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Abschied nach fast 700 Konzerten

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 06.12.2019
Ohne Eckhard Brähmig gäbe es das Festival Sandstein und Musik nicht. Dabei sagt er selbst: Ich bin unmusikalisch. Jetzt geht der Geschäftsführer in den Ruhestand.

Die Stammgäste des Festivals Sandstein und Musik werden ihn ab der nächsten Saison vergeblich suchen, den hochgewachsenen Mann am Einlass, der mit wachem Blick wie ein Adler das Geschehen beobachtet. Eckhard Brähmig, der als Geschäftsführer von Beginn an die organisatorischen Fäden mit sicherer Hand zusammenhielt, geht in den Ruhestand. Sein Tätigkeitsfeld übernimmt die neue Festivalkultur Sächsische Schweiz gGmbH.   

Vier Veranstaltungen wird der 64-Jährige noch betreuen, die beiden Abschlusskonzerte des 27. Jahrgangs mit Ludwig Güttlers Blechbläserensemble am Wochenende in der Marienkirche Pirna, eine ausverkaufte Lesung mit Friedrich-Wilhelm Junge am Donnerstag auf dem Sonnenstein und ein Konzert, das nun eines ihm zu Ehren wird, am Freitag in Bad Schandau mit dem Titel „Leise weht’s durch alle Lande“.

Ein bisschen Wehmut schwingt da mit, und das trifft auch die Stimmung der Künstler, die ihm zum Abschied geschrieben haben, und seiner Wegbegleiter. Einer ist sein Bruder Klaus Brähmig, der Mitgründer des Festivals und Vorsitzende des Trägervereins Sandstein und Musik. Er verkündete beim Konzert am Sonntag im Rittergut Limbach die Neuigkeit mit sichtlich schwerem Herzen: „Ich hätte mir gewünscht, dass er noch länger bleibt.“

„Einmal muss Schluss sein“, sagt Eckhard Brähmig, der schon im vergangenen Jahr die Segel streichen wollte. „Die Einschläge kommen immer näher“, sagt der Papstdorfer. Im Frühjahr ist sein bester Freund gestorben, der Rudi, gerade 65 geworden, einer, der das Festival mit handwerklichen Leistungen maßgeblich unterstützt hat, und mit dem Eckhard Brähmig im nächsten Jahr eine große Reise unternehmen wollte. „Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören“, sagt er bestimmt. „Ich habe über all die Jahre den Zuschauern mit den Konzerten Spaß und Freude gebracht, nun bin ich auch mal dran.“

Während des Festivals, das zwischen März und Dezember stattfindet, war Eckhard Brähmig permanent im Einsatz. Vor allem am Wochenende. Ohne ihn lief im Grunde nichts. Er sorgte nicht nur für die Werbung, die Öffentlichkeitsarbeit, den Kartenverkauf und die Betreuung der Künstler, sondern war auch für den Veranstaltungsort zuständig. Meistens waren es Kirchen, für die er manchmal nur den Hinweis bekam: „Der Schlüssel liegt unter dem Abstreicher.“ Um alles andere kümmerte sich Eckhard Brähmig, bis hin zur Herstellung und Aufstellung von Podesten für Chöre und der Einteilung der treuen ehrenamtlichen Helfer. Ohne die, betont er, wäre das Festival nicht möglich gewesen.

Fast zwei Jahre hatte es gedauert, bis aus der Idee schließlich ein Festival wurde. Auslöser war ein Konzert mit Ludwig Güttler an der Trompete und Ludwig Kircheis an der Orgel am 26. April 1991 in der restlos ausverkauften Kirche von Papstdorf. „Wir hatten schon zu DDR-Zeiten versucht, Güttler in unsere Kirche zu holen, aber es hat nie geklappt“, sagt Eckhard Brähmig. Nach der Wende, Brähmig, der zuvor als Fernmeldetechniker gearbeitet hatte, war zum Bürgermeister gewählt worden, packte er mit seinem Bruder Klaus das Projekt noch einmal an. Güttler kam, spielte, und begeisterte die Menschen – das hat sich übrigens bis heute nicht geändert.

„Der Auftritt sollte keine Eintagsfliege bleiben“, sagt Eckhard Brähmig. Aber schon bald musste er zur Kenntnis nehmen, dass er für eine Musikreihe in so einer kleinen Gemeinde nicht genug Geld auftreiben konnte. Erst über ein Jahr später, im Juni 1992, wurde die Idee eines Festivals wiederbelebt, in der mittlerweile abgerissenen Gaststätte „Glück Auf“ auf dem Sonnenstein in Pirna. Dort fand die erste gemeinsame Dienstberatung der Bürgermeister der Landkreise Pirna und Sebnitz statt, bei der Ludwig Güttler über die Bedeutung der Kultur für die Gemeinden und Bürger sprach – und sich  für ein regionales Musikprojekt aufgeschlossen zeigte.

Am 2. September 1992 wurde im Rathaus Pirna, das damals eine Baustelle war und den Blick auf den Himmel freigab - was für ein Zeichen! - der Verein Sandstein und Musik gegründet. Güttler übernahm den künstlerischen Part, Klaus Brähmig den Vorsitz und Eckhard Brähmig die Geschäftsführung, bis 1997 ehrenamtlich. Zu den Helfern gehörte von Anfang an auch Brähmigs Schwester Hella, die Kinder der Familien, sogar die Mutter und der Freundeskreis. Im März 1993 startete der erste Jahrgang mit vierzehn Veranstaltungen.

Exakt 663 Konzerte werden es am Sonntag sein, die Eckhard Brähmig organisatorisch betreut hat. Und bei nahezu allen war er als Zeremonienmeister dabei, nur zwei oder drei Mal, sagt er, konnte er aus wichtigen Gründen nicht. Inhaltlich hatte Eckhard Brähmig indes keinen Einfluss, was ihn nie gestört hat. „Ich habe doch gar keine Ahnung“, sagt er. „Ich bin total unmusikalisch. Wenn ich im Musikunterricht singen sollte, habe ich meinem Lehrer gesagt, er soll mir gleich eine Fünf geben, damit ich mich nicht blamieren muss.“

An den Konzerten hatte er dennoch seine Freude, besonders an denen, die ihn überraschten, wie das mit dem Stahlquartett oder Bassiona Amorosa, einem Ensemble, das nur Kontrabässe spielt. Natürlich mag er auch die Auftritte mit Ludwig Güttler. Zweimal noch wird er dabei für einen reibungslosen Ablauf sorgen, und es wird erneut sehr voll, bei der Bläserweihnacht am Sonnabend und Sonntag. Einige wenige Eintrittskarten gibt es noch.

Sandstein und Musik, 6.12., 19 Uhr, Liederabend in der Kulturstätte am Park, Bad Schandau, 7. und 8.12., jeweils 17 Uhr, Bläserweihnacht in der Marienkirche Pirna.

 

Von Thomas Morgenroth

Foto: © Andreas Weihs

 

 

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