g8tjn5rscpcudrjq3r762me544jxqzl2.jpg

Bautzener Stiftehersteller Edding hat eine neue Chefin

02.08.2022
Franziska Sill hat Zerspanungsmechanikerin gelernt. Jetzt wird sie kaufmännische Geschäftsführerin bei Edding - und stellt wohl bald neues Personal ein.

Von David Berndt

Bautzen. Wenn Franziska Sill durch die Produktionshalle oder die Spritzerei bei Edding in Bautzen läuft, kann sie sich in ihre Kollegen gut einfühlen. „Augenhöhe ist ganz wichtig“, sagt die 33-Jährige, die ab August neue kaufmännische Geschäftsführerin bei dem Stiftehersteller wird und ihren langjährigen Vorgänger Detlef Wloka beruflich beerbt.

Die Görlitzerin ist selbst Zerspanungsmechanikerin und könnte damit auch an der CNC-Maschine bei Edding stehen und Spritzgussteile für die Stifteproduktion fertigen. „Ich habe selbst in Schichten gearbeitet und weiß, was die Menschen hier leisten.“

Karriere bei Edding mit dualem Studium begonnen

Doch ihr weiterer beruflicher Weg verlief anders - und das habe viel mit Edding als Arbeitgeber zu tun, sagt Franziska Sill. „Es hat sich alles glücklich gefügt, aber klar muss es auch passen. Ich wurde gefordert und gefördert.“

2013 hat sie ein duales Studium des Wirtschaftsingenieurswesens an der Berufsakademie Bautzen begonnen. Ihr Praxispartner wurde Edding. „Ich habe viel Vertrauen und Freiheiten bekommen“, sagt Franziska Sill rückblickend. Eine ihrer ersten Aufgaben war die Unterstützung beim Kauf einer CNC-Maschine.

Nach dem Abschluss 2016 wurde sie von Edding übernommen. Zuerst arbeitete sie als Assistentin des technischen Geschäftsführers und übernahm in der Folge immer mehr Aufgaben im Projekt- und Lean Management. „Es ging etwa darum, doppelte Prozesse oder Wege zu minimieren und dazu auch die Expertise von den Kollegen an den Maschinen einzuholen.“

Berufsbegleitend ein Masterstudium absolviert

Auch an der Entwicklung veganer Tattoo-Farben war Franziska Sill beteiligt. Seit September 2020 kann man sich damit in einem firmeneigenen Studio in Hamburg tätowieren lassen. 1.200 Tattoos wurden bislang nach Angaben von Edding gestochen.

Er kenne Franziska Sill seit ihrem Start bei Edding 2013, sagt Dr. Olaf Seidel, der technische Geschäftsführer. „Sie ist von Beginn an mit frischen Ideen in die Firma gekommen, bringt viel Inspiration rein und zeigt eine große Verbundenheit mit dem Unternehmen.“

Franziska Sill wird ab August kaufmännische Geschäftsführerin beim Bautzener Edding-Werk sein und eng mit Dr. Olaf Seidel zusammenarbeiten. Er ist technischer Geschäftsführer.

Franziska Sill wird ab August kaufmännische Geschäftsführerin beim Bautzener Edding-Werk sein und eng mit Dr. Olaf Seidel zusammenarbeiten. Er ist technischer Geschäftsführer.© Steffen Unger

Um sich noch weiterzubilden, hat Franziska Sill ein berufsbegleitendes Master-Studium an der TU Chemnitz im Management mit vielen betriebswirtschaftlichen Inhalten absolviert und im Juni 2021 abgeschlossen. Bereits im Winter davor sei Edding auf sie zugekommen und habe gefragt, ob sie nach dem Renteneintritt von Detlef Wloka die kaufmännische Geschäftsführung übernehmen wolle. Auch wenn sie nicht zu lange nachdenken musste, sei es ein wohlüberlegter Schritt gewesen. Schließlich bedeute er auch mehr Verantwortung.

So wird sie ab August für die Qualitätssicherung und das -management, das Vertrags- und Personalwesen, das Controlling, die Azubis und weitere Aufgaben zuständig sein. Alles sei aber eng mit dem technischen Geschäftsführer verknüpft. „Wir wollten den Betrieb auf beiden Positionen mit hohem technischen Verständnis besetzen“, sagt Seidel. „Man muss die Produktion verstehen, um kaufmännische Entscheidungen zu treffen“, ergänzt Franziska Sill.

Edding will in Bautzen auch Ventilmarker herstellen

100 Mitarbeiter sind derzeit bei Edding tätig, inklusive der Azubis und circa acht Prozent Leiharbeiter. Sie stellen pro Jahr mehr als 300 Millionen Spritzgussteile wie Hüllen und Deckel sowie rund 90 Millionen Stifte her. Edding bediene den Büro- und Industrie- sowie seit zehn bis 15 Jahren verstärkt den Kreativmarkt, etwa mit Acrylstiften, die eine pinselähnliche Spitze haben, oder eben mit den Tattoo-Farben.

Und auch bei der nächsten Herausforderung wird technische Kompetenz gebraucht: Im Bautzener Edding-Werk soll noch in diesem Jahr eine Produktionsstrecke für Ventilmarker aufgebaut werden. Die Produktion wird voraussichtlich 2023 beginnen. „Noch stellen wir solche Stifte nicht her, aber wir wollen unsere Kompetenz auch auf diesem Gebiet ausbauen“, sagt Olaf Seidel, der promovierter Chemiker und Experte für Farbchemie sowie Materialforschung ist. Es sei auch eine Risikoabsicherung, da Edding solche Stifte weiterhin zukaufen, aber dann eben auch selbst herstellen könne.

Ventilmarker werden vor allem in der Automobilindustrie und in der Kreativbranche eingesetzt, weil sie sehr deckend sind, brillante Farben liefern und permanent auf vielen Materialien wie Glas, Stein oder Metall funktionieren. „Die Teile dafür werden wir künftig selbst herstellen“, sagt Franziska Sill. Voraussichtlich werde dafür auch weiteres Personal eingestellt.

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Hermes baut Logistikstandort an der A13 in Thiendorf

Hermes baut Logistikstandort an der A13 in Thiendorf

Aus einer 160 Meter langen Halle im Gewerbegebiet Thiendorf soll die Region bis in die Landeshauptstadt Dresden hinein beliefert werden.

Bautz’ner hat kaum noch Senf im Lager

Bautz’ner hat kaum noch Senf im Lager

Leere Regale im Lager, aber auch immer wieder in Supermärkten. Dabei produziert das Senf-Werk in Kleinwelka mehr als im Vorjahr - und gibt in einer Frage Entwarnung.

Einkaufstourismus in Sachsen boomt wegen Rekord-Inflation

Einkaufstourismus in Sachsen boomt wegen Rekord-Inflation

Tschechen kaufen vermehrt im Oberland und in Zittau ein, weil viele Produkte bei ihnen schon viel teurer sind. SZ hat die Preise verglichen.

Ist die Energiewende wirklich gescheitert?

Ist die Energiewende wirklich gescheitert?

Gas sollte die Brücke bis zum vollständigen Ausbau der erneuerbaren Energien bilden. Doch nun wird es eng mit der Gasversorgung. Was das bedeutet.