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Bei Ditter Plastic gehen die Lichter aus

Landkreis Meißen 29.11.2019
Ab Montag ist das Werk offiziell geschlossen. Viele Mitarbeiter haben sich schon vorher verabschiedet.

Das Ende kam für die etwa 130 Mitarbeiter völlig überraschend. Ende August erfuhren sie, dass das Neusörnewitzer Werk von Ditter Plastic zum 30. November geschlossen wird. Die Produktion soll auf die beiden Standorte Haslach und Hausach im Schwarzwald konzentriert werden.

Viele wollten nicht so lange warten und haben das Unternehmen schon vor Wochen verlassen, indem sie sich krankschreiben ließen. „Ich wollte mir das nicht länger antun“, sagt eine Frau, die viele Jahre in der Produktion beschäftigt war, aber lieber anonym bleiben möchte. Seit klar war, dass das Werk geschlossen wird, habe es immer weniger zu tun gegeben. Die Stimmung in der Belegschaft sei schlecht gewesen. 

„Viele sind zum ersten Mal in ihrem Leben arbeitslos“, erzählt die Frau. Auch sie habe noch keine neue Stelle gefunden, aufgrund der Kündigungsfrist aber auch noch ein paar Wochen Zeit für die Bewerbungen. Und sie sei optimistisch, dass sich was finden wird.

Einer, der noch die Stellung hält in Neusörnewitz ist Sven Grätz, Leiter des Werkzeugbaus. Seine Abteilung habe noch ein bisschen Arbeit. Die Aufträge werden aber bis zum Ende der Woche abgearbeitet sein, sagt er. Die 40 Maschinen der Produktion seien schon alle abgebaut und in den Schwarzwald gebracht worden. 

Wie viele seiner ehemaligen Kollegen schon eine neue Stelle haben, weiß Grätz nicht. Da die Kündigungsfristen teilweise bis Februar/März reichen, sehen manche die Stellensuche entspannt. Er selbst habe etwas in Aussicht. „Ich muss den Vertrag nur noch unterschreiben.“ Grätz hatte sich bemüht, für seine Kollegen neue Stellen zu finden, hat Firmen kontaktiert.

Von der Geschäftsführung habe es das Angebot gegeben, von Neusörnewitz in den Schwarzwald zu wechseln. „Manche haben überlegt“, so Grätz. „Viele werden das nicht machen“, so die ehemalige Mitarbeiterin. Fraglich sei, was mit denen passiert, die keinen Krankenschein vorgelegt haben, aber offiziell noch bis März angestellt sind. „Die wissen bis heute nicht, ob sie dann freigestellt werden oder die Halle putzen müssen“, erzählt die Frau.

Von der Geschäftsführung gab es dazu keine Auskunft. Auch nicht, was mit der Immobilie in Neusörnewitz passiert. Das sei alles noch nicht spruchreif, lässt Brigitte Luise Ditter auf Nachfrage ausrichten. Sie führt die Geschäfte, seit ihr Mann Rolf Peter Ditter 2018 im Alter von 69 Jahren verstorben ist.

In einer offiziellen Mitteilung der Geschäftsführung hieß es im August, Ditter bemühe sich darum, den Auszubildenden den Abschluss ihrer Ausbildung zu ermöglichen. Und die Geschäftsführung kläre, ob und welche Mitarbeiter der Gesellschaft in Meißen an der Aufnahme einer Tätigkeit auf freien und fachlich geeigneten Arbeitsplätzen bei der Ditter Plastic GmbH + Co. KG in Baden-Württemberg interessiert wären.

Ditter Plastic entwickelt und fertigt technische Kunststoffteile von einem halben bis 12.000 Gramm Gewicht, unter anderem Radiobedieneinheiten für die Fahrzeugtechnik. Zu den Kunden gehören auch Maschinenbau, Optik und Medizintechnik. Zu 90 Prozent sind die Abnehmer in der Automobilindustrie. Kaum ein in Deutschland hergestelltes Auto kommt ohne Plastikteile der Neusörnewitzer Ditter Plastic GmbH aus. Dazu gehören etwa Teile von Türverkleidungen, an Armaturenbrettern und auch Plastikwannen für Fahrzeuge.

„Aufgrund der sich ändernden Bedingungen im Marktumfeld der Automotiv-Branche konzentriert die Ditter-Unternehmensgruppe ihre Tätigkeit in der Ditter Plastic GmbH + Co. KG mit Werken in Haslach und Hausach im Kinzigtal (Baden-Württemberg)“, so die offizielle Begründung für die Werksschließung.

1990 kam Ditter Plastic Meißen – ehemals VEB Werkzeug- und Formenbau Meißen – zu dem Familienunternehmen hinzu. Nach der Überflutung des Betriebs im Jahre 2002 erfolgte der Umzug nach Neusörnewitz. Danach begann ein enormes Wachstum des sächsischen Ditter-Standorts, beflügelt durch Investitionen in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags. Hatte das Werk 2002 noch 40 Mitarbeiter, so stieg deren Zahl allein zwischen 2008 und 2013 um weitere 50 Mitarbeiter an. Die Ditter-Gruppe beschäftigte an allen drei Standorten insgesamt 750 Mitarbeiter. 

 

Von Peggy Zill  und Peter Anderson

Foto: © Norbert Millauer

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