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Corona-Prämie und Sonderzahlung für Metaller

31.03.2021
Die Gewerkschaft besteht nach dem Pilotabschluss auf einer 35-Stunden-Woche im Osten.

Von Michael Rothe 

Sachsens Metall-Arbeitgeber haben es eilig, sehr eilig. Nur wenige Stunden nach der Tarifeinigung in Nordrhein-Westfalen drängt der Branchenverband VSME auf Übernahme jenes Pilotabschlusses aus dem Westen auch für den Freistaat.

Die Tarifparteien hatten sich am frühen Dienstagmorgen auf ein Paket geeinigt, das Arbeitszeitverkürzung gegen teilweisen Lohnausgleich möglich macht. Der Kompromiss sieht neben einer Corona-Prämie von 500 Euro 2021 in den Folgejahren dauerhafte Sonderzahlungen vor, die in Betrieben mit Personalnot zum finanziellen Ausgleich bei der Senkung der Arbeitszeit genutzt werden können. Azubis erhalten 300 Euro.

Die Zahlung gibt es erstmals im nächsten Februar in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatslohns. Ein Jahr später steigt sie auf 27,6 Prozent und fällt dann jährlich an. Der Vertrag gilt rückwirkend per Januar und bis zum 30. September 2022.

In der Regel vereinbart einer der großen Westbezirke – Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen – einen Abschluss, den die anderen sechs Bezirke mit leichten Veränderungen übernehmen – in Summe für bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie.

35-Stunden-Woche bleibt auf Tagesordnung

„Ich empfehle unseren Gremien, den heute Nacht gefundenen Kompromiss auch für den VSME zu übernehmen“, reagiert der sächsische Verbandspräsident Nils Kroemer auf die Vorlage. „Wir haben die Verhandlungen hier in Düsseldorf direkt begleitet und tragen das Ergebnis mit“, so der Verhandlungsführer für knapp 60 Mitgliedsbetriebe mit rund 23.000 Beschäftigten. Er selbst leitet seit 1999 das Werk für Kombinationstechnik der Siemens AG in Chemnitz.

Nach seinen Worten könne die Übernahme „zügig – noch vor Ostern – auch für unseren Verband mit der Gewerkschaft vereinbart werden“. Das sei auch im Interesse der Belegschaften.

Doch deren Interessenvertretung sieht im prompten Arbeitgeber-Ja nur Kalkül und droht mit Streiks. Die Gewerkschaft besteht auf der Arbeitszeitangleichung im Osten, die ein Westbezirk eben nicht verhandelt. „Auch wenn es jetzt den Piloten in NRW gibt, bleibt die regionale Frage im Bezirk noch zu klären“, sagt Birgit Dietze, IG-Metall-Chefin von Sachsen, Berlin und Brandenburg. Die Gewerkschaftsbeschlüsse „seien eindeutig und unverändert“. „Mit dem tariflichen Angleichungsgeld fordern wir die schrittweise Angleichung der Arbeitsbedingungen“, sagt sie.

Oder anders: Die 35-Stunden-Woche bleibt in den anstehenden Gesprächen auf der Tagesordnung. Gut 30 Jahre nach der Wiedervereinigung arbeiten Branchenbeschäftigte im Osten drei Stunden länger als ihre Kolleginnen und Kollegen im Westen – einen Monat pro Jahr. „Jetzt sind die Arbeitgeber gefordert, endlich einen ersten Schritt in Richtung Angleichung zu machen“, sagt Dietze.

Facharbeiter gehören zu Spitzenverdienern

Doch Jörg Brückner, Sachsens branchenübergreifender Arbeitgeberpräsident, stellt sich die Angleichung anders herum vor: Der Westen solle zurück zur 38-Stunden-Woche des Ostens, so der Präsident der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft.

Die Metall- und Elektroindustrie zählt in Sachsen rund 1.700 Unternehmen. In etwa 140 Betrieben gelten Flächentarif-, Haus- oder Anerkennungsverträge. Somit erhält kaum die Hälfte aller 190.000 Branchenbeschäftigten Tariflohn. Auch im Westen arbeitet 25 Jahre nach Durchsetzung nur jede/r Fünfte 35 Stunden pro Woche – das Gros teils deutlich länger.

Laut VSME gehören Facharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie „zu den Spitzenverdienern“ in Sachsen. Ihr mittlerer Bruttojahresverdienst von 46.100 Euro liege inklusive Sonderzahlungen um 10.500 Euro über dem Durchschnittslohn aller Beschäftigten im Freistaat, so der Verband.

In den letzten Wochen hatte es zahlreiche Warnstreiks gegeben, an denen sich laut Gewerkschaft 33.000 Beschäftigte in gut 140 Betrieben beteiligten. Birgit Dietze, einzige Frau an der Spitze eines IG-Metall-Bezirks, ist entschlossen: „Entweder es erfolgt jetzt ein konstruktiver Einstieg in alle Fragen oder wir legen nach Ostern nach. Die Arbeitgeber können das wählen.“

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