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Blackstone: Batterieproduktion startet im Sommer

17.02.2021
Blackstone Technology legt in Döbeln los. Nach dem Testlauf soll die Serienproduktion in einem Jahr beginnen.

Von Jens Hoyer 

Döbeln. "Battery Day" bei Blackstone Technology: Per Live-Stream hat der Batteriehersteller aus Döbeln am Dienstag den Beginn seiner Produktion am Standort im Gewerbegebiet Am Fuchsloch bekannt gegeben. Die Maschinen sind bestellt und sollen in den Hallen der früheren Firma Stemke Kunststofftechnik aufgestellt werden. Im Sommer ist geplant, die Vorserienproduktion zu starten, sagte Geschäftsführer Holger Gritzka. In einem Jahr soll die Serienproduktion erreicht sein. In Döbeln werden die ersten gedruckten Batteriezellen der Welt entstehen. Sie können 20 bis 25 Prozent mehr Energie speichern als derzeit verfügbare Batterien. „220 Wattstunden pro Kilogramm ist ein Weltrekord“, sagte Gritzka.

Lithium gesichert

Ulrich Ernst, Präsident der Mutterfirma Blackstone Resources AG, war aus der Schweiz zugeschaltet. „In den nächsten zehn Jahren wird sich die Nachfrage nach Batterien verzehnfachen“, sagte er. „Wir wollen jedes Jahr die Herstellungskapazität verdoppeln.“ Neben der Technologie habe Blackstone einen weiteren Wettbewerbsvorteil. In Zeiten steigender Nachfrage nach Batteriemetallen sitzt die Firma an der Quelle. Vor allem bei Lithium. „Wir haben uns in Chile 80 Quadratkilometer Lithiumseen gesichert“, so Ernst.

Maschinen aus Deutschland

Die Produktionsmaschinen für die Batterieherstellung kommen aus Deutschland. Auf relativ kleinem Raum werden die Pasten hergestellt und 3-D-verdruckt, die Elektroden anschließend getrocknet. Lösungsmittel werden dabei nicht frei, weil die Pasten, mit denen Metallfolien beschichtet werden, auf Wasser basieren. „Es reicht auch nicht aus, die Batterien mit grünem Strom herzustellen. Es geht darum, wenig Strom zu verbrauchen“, sagte Gritzka. Bei der Herstellung der Elektroden werden 78 Prozent weniger Strom verbraucht, für die ganze Batterie liege die Einsparung bei 35 Prozent. Die Elektroden kommen ohne Kobalt und Nickel aus, sagte Gritzka, Die geringere Energiedichte werde durchs Herstellungsverfahren wieder ausgeglichen.

Erste Kunden haben Interesse

Durch die neue Technologie, die sehr aufwendig entwickelt wurde, ließen sich auch sehr individuelle Elektrodenformen fertigen. „So können etwa die Batterien für Drohnen in den Flügeln verbaut werden“, erklärte er. Mit den Ressourcen des Mutterunternehmens im Hintergrund sei die Versorgungssicherheit bei Blackstone größer als bei anderen Batteriefirmen.

Darauf will zum Beispiel der Kunde Rod Motorcycles zurückgreifen, der in Oberbayern E-Motorräder produziert. Die Reichweite kann von derzeit 400 auf 480 Kilometer erhöht werden. Interessiert ist auch der Hersteller Eurabus in Berlin. Die Reichweite der E-Busse erhöhe sich mit den neuartigen Batterien von 650 auf 780 Kilometer. Ein Marineprojekt, in dem sich 13 Firmen zusammengeschlossen haben, will Batterien für Schiffsanwendungen beziehen. „Wir werden im Frühjahr 10.000 Zellen liefern“, so Gritzka.

Kapazität kann erweitert werden

Gestartet wird in Döbeln mit einer Herstellungskapazität von 0,5 Gigawattstunden auf etwa 6.000 Quadratmetern Fläche. Auf dem Nachbargrundstück gebe es die Möglichkeit, etwa dieselbe Kapazität noch einmal aufzubauen, sagte Gritzka. „Weitere Möglichkeiten zur Expansion gibt es in der Gegend noch mehr als genug.“ Expansion werde aber nicht nur in Deutschland stattfinden, sondern auch dort, wo die Kunden Batteriezellen abnehmen.

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