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3D-Druck: Blackstone startet neue Batterie-Produktion

08.12.2021
Mit dem speziellen Druckverfahren sollen im Döbelner Gewerbegebiet an der A14 Batteriezellen unter anderem für E-Autos hergestellt werden.

Von Jens Hoyer 

Döbeln. Die Zukunft der Batterieproduktion nimmt derzeit in der großen Halle der Firma Blackstone Technology in Döbelner Gewerbegebiet Am Fuchsloch noch wenig Raum ein. Geschäftsführer Holger Gritzka zeigte am Dienstag bei einer Online-Präsentation Medienvertretern die Produktionslinie für Batterieelektroden modernster Bauart. Aber nicht im Detail.

Auch die allzu vertiefenden Nachfragen einer Journalistin wehrte er ab. Neben Patenten auf das Verfahren sind es die Betriebsgeheimnisse, die den Wert und das Know-How der Firma ausmachen, sagte er.

Deutliche Senkung der Produktionskosten

Die Firma Blackstone druckt die Elektroden, die in jeden Lithium-Ionen-Akku die Energie speichern. Sie druckt sie dicker, als andere Hersteller es mit herkömmlichen Beschichtungstechnologien erreichen. Blackstone verspricht 20 Prozent mehr Energiedichte bei einer deutlichen Verringerung der Produktionskosten. Auf umweltschädliche Lösungsmittel kann verzichtet werden.

Verbunden sind diese Vorteile mit einer besonderen Flexibilität bei der Größe der Zellen. Etwas, für das sich die Hersteller interessieren.

Produktion startet im Januar

Im Januar startet Blackstone die Produktion in Döbeln. Die ersten Batteriezellen, die das Werk verlassen, werden in Binnenschiffe eingebaut. Es sollen Containerschiffe mit E-Antrieben ausgerüstet werden. „Die Batterien sind sehr groß“, sagte Gritzka. Produzieren wird Blackstone auch für einen Hersteller für E-Busse.

Gespräche seien auch mit allen europäischen Autofirmen geführt worden. „In jedem Fall ist der Hersteller auf uns zugekommen“, sagte Gritzka. „Es ist gut für uns, dass wir dieses wichtige Segment erreichen.“

Hersteller setzt auf Produkt aus Deutschland

Auch die Firma Orten Electric Trucks GmbH aus Bernkastel-Kues, die Elektronutzfahrzeuge baut, hat Interesse an den Batterien. Wie Geschäftsführer Robert Orten sagte, sei nicht nur die Aussicht auf mehr Reichweite oder geringeres Gewicht und flexible Größen interessant, sondern auch die Aussicht, dass die Batterien in Deutschland hergestellt werden.

Bisher beziehe die Firma diese aus China, aber die Transportkosten hätten sich verfünffacht. Statt 5.000 Euro koste der Überseecontainer jetzt 25.000 Euro.

Mitarbeiterin Karla Guerrero zeigt im Qualitätslabor eine der Elektroden für Lithium-Ionen-Batterien, die mittels 3-D-Druck hergestellt werden.
 
Die flachen sogenannten Pouch-Batteriezellen können in flexiblen Größen angefertigt werden.
Die flachen sogenannten Pouch-Batteriezellen können in flexiblen Größen angefertigt werden. © Dietmar Thomas

Nach Gritzkas Angaben hat Blackstone Technology bisher Vorverträge in einem Umfang von 184 Millionen Euro abschließen können. Die Kapazitäten im Döbelner Werk würden Ende 2022 nahezu ausgelastet. Perspektivisch sollen die Kapazitäten in der Endausbaustufe in Döbeln zum heutigen Stand verzehnfacht werden. Dann würden die Anlagen im Dreischichtsystem gefahren und 38 Mitarbeiter beschäftigt. „Der Automatisierungsgrad ist recht hoch“, sagte Gritzka.

Auch Feststoffbatterien können gedruckt werden

Das technologische Ende ist mit dieser Produktion noch nicht erreicht. Das Druckverfahren, das Blackstone Technology mit Partnern entwickelt hat, biete auch die Möglichkeit zur Herstellung von Festkörperbatterien, die ohne toxische und brandgefährliche Flüssig-Elektrolyte auskommen und dabei 70 Prozent mehr Energie speichern können.

Im Frühjahr sei es zum ersten Mal gelungen, Festkörperbatterien zu drucken. Im Januar, so Gritzka, werde ein dreijähriges Forschungsprojekt mit Partnern dazu gestartet. Dann sei auch der Bau eines Entwicklungszentrums geplant.

Sachsen als Zentrum der Batterieentwicklung

Die Frage, ob sich Sachsen zum „Mekka“ der Speichertechnologien entwickelt, stimmte Gritzka zu. „Es gibt hier gute Fördermöglichkeiten, es stehen mehr Gewerbeflächen zur Verfügung, und es gibt gute Fachleute“, sagte Gritzka.

Auf Döbeln sei er auf der Suche nach geeigneten Produktionsgebäuden gestoßen. Mit den Hallen der ehemaligen Firma Stemke Kunststofftechnik habe er diese gefunden. „Erst danach wurde mir klar, was für ein wunderbarer Standort das zwischen den drei Großstätten ist. In unserem Einzugsbereich wohnen 3,5 Millionen Menschen. Wir haben über 150 Bewerbungen von Leuten erhalten, die bei uns arbeiten wollen. So viele kann ich gar nicht gleich einstellen.“

Der Freistaat unterstützt das Projekt in Döbeln. Die Sächsische Aufbaubank habe Fördermittel in Höhe von 5,7 Millionen Euro zugesagt, sagte Ulrich Ernst, Chef der Mutterfirma Blackstone Resources in der Schweiz.

Blackstone setzt auf Expansion

Er stellte die Strategie des Unternehmens dar. Nachdem die Kapazität in Döbeln von zehn Gigawatt pro Jahr erreicht wurde, soll diese bis 2025 in Deutschland auf rund 25 Gigawatt erweitert werden. Im Zuge der Expansion seien Investitionen in Fernost, Amerika, Frankreich geplant, die Vergabe von Lizenzen und Joint Ventures mit Erstausrüstern.

Zudem könne Blackstone durch seinen Zugriff auf wichtige Batteriemetalle wie Lithium, Kobalt und Nickel die für die Produktion notwendigen Rohstoffe zur Verfügung stellen. „Diese Metalle werden knapp werden“, sagte Ernst.

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