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Bauforschungszentrum will nach Görlitz und Bautzen

04.05.2022
Im Rahmen des Strukturwandels soll in der Lausitz ein Großforschungszentrum entstehen. Jetzt gibt es nähere Aussagen zu möglichen Standorten.

Von David Berndt

Bautzen/Görlitz. Das Lausitz Art of Building (LAB) will sich an den Standorten Görlitz und Bautzen ansiedeln. Das bestätigte Sprecherin Sandra Kranich am Montagmittag gegenüber Sächsische.de und führte die möglichen Pläne dieses künftigen Großforschungszentrums für neues Bauen aus, dass 10.000 Jobs in die Region bringen möchte.

"Die Hauptstelle vom LAB ist im Raum Görlitz geplant, die sich durch die modulare Architektur optimal in die Umgebung einfügt, hervorragende Anbindung besitzt und attraktive Rahmenbedingungen zum Leben und Arbeiten bietet. Die Demonstration der Ergebnisse erfolgt in einem Science Center Bauuniversum in Bautzen", erklärt Sandra Kranich.

Am Montag war Abgabeschluss für die Projekte

"Für eine optimale Campusentwicklung des LAB waren Kriterien wie Attraktivität, Eignung sowie eine schnelle Realisierbarkeit ausschlaggebend", so die Sprecherin. Die Entscheidung über den konkreten Standort treffe aber letztlich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Bis zu diesem Montagmittag mussten alle sechs Projektteams die Konzepte für ihr jeweiliges Großforschungszentrum dort einreichen. Im Rahmen des Strukturwandels soll je eines im mitteldeutschen Revier und in der sächsischen Lausitz entstehen.

Demnach zieht es auch das Deutsche Zentrum für Astrophysik in die Lausitz, wie Mit-Initiator Professor Christian Stegmann erneut bestätigt. "Wir planen ein Untergrundforschungslabor im Granit der Lausitz, ein Zentrum für Digitalisierung, das die Datenströme astronomischer Observatorien rund um den Globus zusammenführt, ein Zentrum für neueste Technologien, das eng mit der Industrie und bestehenden Technologiezentren in Sachsen und weltweit kooperiert, und ein Zentrum für Innovation und Transfer, das dafür sorgt, dass unser Wissen wirkt."

Das ist ein Entwurf für einen möglichen Campus des Deutschen Zentrums für Astrophysik in Görlitz.

Das ist ein Entwurf für einen möglichen Campus des Deutschen Zentrums für Astrophysik in Görlitz.© DESY; Staab Architekten

Das Untergrundlabor soll zwischen Hoyerswerda, Kamenz und Bautzen entstehen. Probebohrungen wurden bereits in der Nähe von Ralbitz-Rosenthal durchgeführt. Die Stadt Görlitz mit dem Kahlbaum-Areal ist Wunschstandort für den Forschungscampus.

Das Zentrum für Astrophysik hat bei Ralbitz-Rosenthal bereits probegebohrt.

Das Zentrum für Astrophysik hat bei Ralbitz-Rosenthal bereits probegebohrt.© DESY, Paul Glaser

Das ERIS-Projekt (European Research Institute on Space Resources) will auch in die sächsische Lausitz, um hier "Technologien zum Bau und Betrieb von permanenten Forschungsstationen auf anderen Himmelskörpern unter weitgehender Nutzung dort vorhandener mineralischer Rohstoffe und Energie" zu entwickeln, sagt Carsten Drebenstedt zur Bewerbung der Technischen Universität Freiberg.

Der ERIS-Standort soll einen Gewerbe- und Wohnpark beinhalten. Zur genauen Lage äußert sich der Initiator aber noch nicht.

Der mögliche ERIS-Standort soll in der sächsischen Lausitz entstehen.

Der mögliche ERIS-Standort soll in der sächsischen Lausitz entstehen.© ERIS

Das Center for Medicine Innovation (CMI) für neue Technologien zur Digitalisierung und Individualisierung der Medizin konzentriert sich dagegen auf das mitteldeutsche Revier und den Raum zwischen und rund um Halle, Köthen und Leipzig. Auch das mögliche Zentrum für Chemieresilienz bevorzugt die Grenzregion zwischen Sachsen und Sachsen-Anhalt, um dort eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft chemischer Erzeugnisse zu etablieren.

Um den Klimawandel geht es beim Centre for Climate Action and Innovation – Research and Engineering. An diesem sollen Möglichkeiten für den Klimaschutz in der Landwirtschaft oder Forstwirtschaft sowie mit Blick auf Energieversorgung, Gesundheit und Mobilität entwickelt werden.

Laut Initiator Professor Georg Teutsch vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sollen die Forschungsinstitute Leipzig und Halle sein. Dazu seien sechs bis zehn Reallaborstandorte geplant, die von der Lausitz bis in den Harz verteilt wären.

Die sechs Konzepte sind Teil der noch laufenden ersten BMBF-Förderphase unter dem Titel "Neue Perspektiven für die sächsische Lausitz und das mitteldeutsche Revier". Im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres werden die sechs Konzepte "mit Blick auf ihre wissenschaftliche Exzellenz sowie den zu erwartenden Beitrag zum Strukturwandel in den Regionen begutachtet und auf ihre Förderwürdigkeit hin bewertet", teilt das BMBF mit. Danach fällt die Entscheidung, für welche beiden Konzepte es weitergeht.

Der Beitrag wurde am 3. Mai, um 13 Uhr, ergänzt und um die Angabe zu den möglichen Standorten des Centre for Climate Action and Innovation erweitert.

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