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Bautzener Baulöwe will Politik vom Unternehmen trennen

22.03.2019
Der Chef der Hentschke-Bau Jörg Drews will Firmenstrukturen für politische Veranstaltungen nicht mehr nutzen.

Von Ulrich Wolf 

Der Chef der größten ostsächsischen Baufirma Hentschke-Bau, Jörg Drews, wehrt sich gegen den Vorwurf, seine rund 650 Beschäftigten politisch zu beeinflussen. Nach einer Diskussion in der Geschäftsleitung wolle man „künftig verstärkt darauf achten, dass politische Themen nicht in unpassender Weise mit dem Alltag unseres Unternehmens verknüpft werden“, schreibt Drews in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Mitarbeiterzeitung „Hentschke-Information“. Der Artikel mit dem Titel „Wie viel Politik verträgt unser Arbeitsalltag?“ liegt der Sächsischen Zeitung vor.

Drews war erstmals im Januar 2016 auf einer asylkritischen Demonstration in Bautzen ans Mikrofon getreten und hatte unter anderem gesagt, es könne nicht der richtige Weg sein, „unser Volk einfach zu überschwemmen“. Kanzlerin Merkel „verstoße mit ihrem Anwerben von Menschen aus aller Welt gegen das Gesetz“. Fortan mischte sich der Unternehmer zunehmend in die Asyldebatte ein, gab Geld für lokale „Alternativmedien“, rief eine Vortragsreihe mit Systemkritikern ins Leben und unterstützte Aktionen und Vereine, die sich die Freundschaft mit Russland auf die Fahne geschrieben haben. Dazu nutzten er oder Mitarbeiter von ihm in den vergangenen Jahren mehrfach firmeninterne Mailadressen und offizielle Briefköpfe des Unternehmens. 

In dem Beitrag für die Mitarbeiterzeitung heißt es nun, „tatsächlich vorhandene Verknüpfungen meines politischen Engagements zu den Ressourcen der Hentschke Bau GmbH werde ich kurzfristig lösen, um die politische Neutralität unseres Geschäftsalltags für jeden sichtbar zu machen“. Mehreren Mitarbeitern sei im Privatleben vorgehalten worden, für „eine politisch indoktrinierte Firma“ tätig zu sein. „Diesem Eindruck möchte ich hiermit entschieden entgegentreten“, betont der 59-Jährige, dem 80 Prozent des Bauunternehmens gehören.

CDU profitiert von Spenden

Zuletzt hatten die Enkel des 1983 verstorbenen Bautzener Baumeisters Ernst-Hans Hentschke den amtierenden Chef in einem offenen Brief kritisiert. Sie empfänden es als „problematisch“, dass Drews „die Firma und damit den Namen Hentschke, also den Namen unseres Großvaters, als Basis und Instrument für die Verbreitung und Unterstützung seiner politischen Anschauungen nutzt“. Die Familie Hentschke, zu der auch eine Tochter des Schriftstellers Günter Grass gehört, ist seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr am Unternehmen beteiligt.

Drews geht in seinem Mitarbeiterschreiben auch auf sein finanzielles Engagement ein. Als geborenem Bautzener liege ihm die Region sehr am Herzen, schreibt er. Sowohl das Unternehmen „als auch ich als Privatperson“ hätten bislang „in erheblichem Maße mittels Spenden und Sponsoring“ zahlreiche Projekte unterstützt. „Aus unserer gemeinsamen täglichen Arbeit bei Hentschke wisst ihr doch nur zu gut, dass mein Engagement in der Region nicht zu einem einzigen Vorteil bei öffentlichen Ausschreibungen für Bauleistungen geführt hat.“ Drews betont, das vom Sponsoring- und Spenden-Etat nicht einmal fünf Prozent an Parteien flössen. Davon habe vor allem die CDU profitiert. 

Die Spenden an die Christdemokraten waren nach SZ-Informationen so gestückelt, dass sie nicht über die meldepflichtige Grenze von 10.000 Euro fielen. Deshalb tauchte die Firma Hentschke-Bau in den im Januar dieses Jahres veröffentlichten Rechenschaftsberichten der Parteien für das Jahr 2017 lediglich mit einer Großspende von 19.500 Euro an die AfD auf. Drews schreibt dazu, er habe sich mit den Inhalten dieser Partei beschäftigt und könne sich „damit teilweise identifizieren“. Dennoch sei der AfD danach keine weitere Spende gewährt worden.

Energisch weist Drews Vorwürfe zurück, er stehe der Reichsbürger-Szene nahe. Sein Reden und Handeln beweise doch, dass er damit „nicht das Geringste“ zu tun haben könne. „Aber es ist ja heutzutage sehr einfach, jemanden in den sozialen Medien mit Dreck zu bewerfen. Der Unternehmer spielt damit auf den Bautzener Linken-Stadtrat Steffen Grundmann an, der im Juni 2018 getwittert hatte: „Hr. Drews ist nicht nur Chef einer großen, überregional tätigen Baufirma, sondern stellt sich mit seinen öffentlichen Aussagen auch hinter Reichsbürger.“

Der Grünen-Stadtrat Claus Gruhl sagte damals der SZ: „Auch wenn er es bestreitet, denke ich, dass Herr Drews der Gesinnung der Reichsbürger nahesteht.“ Die Bautzener Demokratiepreis-Trägerin und Bloggerin Annalena Schmidt kritisierte den Unternehmer mehrfach wegen seiner Wortwahl und Theorien, bezieht sich dabei aber auf den Verfassungsschutz: „Wer diese Begrifflichkeit nutze, der oute sich als deren Anhänger.“ 

 

Drews beschreibt sich in dem Artikel für die Mitarbeiterzeitung als Unternehmer mit „wertkonservativen Ansichten“. Er werde weiterhin für sich in Anspruch nehmen, „mir als freier Bürger dieses Landes meine unabhängige politische Meinung zu bilden und diese zum Ausdruck zu bringen“. Der 59-Jährige appelliert an die Belegschaft, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Er selbst werde im Mai für den Bautzener Stadtrat kandidieren „und habe auch in diesem Zusammenhang mein Augenmerk darauf zu richten, meine persönlichen kommunalpolitischen Aktivitäten vom Geschäftsalltag des Unternehmens Hentschke-Bau zu trennen.“

Der Multimillionär wird für den bereits im Stadtrat vertretenen Verein Bürgerbündnis Bautzen kandidieren. Für die Oberbürgermeisterwahl im Juni 2015 hatte das Bürgerbündnis sich noch mit Linken und SPD zusammengetan und den heutigen Oberbürgermeister Alexander Ahrens ins Rennen geschickt. 

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