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Bautz’ner hat kaum noch Senf im Lager

11.08.2022
Leere Regale im Lager, aber auch immer wieder in Supermärkten. Dabei produziert das Senf-Werk in Kleinwelka mehr als im Vorjahr - und gibt in einer Frage Entwarnung.

Von David Berndt

Bautzen. Seit elf Jahren arbeitet Michael Bischof bei Bautz’ner Senf und Feinkost - „aber das habe ich noch nicht erlebt“. Der Werkleiter sieht sich im Lager um. Hier türmen sich Metallregale meterhoch bis unters Dach. Doch viele sind leer. „Wir produzieren im Moment fast direkt in die Lkws.“

Das liegt aber nicht daran, dass hier in Kleinwelka bei Bautzen zu wenig Senf produziert wird, um die Lager zu füllen, sagt Carina Wanner, Marketingleiterin bei der Develey Senf und Feinkost GmbH, die Anfang der 1990er-Jahre das Unternehmen Bautz’ner übernommen hatte. „Jeder Handelspartner hat in diesem Jahr bislang dieselbe Menge Senf bekommen wie 2021.“ Man teile das gerecht auf.

Doch der Absatz habe sich im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent erhöht. Der Marktanteil von Bautz’ner sei in den vergangenen drei Monaten um 2,5 Prozent gestiegen. „Dort, wo es anderen Senf nicht gab, haben die Kunden Bautz’ner gekauft.“

Senf verlässt Lager derzeit viel schneller als üblich

In den Supermärkten komme genau so viel Senf an wie sonst, versichert das Unternehmen. Nur bleibe er dort nicht so lange stehen. Das gelte auch für andere Produkte von Bautz’ner, etwa Ketchup oder Fertiggerichte. „Die Angst, keinen Senf mehr zu bekommen, ist unbegründet. Senf wird weiterhin vorrätig sein“, sagt Carina Wanner. Die Kunden bräuchten also nicht drei oder vier Becher auf einmal zu kaufen.

Michael Bischof macht für das veränderte Kaufverhalten der Menschen auch die Berichterstattung in den Medien verantwortlich. Eigentlich stünden immer zwischen 450.000 und 500.000 von den 200-Milliliter-Bechern im Lager, doch seit einigen Wochen sei die Nachfrage der Handelsketten dafür zu groß. Die durchschnittliche Mindesthaltbarkeit von 210 Tagen begünstige zudem, mehr zu kaufen und zu Hause zu lagern.

Das hat Auswirkungen auf die Produktion. Sie hat sich laut Bischof leicht erhöht. Vier Tonnen Senf produziert Bautz’ner in der Stunde, erklärt der Werkleiter. Mit etwa 50 Grad komme er aus den Mühlen und werde dann auf 23 Grad heruntergekühlt. Dann lagert der Senf drei bis fünf Tage, bevor er in Becher, Flaschen, Gläser und Eimer unterschiedlicher Größen abgefüllt wird. „Normalerweise würde er dann noch zwei Wochen bei uns oder den Handelsketten lagern“, sagt der Werkleiter. Doch derzeit gehe er direkt raus in die Supermärkte und lande dort unverzüglich in den Regalen.

Gelbsenf kommt nur noch aus Deutschland

Dass sich Bautz’ner im Gegensatz zu manchen Kunden keine Sorgen um Nachschub macht, hat mit neuen Quellen für die Senfsaat zu tun. Der mittelscharfe Senf mache 85 bis 90 Prozent der Senfproduktion aus. Für seine Herstellung wird neben Essig, Wasser und Gewürzen Gelbsenf und orientalischer Senf im Verhältnis zwei zu eins benötigt. Insgesamt etwa 3.000 Tonnen pro Jahr. „Der Gelbsenf kommt mittlerweile ausschließlich aus Deutschland.“

Seit Längerem bestehe eine Erzeugergemeinschaft, mit der Bautz’ner vertrauensvoll zusammenarbeitet, sagt Michael Bischof. Als publik wurde, dass Senf möglicherweise knapp werden könnte, hätten weitere Landwirte von sich aus angeboten, Gelbsenf anzubauen. Die Hälfte der Saat komme mittlerweile aus dem Landkreis Bautzen sowie von Landwirten zwischen Zittau und dem Spreewald. Die andere Hälfte beziehe Bautz’ner aus Mecklenburg-Vorpommern.

Somit sei Bautz’ner von Lieferschwierigkeiten angesichts des Krieges in der Ukraine nicht mehr betroffen. Früher kam ein Teil der Senfsaat aus der Ukraine.

Bautz'ner erhöht die Preise und bietet neue Produkte

Probleme bereiten Bautz’ner derzeit vielmehr gestiegene Rohstoffpreise sowie Lieferschwankungen, etwa bei Kunststoffprodukten. „Hier sind die Preise drastisch gestiegen und die Lieferungen unregelmäßig. Manchmal bekommen wir die Becher, aber keine Deckel“, beschreibt der Werkleiter die Situation. Dazu kommen höhere Stromkosten, was sich vor allem durch die Senfmühlen bemerkbar mache.

Wie im Frühjahr angekündigt, hat Bautz’ner zum 1. Juni die Preise für die Senfprodukte „moderat erhöht“, wie Marketingleiterin Carina Wanner es formuliert. Die unverbindliche Preisempfehlung für einen 200-Milliliter-Becher liege nun bei 55 Cent. Zum 1. September werde es kleine Erhöhungen bei allen anderen Produkten geben.

Ab diesem Zeitpunkt sollen die Kunden auch etwas Neues in den Regalen finden, verrät Carina Wanner. „Wir beginnen nächste Woche mit der Produktion von Senf in 200-Milliliter-Tuben.“ Das sei eine beliebte Größe etwa in Österreich oder Nordrhein-Westfalen, wo Bautz’ner mehr Marktanteile erringen will.

Bei den Bautz’ner Senf-Gläsern gebe es derzeit neue Minion-Motive. Und 2023 folgen die nächsten mit einer sehr bekannten Nintendo-Figur, blickt die Marketingleiterin voraus. Einen weiteren Senfaufstrich mit fruchtiger Note soll es im kommenden Jahr ebenfalls geben. Und anlässlich des 70-jährigen Bestehens von Bautz’ner ist noch etwas Besonderes in Planung: „Wir wollen eine alte Rezeptur neu auflegen, nach der es besonders viele Nachfragen gibt.“

Die grüne Farbe im Wasabi-Senf von Bautz'ner kommt vom Anteil der gleichnamigen Meerrettich-Art.

Die grüne Farbe im Wasabi-Senf von Bautz'ner kommt vom Anteil der gleichnamigen Meerrettich-Art. © Steffen Unger

Nachfragen vor allem junger Kunden hätten den Ausschlag für ein spezielles Produkt anlässlich der Bautzener Senfwochen 2022 gegeben: So wurden 1.000 Becher des Wasabi-Senfs produziert, der ausschließlich online sowie im Bautzener Senfladen erhältlich ist.

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