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Corona: Porzellanmanufaktur braucht Millionen-Hilfe

17.11.2020
Der Luxus-Konzern wird die Krise offenbar nur mit einer weiteren Finanzspritze überstehen. Der Freistaat soll mit mehreren Millionen Euro helfen.

Von Peter Anderson 

Dresden/Meißen. Coronabedingt sind in der Porzellanmanufaktur Meissen bis Ende September Umsatzeinbußen von sechs Millionen Euro aufgelaufen. Das geht aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Franz Sodann (Die Linke) hervor. Rund drei Millionen Euro entfallen davon auf das internationale Geschäft mit einem Schwerpunkt in Asien. Weitere drei Millionen Euro stammen aus ausbleibenden Verkäufen in den eigenen Geschäften des sächsischen Traditionshauses.

Einen gewissen Ausgleich konnte seit März 2020 Kurzarbeit in allen Bereichen des Unternehmen schaffen. Hier ergaben sich bis Ende September laut Staatsregierungen Einsparungen von 1,7 Millionen Euro auf der Personalseite sowie von 0,9 Millionen Euro beim Material und sonstigen Kosten.

Tieferliegende Krise wird weiter verschärft

In Dresden und Meißen wird davon ausgegangen, dass die Porzellanmanufaktur die Pandemie-Krise nur mit weiteren Hilfen überstehen können wird. Bereits im März dieses Jahres hat der Luxus-Konzern einen Bedarf von rund 13 Millionen Euro angemeldet. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtages habe diese Mittel "in Aussicht gestellt", heißt es abschließend im Schreiben der Staatsregierung an den Parlamentarier Franz Sodann.

Die aktuelle Entwicklung stellt für die Porzellanmanufaktur eine besondere Herausforderung nach sehr schwierigen Jahren dar. Das Unternehmen schloss das Geschäftsjahr 2018 mit einem erheblichen Minus von knapp neun Millionen Euro. Der Umsatz blieb mit rund 37 Millionen Euro laut Bilanz elf Prozent hinter den Erwartungen zurück. Es handelte sich um das siebente hohe Jahres-Minus in Folge.

Eine weiter Unsicherheit besteht durch das bei der EU in Brüssel laufende Verfahren zur Prüfung der in den letzten Jahren geflossenen Staatsmittel. In der Bilanz 2018 wird durch die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young von einem „bestandsgefährdenden Risiko“ gesprochen. Vermutlich konzentriert sich das Verfahren auf die zu einem Gesamtdarlehen von 22 Millionen Euro zusammengefassten Teilkredite des Freistaates sowie die 2017 gezahlten 28 Millionen Euro zur Stärkung des Eigenkapitals. Weniger kritisch dürfte die Ausgliederung des Museumsbetriebes sein, welche nach einem langen und intensiven Bewertungsprozess erfolgte. (SZ/pa)

  • Da ausländische Besucher seit dem Frühjahr fast komplett ausbleiben, ruhen die Hoffnungen der Porzellanmanufaktur auf dem Online-Shop.

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