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Alstom entgeht Großauftrag in der Schweiz

08.10.2021
Die Schweizerischen Bahnen kaufen für zwei Milliarden Franken ein. Aber nicht bei Alstom.

Von Sebastian Beutler 

Der französische Bahnkonzern Alstom hat erneut einen lukrativen Auftrag nicht bekommen. Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB beauftragten jetzt den Schweizer Bahnhersteller Stadler mit der Lieferung von 286 Triebzügen für den Regionalverkehr. Der Auftrag hat ein Volumen von zwei Milliarden Franken. Neben Stadler und Alstom bemühte sich auch die Bahnsparte von Siemens um diesen Auftrag.

Vor einigen Wochen hatten die Österreichischen Bahnen einen ursprünglich an Bombardier vergebenen Auftrag wieder zurückgezogen und an Siemens weitergereicht. Bombardier war mit der Entwicklung der Züge in Verzug geraten, Siemens konnte bereits eingeführte Wagen anbieten.

Die ersten Züge des neuen Auftrags der SBB sollen ab Dezember 2025 ausgeliefert und im Schweizer Nahverkehr eingesetzt werden. SBB-Chef Vincent Ducrot betonte vor der Presse, dass die neuen Züge auf bewährten Plattformen basierten und keine Neuentwicklungen sind.

SBB mit Seitenhieb auf Bombardier/Alstom

Ein mehr als deutlicher Seitenhieb auf den letzten Großauftrag und dessen Abwicklung. Die SBB hatte 2009 neu entwickelte Doppelstock-Schnellzüge bei Bombardier bestellt. Auch damals handelte es sich für die 62 Züge um ein Volumen von rund 1,9 Milliarden Franken. Die Züge wurden im Görlitzer Waggonbau und im schweizerischen Werk von Bombardier, in Villeneuve, gebaut. Doch Bombardier geriet in Verzug, sowohl bei der Planung als auch der Produktion, und konnte nicht pünktlich liefern. Nach den zuletzt bekannt gewordenen Plänen sollen die letzten Züge bis Ende dieses Jahres ausgeliefert werden. Zuletzt schien aber die Zufriedenheit der SBB und ihrer Fahrgäste mit den Zügen gestiegen zu sein. Ob die SBB nach diesen Erfahrungen jedoch noch eine Option auf den Kauf weiterer dieser Züge bei Alstom zieht, ist völlig offen.

Schlechte Auftragslage im Görlitzer Waggonbau

Mittlerweile hat der französische Konzern Alstom die Bahnsparte von Bombardier übernommen. Das betrifft auch die Waggonbau-Werke in Görlitz und Bautzen. Beide Werke, so bestätigte Alstom-Sprecher Jörn Bischoff in Berlin, wären aber nicht an der Herstellung der Regionalzüge beteiligt gewesen, wenn Alstom den Auftrag der SBB erhalten hätte.

Dabei ist die Auftragslage in beiden Oberlausitzer Werken nach Angaben der Gewerkschaften alles andere als rosig. In Görlitz ist die Lage dabei noch schwieriger als in Bautzen. Nach SZ-Informationen hat die Belegschaft deutlich zu wenig zu tun, sodass sie teilweise die Arbeitszeit einfach nur absitzt. Der Sprecher von Alstom versicherte gegenüber der SZ, dass sich das Unternehmen an einer "Vielzahl verschiedener Ausschreibungen sowohl für Aufträge in Deutschland als auch darüber hinaus" beteiligt. "Davon sollen selbstverständlich auch unsere Werke in der Lausitz profitieren", heißt es weiter. Schließungspläne für das Görlitzer Werk oder sonst einen Standort in Deutschland existieren seinen Angaben zufolge nicht.

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