laut Tietze schon in Planung.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter freut sich, dass dieses neue Kapitel des Bauens als „eine Partnerschaft zwischen Dresden und Leipzig für das ganze Land“ aufgeschlagen wird. Für ihn hat dieses Projekt alles, was er sich für den Innovationsstandort Sachsen wünscht: einen kreativen Mittelstand, einen gelungenen Technologietransfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft und eine Bundesförderung als Anschubfinanzierung.
An dem Konsortium sind neben der HTWK auch das Betonwerk Oschatz GmbH, die Schwenk Zement GmbH, die Prilhofer Consulting GmbH, die ABS Storkow GmbH und die TU Dresden beteiligt.


