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Aufregung ums Jagdschloss

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 13.02.2019
Das Anwesen in Grillenburg soll demnächst den Besitzer wechseln. Während die Verantwortlichen im Verborgenen agieren, wollen die Menschen im Ort endlich Klarheit.

Verlassen steht das Jagdschloss inmitten des Tharandter Waldes. Seit mehr als zehn Jahren schon ist es ruhig hinter den historischen Gemäuern. Genauso lange plagt die Grillenburger schon die Ungewissheit, wie es mit dem Denkmal vor ihren Haustüren weitergeht. In diesem Jahr soll es endlich Klarheit geben. Vielleicht schon bis April, so wird gemunkelt, soll bekannt werden, wer sich dem Jagdschloss samt Jägerhaus annimmt.

Nach langem Ringen um eine neue Nutzung des Schlossensembles starteten schließlich die Stadt Tharandt, der das Jägerhaus gehört, und der Freistaat Sachsen, Eigentümer des Jagdschlosses, eine gemeinsame Verkaufsoffensive. In einer aufwendigen Hochglanzbroschüre wurden die Baudenkmäler im Herzen von Grillenburg angepriesen. Mehrere Interessenten meldeten sich. Seitdem laufen die Verhandlungen. "Die Kaufinteressenten haben unterschiedliche Nutzungsvorstellungen", erklärt Dieter Ruf vom Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM). Da der Investitionsbedarf für die Sanierung des Jagdschlosses und insbesondere auch für das Jägerhaus sehr hoch seien, müssten jene Interessenten zunächst prüfen, inwiefern ihre Konzepte wirtschaftlich machbar seien, erklärt Ruf. Grundsätzlich müsse der Käufer das Areal auch öffentlich zugänglich halten. Außerdem seien noch etliche Abstimmungen mit Fachbehörden erforderlich. Dies alles nehme Zeit in Anspruch.

Zeit ist schon genügend verstrichen, meinen dagegen die Grillenburger. Ginge es nach den Bewohnern des kleines Ortes im Tharandter Wald, so sollte schnellstmöglich etwas passieren. "Die Bausubstanz wird nicht besser, je länger die Gebäude leer stehen", sagt Kathrin Noack. Sie leitet die Pension am Tharandter Wald. Vier Gästezimmer hat sie in dem ehemaligen Jagdhotel an der Hauptstraße, wo zuletzt eine Kerzenmanufaktur ansässig war, neu hergerichtet. Über mangelnde Übernachtungsgäste könne sie sich nicht beklagen. Im Gegenteil: Ein Ort wie Grillenburg, der mit solch touristisch wertvollen Gütern wie einem Schlossensemble ausgestattet ist, dem stünden noch viel mehr Domizile zum Nächtigen gut. Kathrin Noack ist zuversichtlich: "Egal, wie das Schloss künftig genutzt wird, es wird Grillenburg beleben", sagt die Mittfünfzigerin.

Ganz ähnlich geht es Michael Delang und seiner Frau Sylwia. Die gebürtige Polin betreibt den Imbiss am Gondelteich. Ihr Mann unterstützt sie dabei, wenn möglich. Während Besucher den Sommer über in eines der Boote steigen, um das Flair des Jagdschlosses aus unmittelbarer Nähe zu bestaunen, wird das Paar hinterm Imbiss mit jedem Blick aufs Schloss-Idyll nachdenklich. "Wenn hier wieder Leben reinkommt, könnte das auch mehr Touristen anziehen", glaubt Michael Delang. Selbst der Imbiss seiner Frau hätte dann etwas davon - auch wenn es nur während der Sanierungsphase der Fall sein sollte. "Arbeiter brauchen auch etwas in den Magen", sagt er.

Wieder eine Gaststätte mehr?

Die kulinarischen Anlaufpunkte sind in Grillenburg mittlerweile überschaubar. Als der "Waldhof zu Grillenburg" Anfang dieses Jahres dichtmachte, ging die letzte Gaststätte im Ort verloren. Lediglich am Imbiss von Sylwia Bednarczyk-Delang und am Kiosk am Badeteich auf der Rückseite des Jagdschlosses werden Besucher den Sommer über versorgt. Das ausgedünnte Gaststättendasein könnte aber vielleicht mit einer Belebung des Schlossareals neuen Schwung bekommen.

Unter welcher Nutzung Jagdschloss und Jägerhaus wieder zur Blüte verholfen wird, darum herrscht aber nach wie vor ein großes Geheimnis. Die Petition der Grillenburger zur gemeinsamen Zukunft von Jagdschloss und Jägerhaus, die allen voran durch Ortsvorsteher André Kaiser vertreten wird, wurde jüngst erst Mitte Januar im sächsischen Landtag behandelt. Das Ergebnis ist offen. Auf eine Anfrage hat die Petitionsbeauftragte bisher nicht reagiert.

Nach wie vor steht im Raum, dass die Landesstiftung für Natur und Umwelt - kurz Lanu - von Dresden auf die Grillenburger Schlosshalbinsel zieht. Bereits 2012 hatte der Landtag beschlossen, dass dies bis Januar 2017 umgesetzt wird. Die Frist ist verstrichen - und Grillenburg wartet. Noch ist der Umzug der Lanu nicht vom Tisch, wie Dieter Ruf vom Staatsbetrieb Zentrales Flächenmanagement Sachsen bestätigt. "Der Verkauf der sogenannten Schlosshalbinsel ist keine Entscheidung gegen einen Umzug der Landesstiftung", sagt er auf Nachfrage. Allerdings gebe es auch noch keine Festlegung zu einer räumlichen Unterbringung der Lanu.

Die Ungewissheit bleibt - vor allem unter den Grillenburgern. "Wir bekommen ständig von Gästen Löcher in den Bauch gefragt. Aber wir können dazu auch nichts sagen", meint Michael Delang. Die Geheimniskrämerei rund ums Schlossareal macht mürbe und sorgt bei vielen im Ort für Unverständnis. "Diese Heimlichtuerei ist nicht mehr nachvollziehbar", meint auch Christine Schröder. Mehr als 20 Jahre leitet sie schon den Jugendfreizeithof in Grillenburg. Auch sie sehnt einer Wiederbelebung der Schlossgemäuer entgegen. Schröder erinnert sich noch genau daran, wie die Kinder und Jugendlichen ihrer Einrichtung einst die einmalige Jagd- und Waldausstellung im Schloss besuchten. "Es war immer eine tolle Schlecht-Wetter-Variante für unsere Gäste", sagt sie - und auch die einzige für alle Besucher Grillenburgs. "Es ist schade darum", meint Christine Schröder. Auch wenn die damalige Ausstellung verloren scheint, sie wünscht sich, dass es auch in Zukunft wieder eine Zusammenarbeit zwischen dem Jagdschloss und dem Jugendfreizeithof gibt - wie auch immer.

 

Von Verena Schulenburg

Foto: Andreas Weihs

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