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Alstom: Konkrete Aussagen erst nächstes Jahr

23.12.2021
Die Gespräche zum Job-Abbau haben begonnen, gehen aber bislang wenig ins Detail. In Görlitz engagiert sich indes auch die Kirche für den Waggonbau.

Von Daniela Pfeiffer 

Nachdem vor zwei Wochen die Hiobsbotschaft vom geplanten Stellenabbau nach Görlitz gedrungen war, haben nun Gespräche zwischen dem Gesamtbetriebsrat und der Alstom-Führung begonnen. An ihnen nimmt auch der Görlitzer Alstom-Betriebsratsvorsitzende René Straube teil, der gleichzeitig Gesamtbetriebsratschef von allen Alstom-Werken in Deutschland ist.

Doch nach zwei Tagen Berlin kann er seinen Kollegen in Görlitz, von denen rund die Hälfte innerhalb der nächsten drei Jahre ihren Job verlieren sollen, noch nicht viel Neues berichten. "Es gibt noch keine konkreten Aussagen zu einer mittel- und langfristigen Strategie ", so Straube auf SZ-Nachfrage. Zunächst sei es um einen Überblick über die Gesamtsituation gegangen, die großen Probleme, die zum Stellenabbau führen, wurden nochmal ausführlich besprochen.

Vor allem fehlende Aufträge und ineffizientes Arbeiten sind hier Auslöser für die Krise. Deshalb soll künftig auf weniger Fläche produziert werden, um Kosten zu sparen. Übrige Flächen, so die Idee, könnten stillgelegt oder vermietet werden. Das Flächenthema ist auch auf den Standort Görlitz übertragbar. Hier wurde auf gleicher Fläche in den letzten Jahren immer weniger produziert, immer mehr Personal abgebaut.

Was nun konkret passiert und wo genau in Görlitz die angekündigten 450 Stellen wegfallen sollen - darum geht es in weiteren Gesprächsrunden, die Ende Januar beginnen sollen.

Musikalische, weihnachtliche Solidaritätsaktion der Kirche bei Alstom.
Musikalische, weihnachtliche Solidaritätsaktion der Kirche bei Alstom. © Martin Schneider

Görlitzer Kinder sollen Waggons malen

Indes gibt es auch Solidaritätsbekundungen aus der Stadt. So gab es am Montag unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Reinhard Seeliger ein Weihnachtssingen für die vom Stellenabbau Betroffenen. Das Bistum Görlitz und die Generalsuperintendentin des Sprengels Görlitz, Theresa Rinecker hatten gemeinsam zu dieser Solidaritätsaktion eingeladen, um den Alstom-Mitarbeitern musikalisch die Botschaft zu überbringen: Wir sind bei Euch.

Vor Ort waren auch Generalvikar Dr. Alfred Hoffmann vom Bistum Görlitz und Pfarrer Matthias Scheufele vom Zentrum für Dialog und Wandel. Generalsuperintendentin Theresa Rinecker sagte: „Wir möchten damit den Mitarbeitenden zeigen: Wir stehen an eurer Seite! Wir bangen mit und drücken euch unsere Solidarität aus. Ein paar Tage vor Weihnachten wollen wir so ermutigen, trotz aller Anspannung und Sorge doch auch zuversichtlich auf das bevorstehende Fest der Freude und Christgeburt zu schauen.“

Kurz vor Weihnachten malen die Kinder und Enkelkinder der Beschäftigten von Alstom und Siemens Energy in Görlitz Bilder mit Zügen und Doppelstockzügen. Die Bilder werden im Januar dem Management von Alstom in Frankreich geschickt.
Kurz vor Weihnachten malen die Kinder und Enkelkinder der Beschäftigten von Alstom und Siemens Energy in Görlitz Bilder mit Zügen und Doppelstockzügen. Die Bilder werden im Januar dem Management von Alstom in Frankreich geschickt. © Alstom

Inzwischen gibt es zudem eine Mal-Aktion, um auf den geplanten Stellenabbau aufmerksam zu machen. Hier ruft der Alstom Betriebsrat in Absprache mit dem Siemens-Betriebsrat Kinder dazu auf, Bilder mit Zügen, am liebsten Doppelstockzügen, zu malen. Diese sollen dann in die Alstom-Chefetage nach Frankreich geschickt werden. "Damit die sehen, wie sehr wir uns wünschen, dass weiterhin Waggons in Görlitz gebaut werden und niemand seine Arbeit verliert", heißt es in dem Aufruf. Die Bilder können bis 6. Januar zur Waggonbau-Pforte, zu Siemens oder zur Görlitzinformation in der Brüderstraße gebracht werden. Auch in Görlitz soll mit den Bildern später etwas Öffentlichkeitswirksames passieren, was genau, stehe noch nicht fest.

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