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Chefwechsel bei der Zittauer Allianz

25.06.2020
Helmut Klengel, Zittaus dienstältester Allianz-Vertreter, übergibt sein Versicherungsbüro an Ingo Hebenstreit. Der konnte sich darauf länger vorbereiten.

Von Jan Lange 

So lange wie Helmut Klengel ist keiner tätig: 30 Jahre ist er Vertreter der Allianz-Versicherung in Zittau. Genug findet der gebürtige Freitaler. Ende Juni soll Schluss sein, dann will er seinen Ruhestand genießen - mit 64. Das Versicherungsbüro in der Bautzner Straße wird es aber weiter geben, der Nachfolger steht in den Startlöchern. Ingo Hebenstreit leitet künftig die Allianz-Vertretung. Bei seinem Namen fragen sich Zittauer: Gab es nicht einen Bäcker namens Hebenstreit? Ja, bestätigt er. Ingo Hebenstreit führte bis 2006 eine eigene Bäckerei in der Inneren Weberstraße. Danach arbeitete er noch als angestellter Bäcker und wechselte schließlich in die Versicherungsbranche.

Ein ungewöhnlicher Berufswechsel - vom Bäcker zum Versicherungsvertreter. Aber für Ingo Hebenstreit der einzig richtige. Er habe nach seiner Flucht aus der DDR schon mal zwei Jahre in der Branche gearbeitet. Ab 2009 war er dann wieder für eine Versicherung tätig - anfangs nur nebenberuflich. Er habe gemerkt, dass er gern mit den Kunden in Kontakt kommt. Für ihn sei es nicht nur ein Broterwerb, sondern eine Tätigkeit, die er gern mache - seit 2011 hauptberuflich.

Erst Stahlwerker, dann Versicherungsvertreter

Den ungewöhnlichen Berufswechsel hat Ingo Hebenstreit mit Helmut Klengel gemein. Klengel ist von Hause aus eigentlich Stahlwerker, arbeitete zuerst im Edelstahlwerk in Freital, studierte später Militärwissenschaften bei der NVA und ging später zurück in die Metallbranche, arbeitete in der Olbersdorfer Stahlgießerei. Mitte der 1980er Jahre wechselte er in den benachbarten Tagebau und stieg hier bis zum Leiter Mechanik auf. 

Nebenberuflich schnupperte er damals bereits Versicherungsluft - als Vertreter der Staatlichen Versicherung. Als die Allianz nach der Wende Vertreter suchte, meldete er sich und wurde im Juli 1990 Allianz-Vertreter. Die Anfänge seien recht abenteuerlich gewesen, erinnert sich Klengel. In einem Wohnwagen an der Theodor-Korselt-Straße hatte er die Kunden empfangen und Verträge abgeschlossen. Denn den Kunden wollte er eine Betreuung in seiner eigenen Wohnung im dritten Stock nicht zumuten.

Die Räumlichkeiten wurden schnell repräsentativer: Im März 1991 eröffnete er sein erstes Büro - schon damals in der Bautzner Straße, aber einige Häuser weiter in der Nummer 15. Doch das Büro wurde irgendwann zu klein. Und so nutzte er 2001 die Chance, das ehemalige Modehaus Reber (Bautzner Straße 21) zu erwerben. Hier richtete er sich ein größeres Versicherungsbüro ein, das er nun an Ingo Hebenstreit übergibt.

Eine gute Basis

Der Nachfolger bekommt eine gute Basis: Das Allianz-Büro in der Bautzner Straße betreut gut 2.400 Kunden aus dem Altkreis Zittau mit gut 5.500 Verträgen. Damit erreicht es zwar nicht die Zahlen früherer Jahre, als rund 4.500 Kunden betreut wurden, aber die aktuelle Zahl ist mit Blick auf sinkende Einwohnerzahlen und starke Konkurrenz immer noch gut. Das Versicherungsbüro gehört laut Klengel zu den größten Agenturen in Zittau.

Das wird auch an Klengels Mitgliedschaft im Ring der Großakquisiteure deutlich. Dort ist man nur dabei, wenn die Verkaufszahlen sehr gut sind. Klengels Kunden setzten weit über eine Million Euro an Jahresbeiträgen um. Dafür, dass er über 20 Jahre gute Zahlen vorweisen konnte, wurde Klengel Ehrenmitglied in diesem Ring. Darauf ist er stolz.

Solche Zahlen sind heutzutage kaum noch zu erreichen - auch wegen des großen Verdrängungswettbewerbes unter den Versicherungen. Ingo Hebenstreit, der nach der Übernahme das Beraterteam noch verstärken will, genießt aber das Vertrauen der Kunden, denn er ist ihnen kein Unbekannter. Seit 2009 arbeitet er für Helmut Klengel. Und seit 2018 war klar, dass er das Büro einmal übernehmen wird. Der Vertretervertrag von Helmut Klengel wäre eigentlich noch bis 2021 gelaufen, er beendete ihn aber auf eigenen Wunsch vorzeitig. "Das hatte sich jetzt so ergeben", sagt er.

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