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Bautz’ner Senf: Der scharfe Klimaschützer

27.04.2021
Das Unternehmen Develey hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt – und erreicht. Was konkret in Kleinwelka für die Umwelt getan wird.

Von Theresa Hellwig

Bautzen. Ende August 2018 begann Greta Thunberg in Schweden mit ihren Schulstreiks für das Klima. Nicht, dass sie damit nicht ein wichtiges Zeichen gesetzt hätte – aber es gibt da ein Unternehmen in Bautzen, das hatte sich das Thema schon ein bisschen eher auf die Agenda gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt jedenfalls war das Unternehmen Develey, zu dem auch Bautz’ner gehört, schon in vollem Gange – auf dem Weg, klimaneutral zu werden.

Um fast die Hälfte hatte das Unternehmen da schon seine CO2-Emissionen reduziert. Genau genommen brauchte Develey dafür bis 2019, im Vergleich zu 2011.

Und die Idee dafür schwelte schon länger. „Seit 2008“, berichtet Alice Franke, „verfolgen wir das Ziel, klimaneutral zu produzieren.“ Sie ist Nachhaltigkeitsmanagerin bei Develey – und führt in Unterhaching all die Ideen und Projekte zusammen, die an den Standorten überall in Deutschland durchgeführt werden, um das Ziel zu erreichen. Alle fünf Standorte von Develey in Deutschland gelten seit 2020 als klimaneutral, darunter auch die Produktionsstätte von Bautz’ner in Kleinwelka.

Photovoltaikanlage auf dem Werksdach

Aber was bedeutet das vor Ort? Wie wird denn klimaneutraler Senf hergestellt? Antworten auf diese Fragen hat Michael Bischof, der nicht nur das Werk in Bautzen leitet – sondern auch einer der Nachhaltigkeitsreferenten des Unternehmens ist. „Wir konnten vor allem durch zwei große bauliche Maßnahmen viel CO2 einsparen“, sagt Michael Bischof. „Aber auch viele kleine Dinge tragen zusammengenommen zum Fortschritt bei.“

Ein erster Hinweis auf das, was der Bautzener Werksleiter meint, ist schon von draußen vor dem Werk zu sehen: Es geht um die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Produktionsstätte in Kleinwelka. Etwa 90 Tonnen Kohlenstoffdioxid spart das Unternehmen pro Jahr in Bautzen durch die Anlage ein. Das entspricht einer Autofahrt von 450.000 Kilometern mit einem Mittelklasse-Benziner. Oder auch dem jährlichen Pro-Kopf-CO2-Ausstoß von etwas mehr als zehn Deutschen.

Durch die Photovoltaik-Anlage auf dem Werksdach in Kleinwelka spart Bautz'ner jährlich 90 Tonnen Kohlenstoffdioxid ein.
Durch die Photovoltaik-Anlage auf dem Werksdach in Kleinwelka spart Bautz'ner jährlich 90 Tonnen Kohlenstoffdioxid ein. © Develey

Produziert die Photovoltaik-Anlage in Bautzen oder auch in anderen Werken mehr Strom, als dieser Standort gerade braucht, wird dieser in ein Develey-eigenes virtuelles Kraftwerk eingespeist – und an anderen Standorten genutzt.

Und noch eine andere Baumaßnahme hatte großen Effekt. „Wir haben eine Anlage installiert zur Wärme-Rückgewinnung aus der Drucklufterzeugung“, berichtet Michael Bischof. Das bedeutet: Das Unternehmen nutzt Druckluft, um zum Beispiel die Abfüllmaschinen zu betätigen. Wenn Druckluft von Kompressoren erzeugt wird, entsteht Wärme. Früher ist die einfach in die Umwelt abgegeben worden. Jetzt fängt das Unternehmen diese auf – und nutzt sie zur Warmwassererzeugung. Im Sommer reicht das, um den kompletten Warmwasserbedarf in dem Werk in Bautzen zu erfüllen.

Verpackungen werden mehrfach verwendet

Aber nicht nur das. Auch viele kleinere Dinge unternimmt die Firma, um Kohlendioxid zu sparen. „Wir betreiben zum Beispiel ein lückenloses Energie-Monitoring; mit dem Ziel, Energievergeudung zu lokalisieren und zu vermeiden“, sagt Michael Bischof. „Wir verwenden Transportverpackungen, wie Kartons, mehrfach“, berichtet er. Also: Kartons werden gefaltet und gehen zum Hersteller zurück; für die nächste Lieferung. Verpackungen, die nicht mehr verwendet werden, werden noch feiner getrennt, als früher. „Zum Beispiel trennen wir transparente und farbige Folien voneinander“, berichtet Michael Bischof. So können sie einfacher weiterverwertet werden.

Auch auf den Wasserverbrauch achtet das Unternehmen. Bis 2025 will Develey seinen Verbrauch um 35 Prozent senken. „Früher haben die Mitarbeiter, wenn sie die Maschinen gereinigt haben, vielleicht auch einfach mal den Schlauch abgeknickt oder bei laufendem Wasser beiseite gelegt“, sagt Michael Bischof. „Jetzt haben wir fast überall Wasserzapfpistolen, um Wasserverschwendung zu vermeiden.“

Senfsaat kommt aus Bautzen und Umgebung

Die Liste ließe sich noch eine Weile fortführen – von Europaletten, die repariert werden, über PET-Flaschen aus recyceltem Plastik bis hin zu Lampen im Pausenraum, die über Zeitschaltuhr laufen, weil die Mitarbeitenden sonst vergaßen, das Licht auszumachen. Eine Idee der Mitarbeitenden, übrigens. Eine Sache ist Michael Bischof aber noch wichtig zu erwähnen. Es geht um das, was das Herz von Bautz’ner ausmacht: um die Senfsaat. „Etwa 15 Prozent der Senfsaat stammt aus den Kreisen Bautzen und Görlitz“, berichtet er, „weitere 40 Prozent kommen aus Mecklenburg-Vorpommern.“

Der Rest kam früher aus Kanada und wird heute aus osteuropäischen Anbaugebieten bezogen. „So konnten wir den CO2-Fußabdruck verringern und Transportwege verkürzen.“ Eines ist die Saat dabei aber nicht: bio. „Wir haben den Fokus anders gelegt“, sagt der Bautzener Werksleiter.

Millionen investiert - und schon neue Pläne

Millionen hat Develey investiert, um klimaneutral zu produzieren. Das, was das Unternehmen bisher nicht durch Änderungen im Betriebsablauf oder durch effizientere Energiegewinnung erreichen konnte, gleicht es durch Baumpflanzungen aus. In den nächsten Jahren wachsen 500.000 neue Bäume durch Initiative des Unternehmens. Aber auch weitere Ziele für das Werk in Bautzen gibt es schon: Die Firma will weg von ihrer Ölheizung.

Warum das Ganze? Danach gefragt, erzählt Alice Franke eine Geschichte des Develey-Firmenchefs Michael Durach. „Wir verfolgen die Philosophie eines Generationendenkens“, sagt sie. „Die Kinder von Michael Durach haben sich als Schüler mit dem Thema auseinandergesetzt und sich gegen den Klimawandel engagiert“, sagt sie.

Aber zur Wahrheit gehört auch noch mehr. Develey habe erkannt, dass es Unternehmen wettbewerbsfähig mache, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Dass das Unternehmen damit vorne dabei ist, zeigt auch eine Auszeichnung, die es vergangenes Jahr bekommen hat. In der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste mittelgroße Unternehmen“ siegte Develey 2020 mit seinen Projekten beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

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