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Bald Lithium und Fluorid aus dem Osterzgebirge

06.10.2021
Wirtschaftsminister Dulig informiert sich über große Investitionspläne für das Bergwerk in Zinnwald und bei der Fluorchemie in Dohna.

Von Franz Herz 

In Zinnwald wird Lithium im Bergwerk abgebaut, in Altenberg wird das Erz aufbereitet und in Dohna wird es zu Lithiumfluorid verarbeitet. Damit funktionieren Batterien für Elektroautos. So kann die Produktionskette einmal laufen, wenn alle Projekte aufgehen, die sich Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bei seiner „Rohstoff-Tour“ am Montag angesehen hat.

Lithium-Abbau startet später als bisher angenommen

Allerdings wird der eventuelle Start des Lithium-Abbaus in Zinnwald frühestens 2025 möglich sein, informierte Prof. Armin Müller, Geschäftsführer der Deutsche Lithium GmbH. Das Unternehmen verfolgt seit einem Jahrzehnt den Plan, den Lithium-Vorrat in Zinnwald abzubauen. Derzeit prüft noch das Oberbergamt in Freiberg den Rahmenbetriebsplan für das Bergwerk. „Wir hoffen, dass wir dies bis Ende des Jahres abschließen können“, sagt Müller.

Danach ist allerdings noch ein zweites Prüfungsverfahren erforderlich. Dabei werden die Auswirkungen auf Menschen und Umwelt nach der Immissionsschutzverordnung geprüft. Das dauert eineinhalb Jahre. Dann könnte der Aufbau des Bergwerks beginnen, der zwei Jahre benötigt. Die Produktion würde dann 2025 beginnen, rechnete Müller vor. Das wäre später als bisher angenommen.

Es könnte aber mit einer steigenden Nachfrage nach Lithium zusammenpassen. „Wir erwarten in den nächsten Jahren eine drastische Verknappung von Lithium weltweit“, sagt Müller.

Der neue Geschäftsführer des Welterbevereins, Steve Ittershagen (li) war hier am Aschergraben dabei und diskutierte, wie sich der neue Bergbau mit dem Welterbeprojekt vereinbaren lässt..
 
Armin Müller von der Deutschen Lithium (v.r.) erklärt Wirtschaftsminister Martin Dulig und Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten den vorgesehenen Standort für die Erzaufbereitung.
Armin Müller von der Deutschen Lithium (v.r.) erklärt Wirtschaftsminister Martin Dulig und Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten den vorgesehenen Standort für die Erzaufbereitung. © Egbert Kamprath

Weitere Lithium-Lagerstätten in Sachsen und Böhmen

Die bisherigen Erkundungen ergaben, dass in Zinnwald rund 125.000 Tonnen Lithium im Berg liegen. Ungefähr die doppelte Menge wird noch auf tschechischer Seite im Berg vermutet. Das ist eines der größten Vorkommen in Europa. Allein mit dem deutschen Vorrat könnte ein Bergwerk in Zinnwald rund 30 Jahre lang wirtschaftlich betrieben werden.

Die Deutsche Lithium hat sich aber auch Rechte für weitere Lithium-Lagerstätten in der Nähe von Altenberg gesichert. Diese liegen in Falkenhain, ebenfalls ein Ortsteil von Altenberg, und in Sadisdorf, einem Ortsteil von Dippoldiswalde.

Benachbarte Projekte in Deutschland und Tschechien

Die Lagerstätte Zinnwald verteilt sich auf beide Seiten der Grenze. In Deutschland und Tschechien arbeiten unterschiedliche Firmen und Behörden nebeneinander her. Eine Zusammenarbeit ist nicht einfach zu organisieren. „Dafür wäre wahrscheinlich ein Staatsvertrag erforderlich“, sagt Müller. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass dann, wenn das erste Bergwerk aufgefahren ist, von dort aus der gesamte Lithiumvorrat abgebaut wird. Die wirtschaftlichen Vorteile wären so groß, dass sie die politischen Schwierigkeiten aufwiegen.

Denn allein der Bau des Stollens, um an die unterirdischen Lithiumvorräte zu gelangen, kostet schätzungsweise 30 Millionen Euro. Der Stollen, in dem die Lkw auf einer Rampe mit etwa zehn Prozent Gefälle nach unten fahren, bekommt einen Querschnitt von fünf mal fünf Meter. Unterhalb des Europarks in Altenberg würde er zutage treten. Vom Bergwerk selbst wird sonst nicht viel mehr zu sehen sein.

Anders wird es mit der Aufbereitung. Die soll nach dem aktuellen Planungsstand auf dem Gelände des Europarks unterhalb des Arno-Lippmann-Schachts in Altenberg errichtet werden. Vom Mundloch wird eine Werkstraße an diese Stelle führen. In den Anlagen wird das Erz zerkleinert. Dabei trennen Magneten die reinen Quarzsandkörner von den lithiumhaltigen Körnchen. Das Lithiummaterial geht an einen Chemiestandort, der noch nicht feststeht.

Hier machte sich Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (FW) dafür stark, dass die Deutsche Lithium eine Lösung wählt, die das Erz über einen vorhandenen Stollen in den bestehenden Steinbruch im Bielatal befördert. Dort soll die Aufbereitung angesiedelt und schließlich das Lithium weiter mit der Eisenbahn zur chemischen Weiterverarbeitung transportiert werden.

Mehrere Bergbaustandorte in Sachsen

Bei einem Besuch unter Tage ließ der Wirtschaftsminister sich von Christoph Schröder, dem Leiter des Besucherbergwerks, die Geschichte des Zinnwalder Bergbaus erklären. Thomas Dittrich, der Geologe der Deutschen Lithium, erläuterte die geologischen Prozesse, die dazu geführt haben, dass unter der Erde in Zinnwald ein solcher Schatz verborgen liegt.

Aber solche wertvollen Bodenschätze gibt es auch an anderen Orten in Sachsen, beispielsweise in Niederschlag bei Oberwiesenthal. Hier bauen die Bergleute Flussspat ab, auch Fluorit genannt. Die Nickelhütte in Aue bereitet das auf für die Weiterverarbeitung bei der Fluorchemie in Dohna, die der Minister auch besuchte.

Geschäftsführer Harald Werner rechnete hier vor, dass das Fluorit einen größeren Anteil bei der Batterieproduktion ausmacht als Lithium, und er zeigte sich sehr selbstbewusst, dass sein Unternehmen dafür gut aufgestellt ist mit eigenen Rohstoffquellen. Denn zur Fluorchemie-Gruppe gehören auch das Bergwerk in Niederschlag und die Phönix Fluß- & Schwerspat – Bergwerk GmbH in Gehren im Thüringer Wald. Andere Hersteller müssen ihren Rohstoff auf dem Weltmarkt kaufen.

Fluorchemie plant große Investitionen in Dohna

Auch die Fluorchemie-Chefs erwarten, dass bei Fluor eine Knappheit eintreten wird, wenn die Elektromobilität voll in Schwung kommt. Deswegen haben auch sie umfangreiche Investitionen geplant. Sie stehen kurz davor, in Dohna ein angrenzendes Grundstück zu erwerben. Dorthin soll der Konzernsitz ziehen, der jetzt noch in Kronberg im Taunus ist. Weiter sind dort ein Forschungszentrum, Büros, Labor und Lager geplant.

Auf dem jetzigen Firmengelände soll eine neue Schwefelsäurefabrik errichtet werden. Insgesamt plant die Fluorchemie in den nächsten Jahren Investitionen für 250 Millionen Euro, davon rund 150 Millionen in Sachsen, kündigt Thomas Leypold an, Geschäftsführer der Fluorchemie-Gruppe. Dabei hofft er auch auf Unterstützung vom Freistaat, wie er dem Wirtschaftsminister zum Abschied sagte.

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