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Burkau: Drogerie macht dicht

16.07.2020
Sein Geschäft war eine Institution im Ort. 40 Jahre hat Heinrich Hübner den Laden geführt. Doch nun sieht er keine Chance, einen Nachfolger zu finden.

Von Carmen Schumann 

Burkau. Ältere werden sich erinnern: Zu DDR-Zeiten gab es Geschäfte, die nannten sich „1.000 kleine Dinge“. Heinrich Hübner hätte diese Bezeichnung auch an seine Drogerie in der Burkauer Straße der Jugend heften können. Schier unüberschaubar ist die Vielfalt seines Sortiments. Sie reicht von A wie freiverkäufliche Arzneimittel bis Z wie Zeitschriften. Und wenn ein Kunde nicht das Gewünschte findet, besorgt es der Drogerie-Inhaber.

Die Drogerie Hübner ist eine Institution in Burkau. Und zu Zeiten des strengen Corona-Lockdowns war sie neben Bäcker und Fleischer im Ort der einzige Anlaufpunkt für Kunden. Da seinerzeit auch Baumärkte geschlossen waren, holte sich mancher auch seine Farbtöpfe und ähnliches bei Hübner.

Doch nun ist Schluss. Seit Anfang Juli bereitet sich Heinrich Hübner mit seiner Frau Sabine auf den Ausstieg vor. Noch bis Monatsende läuft der Ausverkauf, dann schließt die Drogerie Hübner für immer. Mit 70 Jahren sei es wohl nun an der Zeit, denkt Heinrich Hübner. 

Viele Hürden für Händler

Obwohl – vielleicht hätte der leidenschaftliche Händler sogar noch weitergemacht, wenn es nicht so viele Hürden gäbe. Als Beispiel führt er Schulungen an, die er absolvieren muss, um bestimmte Chemikalien verkaufen zu dürfen. Die müsse er aus eigener Tasche bezahlen. Auch die Kasse müsste nachgerüstet werden. „All diese Ausgaben kann ich ja gar nicht so schnell wieder einspielen“, sagt Heinrich Hübner. Deswegen sei es auch einem potenziellen Nachfolger nicht zuzumuten, die Drogerie zu übernehmen.

Die älteste Enkeltochter sei mit ihren acht Jahren auch noch zu jung, um das Geschäft weiterzuführen. Aber zur Freude ihrer Großeltern hat die Kleine immer viel Spaß, sich im Geschäft umzutun, wenn sie zu Besuch kommt. Die Tochter der Hübners wohnt nämlich mit ihrer Familie in Bayern. Deswegen freuen sich Heinrich und Sabine Hübner auch auf ihren Ruhestand. Denn dann können sie auch mal für längere Zeit Tochter und Schwiegersohn besuchen und dabei auch mal die eine oder andere Sehenswürdigkeit rechts und links des Weges besichtigen.

Bald mehr Zeit für Hobbys

Mit im Gepäck wird dann auch Heinrich Hübners Kamera sein. Für sein Hobby, das  Fotografieren, wird er sich im Ruhestand auch mehr Zeit nehmen können. Seit vielen Jahren hält er alles fest, was im Dorf so passiert, zum Beispiel erst jüngst die Konfirmation. Mit seinen Bildern hat es Heinrich Hübner auch schon in die Lokalausgabe Bischofswerda der Sächsischen Zeitung geschafft. Auch die schöne Landschaft rund um sein Heimatdorf hat es ihm angetan. Außerdem hofft der Burkauer, dass er als Rentner mehr Zeit zum Lesen findet und er sich neben Sachbüchern dann auch mal einen Roman zu Gemüte führen kann.

Momentan jedoch gilt noch seine ganze Aufmerksamkeit seinem Geschäft. Wegen des Ausverkaufs geht die Ladentür jetzt noch häufiger als sonst. Die Kunden kommen nicht nur wegen der berühmten 1.000 kleinen Dinge, zu denen auch beliebte frühere DDR-Erzeugnisse wie die Badezusätze von Badusan gehören, sondern sie können noch weitere Anliegen erledigen, zum Beispiel Lotto spielen, Aufträge für Post Modern oder ihre Versicherungsangelegenheiten abwickeln. 

All dies hatte Heinrich Hübner nach der Wende Stück für Stück mit in den Laden hinein genommen. Insgesamt war er 40 Jahre in Burkau als Drogist ansässig, zu Anfang noch an einem anderen Standort.

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