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Commerzbank Riesa bleibt erhalten

Landkreis Meißen 12.03.2020
Bundesweit sollen 200 Filialen geschlossen werden. Der Standort Riesa sei laut einer Unternehmenssprecherin aber sicher. 2019 war ein gutes Jahr.

Die Commerzbank hat Ende Februar ihr 150-jähriges Bestehen gefeiert. Dabei gab es im Vorfeld wenig Grund zum Jubeln. Der Vorstand der Commerzbank AG hatte Ende September letztes Jahres angekündigt, von den rund 1.000 Filialen in Deutschland jede fünfte zu schließen. 4.300 Stellen sollen abgebaut werden. In dieser Woche hat Anja Vogler, die Marktbereichsleiterin für Riesa, Meißen und Radebeul, in einem Pressegespräch verkündet, dass die Riesaer Filiale davon nicht bedroht ist. "Im Gegenteil, wir wachsen", sagt sie und meint damit nicht die Anzahl der Mitarbeitern, sondern der Kunden.

Momentan hat die Filiale Riesa 6.400 Kunden. Das sind 240 mehr als noch 2018. "Das ist eine Menge", sagt Anja Vogler. Das trifft auf die gesamte Commerzbank-Niederlassung Dresden, zu der auch der Bereich Riesa-Meißen-Radebeul gehört, zu. Sie ist sich sicher: "Wichtiger Faktor war dabei auch das kostenlose Girokonto. Dieses werden wir weiterhin anbieten - sehr zum Ärger mancher Wettbewerber."  

Das seit zehn Jahren andauernde Zinstief macht den Kunden zu schaffen. "Bei null Prozent Zinsen und 1,5 Prozent durchschnittlicher Inflation haben sie auch 2019 wieder einen Teil ihres Vermögens verloren. Auch in Riesa", sagt die Marktbereichsleiterin. Umso erstaunlicher sei es, dass das Einlagevolumen allein in der hiesigen Filiale um elf Prozent auf rund 62,2 Millionen Euro angestiegen ist. 

Zudem haben die Riesaer Commerzbank-Kunden 22,6 Millionen Euro in Depots angelegt. Das Kreditvolumen liegt hier bei 40,5 Millionen Euro. Zusammen mit den Einlagen ist das Geschäftsvolumen auf 125,3 Millionen Euro angestiegen. Das sind acht Prozent mehr als 2018. "Also warum sollten wir so eine erfolgreiche Bank schließen?" fragt Anja Vogler. Zudem seien Negativzinsen, die die Privatkunden verschrecken könnten, derzeit kein Thema.      

Gleicher Trend wie bei Urlaubsreisen

"Jetzt stehen wir vor anderen Herausforderungen", sagt sie. Das sei die zunehmende Digitalisierung des Bankgeschäftes von Privatkunden. Laut Presseinformationen der Commerzbank AG würden rund 90 Prozent aller Überweisungen per Computer oder Smartphone erledigt. In den letzten drei Jahren habe sich bundesweit die Zahl der Handy-Überweisungen verzehnfacht. Dagegen haben sich die Kontoüberweisungen per Beleg seit 2015 halbiert. Fast die Hälfte aller Konten wurden digital eröffnet.

"Trotzdem haben wir am Standort Riesa eine große Kundenbindung", sagt Anja Vogler. Sie vergleicht das mit Urlaubsbuchungen. Viele suchten sich im Internet das passende Hotel aus, gingen aber nach wie vor ins Reisebüro ihres Vertrauens, um dort die Reise zu buchen. Diesen Trend sieht sie auch in der Riesaer Commerzbank. Deshalb sei die hiesige Filiale auf der Hauptstraße für die Kunden so wichtig.  

46 Banken mit kostenlosem Konto

Laut dem unabhängigen Internetportal biallo.de bieten derzeit in Deutschland 46 Banken kostenlose Giro-Konten an. Doch es werden weniger. Deutschlands größte Direktbank ING in Frankfurt hat verkündet, dass ab 1. Mai 2020 nur noch diejenigen Kunden ihr Girokonto kostenlos bekommen, die einen Geldeingang von mindestens 700 Euro haben.

Weitere 53 Banken und Sparkassen verzichten auf die monatliche Grundgebühr. Dafür berechnen sie aber ein paar Cent mehr für eine Überweisung oder verlangen Jahresgebühren für die Girocard bis zu 15 Euro. 

Wie die unabhängigen Finanzjournalisten von biallo.de bestätigen, haben die Commerzbank vor allem wegen ihres kostenlosen Girokontos in den vergangenen Jahren viele Kunden gewonnen. "Das gelang ihr weniger durch die hohe Qualität dieses Kontos, da es eindeutig bessere gibt", so die Experten. Der Grund, bei der Commerzbank ein Konto zu eröffnen, seien auch die hohen Prämien von bis zu 200 Euro, mit der sie lockt. "Ob die so gewonnenen Kunden dauerhaft bleiben, wird die Zukunft zeigen."

 

Von Jörg Richter

Foto: © Sebastian Schultz
 

 

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