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Bananentransporte bald auf der Schiene

Landkreis Görlitz 07.02.2019
Ostsachsens größtes Containerterminal kann gebaut werden. Damit wird Kodersdorf zum Logistikdrehkreuz.

Angekündigt wurde die Investition schon seit zwei Jahren. Nun hat die Landesdirektion Sachsen nach umfangreicher Prüfung grünes Licht gegeben: Der größte Containerumschlagplatz Ostsachsens kann gebaut werden. 

Darum entsteht das Terminal gerade in Kodersdorf

Investor Sven Noatzke schätzt den Standort in unmittelbarer Nähe von A 4 und B 115, einschließlich der vorhandenen Bahnanbindung, als hervorragend gelegen ein. Der Geschäftsführer der in Forst ansässigen Firma Lion Spezialtransporte GmbH hatte sich schon vor einigen Jahren für das Gelände interessiert und es bei der Gemeinde reservieren lassen. Sein Standpunkt: Kodersdorf liegt inmitten einer Wirtschaftszone, die bis Dresden, aber auch bis Liberec (Reichenberg) und Wroc-law (Breslau) reicht.

Deshalb dauerten die Vorarbeiten länger als gedacht

Sven Noatzke hält sich da eher bedeckt und führt allgemein die langwierige Bearbeitung der Baugenehmigung ins Feld. Ingolf Ulrich, stellvertretender Sprecher der Landesdirektion Sachsen, wird konkreter: Lion habe zwar schon am 30. November 2017 den Antrag auf Planfeststellung eingereicht, aber im Laufe des Verfahrens mehrmals Ergänzungen vornehmen müssen. Ein weiterer Verzögerungsgrund ist wohl die Finanzierung, in die ursprünglich Fördermittel des Landes einfließen sollten. Nach Angaben des Lion-Chefs werden aber nun Gelder des Bundes in Anspruch genommen. Insgesamt beläuft sich die Investition auf rund zwölf Millionen Euro.

Das soll der künftige Containerumschlagplatz leisten

Auf einer Fläche von 6,1 Hektar entstehen je zwei Abstell- und Ladegleise, darüber hinaus ein sogenanntes Lokumfahrgleis. An das Bahnnetz angeschlossen ist der Lion-Standort über das Betriebsgleis der Firma Holzindustrie Schweighofer, zu dem ein rund 500 Meter langes Zuführgleis inklusive einer Anschlussweiche gebaut wird. Auf das Straßennetz fahren die Containerlaster über die Industriestraße und die Lindenstraße, erreichen so B 115 und A 4. Sven Noatzke rechnet bei voller Auslastung des Terminals mit bis zu 40 Zügen im Monat, die mit jeweils 44 Containern beladen sind. Das macht im Jahr 21 120 Container, die - vor allem aus den deutschen Seehäfen kommend - auf der Schiene nach Kodersdorf transportiert und hier auf Lkw umgeladen werden.

So geht es mit dem Bauvorhaben jetzt weiter

Nachdem die Landesdirektion Sachsen der Lion Spezialtransporte GmbH das Baurecht erteilt hat, muss noch das Eisenbahnbundesamt grünes Licht für das Projekt geben. "Das", hofft der Investor, "sollte aber kein Problem mehr sein." Nach der Vormerkung bei der Kommune gilt es auch dort noch Nägel mit Köpfen zu machen. Bürgermeister René Schöne bestätigt: "Wir werden uns jetzt zügig mit dem Unternehmen zusammensetzen und letzte Vertragsdetails besprechen. Dann muss der Gemeinderat darüber beschließen." Der kommt jedoch erst im März das nächste Mal zusammen. Anschließend erfolgt die offizielle Beglaubigung durch den Notar. Parallel dazu will Lion schon das Ausschreibungsverfahren vorbereiten, das wegen der Investitionsgröße europaweit erfolgen muss. "Wir wissen, dass es dafür Interessenten gibt. Deshalb werden wir auch die passenden Baufirmen finden", ist Sven Noatzke überzeugt. Denn leicht wird die Umsetzung des Projektes nicht: Damit beim Be- und Entladen der Züge keine Unwuchten und Ungleichgewichte entstehen, darf die Neigung des Geländes nur maximal 1,5 Promille betragen. Deshalb muss man teilweise bis zu sechs Meter in die Tiefe gehen, um an der Oberfläche die gewünschte feste Ebene zu bekommen.

So wird das Terminalzum Logistikdrehkreuz werden

Wenn alles nach Plan läuft, könnte im Herbst der Betrieb beginnen. Dann würden in einem ersten Schritt vor allem die Bananen-Container des polnischen Fruchtimporteurs Citronex per Schiene von der Nordsee bis Kodersdorf transportiert und von hier aus per Lkw in die Reifehallen bei Zgorzelec gefahren werden. Aber auch Schweighofer will die neuen Möglichkeiten nutzen. Zudem rechnet Lion-Chef Noatzke mit weiteren Kunden, zum Beispiel aus der Autozuliefer- und der Lebensmittelindustrie. "Erste Kontakte gab es bereits. Nun können wir mit unserem Transportangebot endlich konkret werden."

 

Von Frank-Uwe Michel

Foto:  Lion

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