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Bus ohne Fahrer

Leipzig 12.03.2019
Zwischen Leipziger Messe und BMW-Werk sollen künftig vollautomatische Busse selbstständig pendeln – mit Passagieren und Tempo 70.

Versuche mit autonom fahrenden Autos gibt es mittlerweile reihenweise. Was die sächsischen Ingenieure und Planer am Leipziger Stadtrand nun aber vorhaben, sprengt die bisherigen Grenzen. Sie wollen einen kleinen Elektro-Bus für bis zu 16 Gäste auf öffentlichen Straßen mit bis zu Tempo 70 fahren lassen – sowohl im Linienverkehr als auch auf Anforderung per Buchungs-App. Am Montag wurde das Projekt offiziell gestartet. Das Bundeswirtschaftsministerium übergab dafür Fördermittelbescheide über 10,7 Millionen Euro.

Bisherige Politprojekte mit Bus-Shuttles in Europa fahren sicherheitshalber meist nur langsam mit 6 bis 25 Stundenkilometern und oft nur ein bis zwei Kilometer weit. Auf der gut sieben Kilometer langen Strecke zwischen dem S-Bahnhof an der Leipziger Messe und dem BMW-Werk sind aber bis zu 70 Stundenkilometer erlaubt. Dieses Tempo will das Konsortium aus 14 beteiligten Partnern künftig mit seinem Bus erreichen. Ihr mutiges Vorhaben könne damit zugleich eine Lösung sein für die Mobilität gerade von älteren Menschen im ländlichen Raum, sagte Frank Otten vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum.

Basis für die zwei neuen Busse wird das Chassis eines europäischen Herstellers. Es werde von den Partnern komplett neu aufgebaut und mit innovativen Technologien ausgestattet, betont Ronald Juhrs, technischer Geschäftsführer bei den Leipziger Verkehrsbetrieben. Ab Mitte nächsten Jahres sollen die Busse auf Testgeländen unterwegs sein. Spätestens ab Mitte 2021 rollen sie im Pilotbetrieb auf öffentlichen Straßen, zunächst aber noch mit Begleitperson. Das Angebot soll helfen, hieß es, dass etwas abseits gelegene BMW-Werk zu flexiblen Zeiten an den Nahverkehr anzubinden. Wenn das Projekt funktioniert, soll es auch zu den Gewerbegebieten rings um Porsche und DHL sowie in die Umlandgemeinden ausgeweitet werden.

Beteiligt an der Entwicklung sind mehrere Partner aus Dresden wie die Technische Universität und verschiedene Ingenieurbüros. Die größte Herausforderung für die voll automatisierte Technik besteht darin, im normalen Straßenverkehr der Menschen mitzurollen – eine Chance, die das deutsche Straßenverkehrsrecht erst seit zwei Jahren zulässt. „Der Bus muss erkennen und beachten, dass sich nicht alle Verkehrsteilnehmer an die Straßenverkehrsordnung halten – sondern Radfahrer auch mal von der falschen Seite kommen oder Autos in der Stadt 80 Stundenkilometer fahren“, sagt Jürgen Bönninger, Geschäftsführer des Dresdner Dienstleisters FSD Fahrzeugsystemdaten.

Geplant ist zudem, dass der Bus mit den Ampeln auf seiner Strecke kommuniziert. So kann er Grün- und Rotphasen frühzeitig erkennen und angepasst fahren oder Ampeln nach seinem Bedarf steuern. Die Passagiere sollten sanft und gleichmäßig transportiert werden und am besten gar nicht merken, dass sie in einem autonomen Bus sitzen, so Jürgen Krimmling, Professor für Verkehrsleitsysteme und Prozessautomatisierung an der TUD. Eine Abstimmung soll auch mit anderen Bussen und Bahnen möglich sein, damit die Fahrgäste ihren Anschluss an den weiteren Nahverkehr problemlos bekommen. Schon bisher war auf dem Gelände des Logistikriesen DB Schenker in Leipzig ein Modell des Fahrzeugentwicklers EasyMile aus Toulouse im Einsatz. Die Erprobungen hätten gezeigt, so erzählte Standortleiter Alfred Endörfer, dass die Menschen Zeit bräuchten, einem autonomen Fahrzeug zu vertrauen – auch in brenzligen Situationen.

 

Von Sven Heitkamp

Foto: © Amelie Geiger/dpa

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