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Bloß nicht abheben

06.01.2019
Christian Wehlan ist der Chef von Oskarshausen, dem Gegenentwurf zu seiner beruflichen Glitzerwelt.

Kinder wuseln durch die Gänge, die Mützen schon in der Hand, die Jacken offen. Gleich werden die Klamotten in der Ecke liegen und die kleine Bande im Kletterbereich von Oskarshausen verschwinden. Christian Wehlan beobachtet das mit einem leichten Schmunzeln und wendet sich wieder dem Fotografen zu. Ein paar Aufnahmen muss der 41-Jährige noch über sich ergehen lassen. Dabei ist breite Öffentlichkeit nicht sein Ding. Er ist keiner dieser schillernden Unternehmer, die auf jeder Party im Mittelpunkt stehen. Dennoch hat Christian Wehlan in Freital für größtmögliche Aufmerksamkeit gesorgt.

Er ist der Erfinder, Geldgeber und Geschäftsführer von Oskarshausen, dem "Entdeckerland für Familien", so der Slogan. Mit der Eröffnung Ende Oktober ging für ihn der Wunsch in Erfüllung, "der Region etwas zurückzugeben". Für Christian Wehlan ist es auch ein Gegenentwurf zu seinem Berufsalltag. Da spielt er in einer ganz anderen Liga, hat mit weltweit operierenden Unternehmen, mit Millionären und der High Society zu tun. Durch Oskarshausen kann er hingegen in Jeans und Sweatshirt gehen und jeden Mitarbeiter bis hin zum Bratwurstverkäufer per Handschlag begrüßen.

Wehlan, der verheiratet ist und drei Kinder hat, stammt aus der Niederlausitz. Er wuchs in einem kleinen Ort auf. Ende der 90er-Jahre ging er nach Dresden zum Betriebswirtschaftsstudium. Nach dem Abschluss landet er bei der CMM Project & Office Solutions GmbH, einem aufstrebenden Dresdner Planungsbüro. Die Firma beschäftigt sich mit dem Umbau, der Sanierung und der Entwicklung von Hotelanlagen. "Ich bin da so reingerutscht - ohne Architektur- oder Bauingenieursstudium", sagt Christian Wehlan rückblickend.

Er wirkt zunächst an Hotelprojekten in Deutschland mit, bald bekommt er mehr Verantwortung und wird 2004 in die Schweiz geschickt. Nun geht es schon um Fünfsterne-Häuser. Wehlan, dessen Familie in Dresden bleibt, pendelt zwischen zwei Welten: Die Firma übernimmt nun auch Aufträge von Privatleuten, die ihre Villen umbauen und neu ausstatten wollen. Es geht um Ansprüche im Luxusbereich. Als Manager leitet und koordiniert Wehlan die Arbeiten. Es bleibt nicht bei Hotels und Villen. Eine Werft meldet sich und möchte ihr Kreuzfahrtschiff ausgestattet haben. Besitzer von 75 Meter langen Privatjachten nehmen die Dienste der Dresdner in Anspruch - Namen möchte der Manager nicht nennen, schließlich legen die Kunden wert auf Diskretion. Um 2010 herum arbeiten knapp 40 Leute für die CMM. Christian Wehlan steht mit an der Führungsspitze - und verdient richtig gut. Die Bodenhaftung verliert er trotzdem nicht. "Ich bin immer nach Dresden zurückgekommen, habe hier meinen Freundes- und Bekanntenkreis, das sind ganz normale Leute."

2015 sucht eine amerikanische Firmengruppe in Europa ein neues Betätigungsfeld und übernimmt die CMM. Inzwischen firmiert das Planungsbüro unter dem Namen Tétris und ist eines von sechs deutschen Standorten der Amerikaner. Sie planen unter anderem Büroeinrichtungen für international agierende Hightech-Konzerne. Wehlan, der für Tétris als Manager arbeitet, könnte sich nun auf seinen Millionen ausruhen. Möchte er aber nicht. Als Vater dreier Kinder hatte er eine bessere Idee. "Wir haben viele Freizeitparks im In- und Ausland gesehen. Ich habe mich immer gefragt, warum es so etwas in Dresden nicht gibt."

Wehlan erwirbt 2016 ein Grundstück in Eula bei Nossen. Dort plant er einen Erlebnisbauernhof mit regionaler Lebensmittelvermarktung. Daraus wird nichts, die Genehmigungen bleiben aus. 2017 bekommt Wehlan den Tipp, dass in Freital der alte Real-Markt zu verkaufen sei. Er schlägt zu und legt Anfang 2018 los. Den Grundriss zeigt er zuerst seinen Kindern. "Wir haben uns über den Plan gebeugt und Ideen entwickelt, was man daraus machen könnte."

Oskarshausen ist das Gegenstück zu den glitzernden Luxus-Projekten, die Wehlan im Laufe seines Berufslebens umgesetzt hat. Der Name leitet sich von einem Vorfahr seiner Familie ab. Dieser Oskar wuchs in Rabenau auf, lernte Tischler und gründete später im erzgebirgischen Neuhausen einen großen Stuhlbaubetrieb. Er war ein Tüftler, Erfinder, Entwickler. Deshalb gibt es in Oskarshausen eine große Kreativ-Ecke, wo gehämmert, gefeilt, gemalert werden kann. Wahrscheinlich sind hier in den vergangenen Wochen viele Weihnachtsgeschenke aus Holz- und Keramik für Eltern und Großeltern entstanden. Die alten Werkbänke könnten glatt aus Oskars Werkstatt stammen.

"Ich wollte nicht den klassischen Freizeitpark. Ich möchte, dass die Familien gemeinsam etwas entdecken, entwickeln, erschaffen können. Deshalb gibt es bei uns auch keine Elektronik", beschreibt Wehlan sein Konzept. Auch auf Nachhaltigkeit legt er großen Wert: Für Einrichtung, Ausstattung und Dekoration hat er sein Team über viele Flohmärkte geschickt und gebrauchte Alltagsgegenstände, Möbel, Baumaterialien aufkaufen lassen.

Obwohl der Oskarshausen-Chef beruflich viel unterwegs ist, kommt er möglichst oft nach Freital. Sein Entdeckerland ist immer noch nicht fertig. Nach den ersten Testwochen wird weiter an Details gefeilt. An neuen Ideen - vor allem für die Sommersaison - arbeitet das Team schon.

 

Von Annett Heyse

Foto: Andreas Weihs

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