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2019 wird schwierig für die Weißeritztalbahn

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 09.02.2019
Der erste Ansturm nach der Wiedereröffnung lässt nach. Dazu kommt noch einmal eine mehrmonatige Zwangspause.

Die erste Euphorie nach dem Wiederaufbau der Weißeritztalbahn von Dippoldiswalde bis zur Endstation in Kipsdorf ist verflogen. Das wirkt sich auch bei den Fahrgastzahlen aus. Im Jahr 2018 sind rund 155.000 Fahrgäste auf der Schmalspurbahn unterwegs gewesen. 2017, als im Juni die Bahn erstmals nach der Flut wieder auf der kompletten Strecke bis Kipsdorf fuhr, waren es rund 192.000.

Die Zahlen kommen nicht überraschend, schätzte Mirko Froß, Betriebsleiter der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft, auf einer Pressekonferenz am Dienstag ein. Erstens lässt die Begeisterung nach, die unmittelbar nach der Wiedereröffnung der Strecke geherrscht hat. Zweitens haben die Eisenbahner ihre Statistik verändert. Sie zählen die Fahrgäste nicht einzeln, sondern errechnen ihre Zahl aus den verkauften Fahrkarten. Rund ein Viertel der Fahrkarten sind Familienkarten, mit denen zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder mitfahren dürfen. Bisher ging also eine Familienkarte mit sechs Fahrgästen in die Rechnung ein, erklärte Froß. In der Regel sind bei einer Familie aber zwei Kinder dabei, und daher wird von jetzt an eine Familie mit vier Personen angerechnet, auch wenn die Statistik weniger schön aussieht.

Das zieht die Zahlen runter, weil Familien eine ganze wichtige Gruppe unter den Fahrgästen ausmachen. 25 Prozent der Fahrgäste sind mit Familienkarten unterwegs, 52 Prozent mit Einzelkarten und 20 Prozent mit Gruppenkarten. Der Rest sind verschiedene Angebote wie die Fünferkarten, die sich an Eisenbahnfans richten, die gleich mehrfach mitfahren wollen. Insgesamt zeigt sich auch Ralf Kempe, der Vorsitzende der IG Weißeritztalbahn, zufrieden mit den Fahrgastzahlen. 

Der allerletzte Bauabschnitt

Dabei steht aber jetzt schon fest: In diesem Jahr wird die Besucherzahl weiter zurückgehen. Denn die Weißeritztalbahn muss vom 17. Juli bis zum 15. November auf dem Abschnitt von Dipps bis Kipsdorf noch einmal eine Baupause einlegen. Eine wichtige Restarbeit im Rahmen des Wiederaufbaus ist noch zu erledigen. Die Brücke in Obercarsdorf über die Rote Weißeritz muss neu gebaut werden. Sie funktioniert zwar für die Eisenbahn, aber sie ist zu klein für den Fluss. Das zeigen die Erfahrungen aus dem Hochwasser 2002. Die Weißeritz muss unter der Brücke drei Meter breiter werden, damit mehr Wasser fließen kann. Die Baukosten schätzt Froß einschließlich Planung auf rund eine Million Euro, wie er auf SZ-Nachfrage sagte. „Aber ich bin gespannt auf das Ergebnis der Ausschreibung.“

2015 fehlten noch die Zustimmung von Anliegern und wasserrechtliche Genehmigungen. Daher wurde hier ein Provisorium eingerichtet. Die Brücke kann im Hochwasserfall hochgekurbelt werden. Das Technische Hilfswerk würde das im Ernstfall übernehmen und hat eine solche Aktion einmal geprobt. Die neue Flussquerung wird nun eine sogenannte Trogbrücke, wo in einem Trog ein Schotterbett und die Gleise verlegt werden. Das hat den Vorteil, dass die Unterseite glatt ist. Holzstämme, Äste und anderes Treibgut können sich bei einem Hochwasser nicht mehr verhaken.

In Kreisen von Tourismusunternehmen wird die Idee diskutiert, während dieser Zeit einen kleinen Zugverkehr zwischen Obercarsdorf und Kipsdorf einzurichten, wie Kempe berichtete. Froß lehnt das aber rundheraus ab. „Dafür wären zusätzliche Züge und Personal erforderlich. Wirtschaftlich wäre das Wahnsinn“, sagte er gegenüber der SZ. Er begründet auch die Terminwahl. Eine Streckensperrung passt eigentlich nie. In der Sommersaison, wenn die Bauleute arbeiten können, ist auch der meiste Betrieb auf der Eisenbahn. Mit dem Bautermin von Juli bis November können die großen Höhepunkte auf der Strecke wie Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und das Schmalspurbahn-Festival noch auf der vollen Länge gefeiert werden. Dann ist ab Dipps gesperrt. Die Dampfeisenbahngesellschaft wird Anfang März die Arbeiten europaweit ausschreiben. „Dann haben wir noch einen Zeitpuffer, damit sie pünktlich im Juli beginnen“, sagte Froß. Er ist zuversichtlich, dass sie bis November abgeschlossen sind. Dann könnte die Bahn in der Weihnachtszeit wieder fahren.

 

Von Franz Herz

Foto: ©  Egbert Kamprath

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