klh54jg5n8fy4znyte67ns3lp4f4gmfn.jpg

Clevere Erfindung gegen Kurzarbeit

28.05.2020
Einer Metallbaufirma aus dem Raum Kamenz brachen wegen Corona die Aufträge weg. Eine neues Produkt brachte die Lösung.

Nebelschütz.  Am Anfang ist ein Edelstahlblech. Immerhin drei Meter mal anderthalb Meter groß. Dem gibt ein Laserschneider seine künftigen Konturen. Am Ende steht eine glänzende Säule, etwa schulterhoch: ein Desinfektionsspender. Den hat jetzt die Firma Miltitzer  WeDa Metall entwickelt – quasi aus der Corona-Not geboren. Als Aufträge wegbrachen. Denn eine solches Gerät gehörte bisher nicht zum Produktionsspektrum der Metallbaufirma in dem Nebelschützer Ortsteil.

Geschäftsführer David Wenk führt durch die Hallen mit einem beachtlichen Park an  Maschinen. Rund 30 sind es, teils computergesteuert – alles was ein Metallbau braucht. Hier werden Bleche aus Aluminium, Zink- oder Edelstahl zugeschnitten, entgratet, gebogen und montiert. 200 Tonnen Material lagern in den Hochregalen. Aus der

Auf Schiffen schippern Produkte aus Miltitz um die ganze Welt. Dazu gehören Halterungen für Feuerlöscher und Rettungsringe. Außerdem liefert WeDa Komponenten für Reinräume in Forschungslaboren wie an der TU Dresden. Aus den Miltitzer Bauteilen werden zum Beispiel Abluftanlagen montiert.

Metallbauer Rocco Schütze montiert einen Prototyp des Desinfektionsmittelspenders. Kommende Woche soll die Produktion von Kleinserien beginnen.
Metallbauer Rocco Schütze montiert einen Prototyp des Desinfektionsmittelspenders. Kommende Woche soll die Produktion von Kleinserien beginnen. © SZ/Reiner Hanke

Das Hauptgeschäft läuft aber mit der Automobilindustrie. Gerade die schwächelt im Moment, hatte zeitweise die Produktion eingestellt. Das schlägt auf Zulieferer wie die Miltitzer durch. 26 Mitarbeiter arbeiten derzeit nur noch in der Produktion, der Verwaltung und der Konstruktion. Vor der Krise waren es 44. „Wir wissen nicht, wie sich die Lage entwickeln wird, wann und ob die Kunden wieder bestellen. Wir brauchen Alternativen“, so David Wenk. „Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir reagieren können, um die Leute wieder aus der Kurzarbeit zurückzuholen. Etwas, das jetzt gebraucht wird.“

Da kam die Idee für einen Desinfektionsspender. Gemeinsam mit Vater Thomas Wenk habe er sie weiterentwickelt. Sich dann an den PC gesetzt, geplant, konstruiert, getestet und wieder verändert. Es habe schon mehrere Wochen gedauert, bis alles passte. Denn Theorie und Praxis passen nicht immer zur Realität.

Ohne Strom und Handkontakt

Entstanden ist ein Modell, wie es das auf dem Markt in dieser Bauweise laut Wenk noch nicht gebe: Es funktioniert kontaktlos. Das sei ihm sehr wichtig, um eben Infektionsketten zu verhindern, so David Wenk. Außerdem komme das Gerät ohne Stromversorgung aus, was es wieder umweltfreundlich und wartungsarm macht. Darum habe es auch den Namen Think Green erhalten.

Ein System aus mechanischen Teilen und Pumptechnik fördert das Desinfektionsmittel zu einer Düse. Ein Tippen mit dem Fuß unten genügt, damit oben Desinfektionsmittel auf die Hände sprüht. Bis zu 20.000 Mal mit einer Füllung. In die Details wolle er gar nicht so tief eintauchen. Um die Entwicklung zu schützen, habe die Firma das Gerät als Gebrauchsmuster angemeldet. Zwei Fünfliter-Behälter Desinfektionsmittel haben darin Platz. Es muss also nicht so oft nachgefüllt werden. Inzwischen habe das Gerät auch einen Dauertest bestanden.

Das Verwaltungsgebäude der WeDa Metallbau in Miltitz bei Nebelschütz wurde im Vorjahr aufgestockt und neu hergerichtet.
Das Verwaltungsgebäude der WeDa Metallbau in Miltitz bei Nebelschütz wurde im Vorjahr aufgestockt und neu hergerichtet. © SZ/Reiner Hanke

Mit der Nietpistole setzt Rocco Schütze das nächste Gehäuse zusammen, bevor das Innenleben montiert wird. Genau acht Teile aus gebürstetem Edelstahl sind es: „Wir sind jetzt in die Kleinserie übergegangen“, sagt der Metallbauer. Firmenchef Wenk sagt, er habe gut 400 E-Mails versandt und Flyer in der Region verteilt. Ämter und Arztpraxen oder Museen und Schulen seien potenzielle Kunden. Eine größere Wohngemeinschaft in Dresden habe sich gemeldet auch eine große Molkerei habe Interesse gezeigt.

David Wenk freut sich über die Resonanz. Die stimme ihn optimistisch. „Es ist das richtige Produkt zur richtigen Zeit, um etwas gegen die Kurzarbeit und für die Hygiene zu tun“, sagt Mutter Ute Wenk, die die Buchhaltung des Familienbetriebs managt.

Vor zwei Jahren gründete Metallbau-Meister David Wenk die WeDa GmbH und integrierte jetzt auch die Metallbaufirma des Vaters, die BMP Wenk GmbH. Mit Thomas Wenk vor 30 Jahren das Familienunternehmen. David Wenk ist sich sicher, es werde auch diese Krise meistern. So hat er auch schon Ideen, wie die Säule alternativ nachgenutzt werden könnte, falls der Markt für Desinfektionsmittelspender gesättigt sein sollte. Das sei aber noch nicht spruchreif.  

Von Reiner Hanke 

Weitere Artikel

Mehr Sachsen wollen früher in Rente gehen

Mehr Sachsen wollen früher in Rente gehen

Die Corona-Krise treibt viele in den vorzeitigen Ruhestand. Unsere neue Serie erklärt Möglichkeiten und finanzielle Folgen.

Solartechnik kehrt nach Freiberg zurück

Solartechnik kehrt nach Freiberg zurück

Das Schweizer Unternehmen Meyer Burger wählt traditionsreiche Solarstandorte in Bitterfeld-Wolfen und Freiberg für den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Sein Traum ist die digitale Küche

Sein Traum ist die digitale Küche

Wilfried Hänchen begann in der DDR als Koch, arbeitete sich hoch bis ins Ministerium. Heute führt er eines der größten Catering-Unternehmen Deutschlands.

Firma kauft belastetes Grundstück

Firma kauft belastetes Grundstück

Im Gewerbepark an der Bischofswerdaer Straße in Neustadt wurde ein weiteres Grundstück veräußert. Der Bauherr hat einiges zu tun.