r8r51k51uwqubwbtwsc6wegiznw1rcns.jpg

"Aus der Not eine Tugend gemacht"

25.11.2020
Löbaus Brauerei-Chef über den Preis des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, die Reaktionen auf seine Corona-Geschichte und Lichtblicke in schweren Zeiten.

Von Anja Beutler 

Erst seit wenigen Tagen ist Brauerei-Chef Steffen Dittmar nach überstandener Corona-Erkrankung wieder im Unternehmen unterwegs, da gibt es gleich eine gute Nachricht: Die Löbauer Bergquell Brauerei erhält bei der Verleihung des 24. Unternehmer-Preises des Ostdeutschen Sparkassenverbandes den Sonderpreis "Gelebte Solidarität". Vergeben wird er gemeinsam mit der Zeitschrift "Super Illu" für Dittmars Engagement in der Corona-Krise.

Als Restaurants und Biergärten schließen mussten, saßen die Gastronomen buchstäblich auf ihren Bier-Fässern. Steffen Dittmar entschied kulant und nahm sie zurück. Aus dem Bier produzierte er mit der Kirschauer Spirituosen-Fabrik von Martin Wagner einen Bierbrand - eng verwandt mit Whisky, jedoch mit Hopfen. Mittlerweile reift in Kirschau auch der erste Oberlausitzer Whisky - gebrannt ebenfalls aus Zutaten der Bergquell Brauerei.

Herr Dittmar, erst Corona überstanden, jetzt einen Preis gewonnen - das haben Sie sich verdient, oder?

Steffen Dittmar: Na ja, wir haben ja nur aus der Not eine Tugend gemacht! Ehrungen haben in meinen Augen viele verdient und ich kenne viele, die preiswürdiger wären. Dass wir es jetzt sind, freut mich aber natürlich sehr. Der Bierbrand, den wir gemeinsam mit Martin Wagner aus Kirschau gebrannt haben, wurde bislang sehr gut angenommen. Die Gastronomen hatten ihn in der Zeit, als sie wieder öffnen durften, bereits ins Sortiment genommen.

Jetzt ist aber wieder alles zu - wie kommt das neue Produkt dann zum Kunden?

Dittmar: Wir lösen das momentan über den Online-Handel von Martin Wagner, haben den Bierbrand aber natürlich auch in unserem Online-Shop in den vier Sorten Goldener Reiter, Pilsner, Porter und Kirsch. Und natürlich würden wir uns freuen, wenn er auch bald wieder in Gaststätten ausgeschenkt werden dürfte - wie das Bier natürlich auch.

Ein Unternehmerpreis im Krisenjahr - klingt fast paradox. Wie nehmen Sie die Stimmung in der Branche wahr?

Dittmar: Natürlich ist die Stimmung gedrückt, vor allem auch, weil keiner weiß, wie es wird. Gelassenheit, Leichtigkeit, ein Gemeinsamkeitsgefühl, das fehlt uns eben allen und ich kann Leute verstehen, die Frust schieben. Ich persönlich bleibe da optimistisch und denke, es wird schon wieder ein Lichtchen irgendwoher kommen.

Sie verstehen Leute, die Frust schieben, haben sich aber selbst auch nach Ihrer Erkrankung klar gegen Corona-Leugner positioniert. Wie waren die Reaktionen?

Dittmar: Ich habe sehr viele gute Wünsche und von vielen auch Dank für meine offenen Worte bekommen. Auch Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich nach dem SZ-Artikel bei mir gemeldet.

Auf Facebook hieß es, Sie haben angeblich viele frühere Freunde blockiert, weil sie Corona anders sehen...

Dittmar: Das ist Quatsch. Es gab eine einzelne Person, die bei dem Thema beleidigend geworden ist und diese eine Person habe ich dann blockiert. Es ist meine private Facebook-Seite, meine Privatsphäre und da muss ich mir das nicht gefallen lassen. Es ist wirklich absoluter Blödsinn, zu behaupten, dass ich mich so geäußert habe, um Fördermittel zu bekommen oder Ähnliches. Jeder, der in der Wirtschaft unterwegs ist, weiß, dass das nicht so läuft. Ich habe von meiner Krankheit berichtet und meinen Standpunkt erklärt - mehr nicht. Natürlich kann man frustriert sein und Entscheidungen der Politik kritisieren. Aber wenn der Respekt nicht mehr da ist, ist für mich eine Grenze erreicht.

Worauf freuen Sie sich jetzt? Eine Preis-Feier kann es ja eher nicht sein...

Dittmar: Nein, die offizielle Veranstaltung ist abgesagt worden. Die Preisübergabe soll dennoch so bald wie möglich kommen. Leider ist mit dem Preis kein Geld verknüpft, das hätte ich gleich für eine gute Sache gespendet - aber vielleicht mache ich das trotzdem, dass ich etwas für eine gute Sache gebe. Persönlich freue ich mich über unsere neuen Projekte - eben auch mit Martin Wagner - und das Reifen unseres gemeinsamen Whiskys.

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Dulig setzt beim Thema Wasserstoff auf Kanada

Dulig setzt beim Thema Wasserstoff auf Kanada

Sachsens Wirtschaftsminister hat sich eine Woche lang in Kanada über Wasserstoffwirtschaft informiert - und hofft nun auf transatlantische Kooperationen.

Energiekrise: Birkenstock rüstet Werke um

Energiekrise: Birkenstock rüstet Werke um

In Bernstadt und Görlitz soll nötige Energie bald günstiger fließen. Dennoch steigen generell die Kosten. Wie wirkt sich das auf die Preise für Birkenstockschuhe aus?

Großforschungszentren werden ab 2026 gebaut

Großforschungszentren werden ab 2026 gebaut

Die beiden Großforschungszentren in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier wollen zügig Geschäftsstellen einrichten.

Ein Bauwerk für den Alltag

Ein Bauwerk für den Alltag

Die Flutschutzanlagen in Grimma haben den sächsischen Baupreis erhalten. Welche Herausforderungen es gab und was Grimma jetzt mit Rom gemeinsam hat.