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Beherbergungsverbot trifft das Zittauer Gebirge hart

23.11.2021
Am Montagmorgen mussten alle Gäste abreisen. Hoteliers befürchten einen großen Imageschaden für die Branche - und klammern sich an jeden Strohhalm.

Von Jana Ulbrich

Die letzten Gäste im Schlosshotel Althörnitz haben gerade das Haus verlassen. Hotelmanager Andreas Korf hat sie zur Tür begleitet. Ihre Abreise am Montagmorgen war so nicht geplant - und ist auch nicht ganz freiwillig. Aber an diesem Montagmorgen müssen alle Urlauber und Touristen im Zittauer Gebirge ihre Unterkünfte verlassen. Die Landesregierung hat mit ihrer neuen Corona-Schutzverordnung auch wieder ein Beherbergungsverbot angeordnet - offiziell bekanntgegeben am Freitagabend, in Kraft getreten am Montagmorgen.

Andreas Korf schließt die Tür. In der Lobby des Schlosshotels ist es leer. "Es sind noch ein paar Geschäftsreisende da", sagt der Hotelchef. Und er hat das Glück, dass er die Bundeswehrsoldaten beherbergen darf, die gerade im Landratsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung helfen. Damit bleibt dem Haus zumindest ein Teil der Einnahmen.

Im Jonsdorfer Hotel Gondelfahrt hat man die eher nicht. Das traditionsreiche Urlaubs- und Wellness-Hotel im Kurort Jonsdorf lebt von den Touristen. "Uns hat die Ankündigung am Freitagabend ziemlich kalt erwischt", sagt Hotelchefin Katrin Jungmichel und wirkt resigniert. "Wir haben nach allen Drei- und Zwei-G-Regeln ehrlich gesagt nicht glauben wollen, dass uns die Landesregierung jetzt doch wieder einen Lockdown verordnet."

Gondelfahrt lädt zum Ausverkauf ins Restaurant

Auch Katrin Jungmichel hat am Montag nach dem Frühstück alle Gäste verabschieden müssen - auch die, die am Wochenende gerade erst angereist waren. In der Gondelfahrt ist das ganze Jahr über Saison. Zwar kommen im November jahreszeitlich bedingt weniger Gäste, sagt die Chefin, aber der Dezember ist traditionell sehr gut gebucht. Doch bis zum 3. Advent muss sie jetzt erst einmal allen absagen. So will es die Anordnung. Und danach?

Katrin Jungmichel hebt die Schultern. "Wenn ich das wüsste", sagt sie leise. Das Hotel wird die Familie jetzt erst einmal schließen. Und auch das Restaurant wird unter diesen Bedingungen wohl geschlossen werden. "Seit die Zwei-G-Regel gilt, haben wir höchstens noch ein Drittel der Gäste", erklärt die Gondelfahrt-Chefin. "Auch alle Familien- und Weihnachtsfeiern sind abgesagt. Das rechnet sich nicht." Was mit ihren 20 Mitarbeitern wird, werde sich im Laufe der Woche entscheiden.

Ausverkauf im Hotel Gondelfahrt in Jonsdorf: Geimpfte und Genesene sollen diese Wochen noch essen kommen dürfen, bis die Töpfe und Pfannen leer sind. Danach wird das Haus wahrscheinlich erst einmal schließen.
Ausverkauf im Hotel Gondelfahrt in Jonsdorf: Geimpfte und Genesene sollen diese Wochen noch essen kommen dürfen, bis die Töpfe und Pfannen leer sind. Danach wird das Haus wahrscheinlich erst einmal schließen. © Matthias Weber/photoweber.de

Mit einem Rabatt von zehn Prozent auf die Bewirtungsrechnung lädt die Gondelfahrt deshalb Geimpfte und Genesene in dieser Woche zum Ausverkauf. "Wir wollen noch so lange servieren, bis alle Töpfe und Pfannen leer sind", sagt Katrin Jungmichel. Wie es dann weitergeht, müsse man sehen.

Trixi-Park bietet wieder Homeoffice-Arbeitsräume

Ein paar Kilometer weiter, im Großschönauer Trixi-Park, hat Geschäftsführerin Annette Scheibe ihre Mitarbeiter zur Krisensitzung eingeladen. Das Freizeitbad muss geschlossen werden, im Hotel und im Feriendorf dürfen nur noch Geschäftsreisende übernachten. "Wir hatten schon so etwas geahnt", sagt Annette Scheibe. Auch sie wirkt resigniert. Sie spricht von einem neuerlichen Schock für die Tourismusbranche - und von einem erheblichen Imageschaden, den sie erleiden wird.

"Wir rechnen jetzt mit Absagen auch über Weihnachten und Silvester", ahnt die Trixi-Park-Chefin. "Was sollen wir den Gästen denn sagen? Wer kann, sucht sich doch jetzt schnellstmöglich noch eine Unterkunft in einem anderen Bundesland", vermutet Annette Scheibe. "Wir glauben ehrlich gesagt auch selbst nicht wirklich, dass das Beherbergungsverbot und die Schließung der Freizeiteinrichtungen - so wie es jetzt angekündigt ist - nach dem 12. Dezember wieder aufgehoben wird."

Annette Scheibe sorgt sich vor allem um ihre Mitarbeiter. 70 Festangestellte und 13 Auszubildende arbeiten im Trixi-Park. "Für sie ist es eine Katastrophe, jetzt wieder vor der Kurzarbeit zu stehen", weiß die Geschäftsführerin. "Wir werden jetzt hier noch alle möglichen Dinge abarbeiten", sagt sie. "Und zuerst einmal sollen die Kollegen ihre im Sommer angesammelten Überstunden abfeiern."

Im letzten Lockdown hatte die Gesellschaft Millionen-Verluste erlitten. Deshalb sucht Annette Scheibe auch jetzt wieder nach jedem noch so kleinen Strohhalm, der den Angestellten auch in den kommenden Wochen Lohn und Brot bringen könnte: So können die Ferienhäuser ab sofort wieder als Home-Office-Arbeitsräume gemietet werden - eine Idee, die sich bereits im Frühjahrslockdown gut bewährt hatte. Im Sole-Bad will der Trixi-Park weiter Schwimmkurse anbieten, auch das Schulschwimmen soll weiter stattfinden können. "Wir prüfen gerade, ob wir auch Crash-Kurse im Schwimmen für Schüler anbieten können, für die der Schwimmunterricht ausgefallen ist", kündigt die Geschäftsführerin an.

Zurück bei Andreas Korf im Schlosshotel Althörnitz, der jetzt an seinem PC sitzt. Den ganzen Vormittag schon hagelt es Stornierungen. Gerade hat er mit einem Vereinsvorsitzenden in Berlin telefoniert. Die Vereinsausfahrt der Berliner Handballer muss nun schon zum zweiten Mal ausfallen. Auch im vorigen November konnte der Bus mit der Reisegruppe nicht kommen. "Wir haben jetzt einen neuen Termin im November 2023 vereinbart. Hoffentlich kappt es dann", sagt der Hotelmanager. Mann soll ja die Hoffnung nicht aufgeben.

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